Genre sind Schubladen, aber wenn man denkt, dass diese Schubladen einfach zu handhaben sind, der hat sich noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Diese Schubladen klemmen nämlich häufig, sind manchmal zu groß und manchmal zu klein, haben manchmal keinen Boden und manchmal sind einfach die falschen Sachen drin, obwohl sie verdammt gut reinpassen. Kurzum: Über Genre-Einteilungen kann man immer gut diskutieren.
Wo stellt man beispielsweise "I am Legend" hin? Ich würde vom Gefühl her "Horror" sagen. Für mich ist "I am Legend" ganz eindeutig Horror. Andere Leute würden aufschreien und fragen: "Wer hat den denn
da reingepackt?" und würden ihn eher zu den Science-Fiction stellen - am besten zu den anderen Wil Smith-Sachen da. Nur passt "I am Legend" meiner Ansicht nach nicht neben "I Robot" trotz der Titelverwandschaft. Auch würde er für mich nur schwer neben "Planet der Affen" passen oder neben "Das schwarze Loch", neben "Minority Report" und "Gattaca" und neben die ganzen Star Treks. Aber das ist eben Genre: Nicht eindeutig.
In der IMDB steht da sogar ganz korrekt nicht nur ein Genre, sondern mehrere: Drama, Horror, Science-Fiction, Thriller - exakt. Aber wo dann nun hinstellen? Für mich persönlich ist der Film einfach näher an einem "28 Days Later" als an "I Robot" und da stehe ich dazu. Oder würde jemand "28 Days Later" auch zu den Science-Fiction stellen? Vermutlich nicht und wenn doch, dann müsste man sogar eigentlich fast alle Zombie-Filme da hinstellen. Endzeit-Setting macht doch noch nicht alleine einen Science-Fiction aus und die Arbeit an einem Virus auch nicht. Witzigerweise würde ich "Der Omega-Mann" schon eher auf die Science-Fiction-Ecke stellen, allerdings könnte das auch daran liegen, dass ich den damals beim "großen Science-Fiction-Film-Abend" im Fernsehen gesehen habe neben den ganzen Planeten der Affen, Westworld und diesen alten Dingern. Dennoch, auch wenn es die gleiche Vorlage ist: "I am Legend" gehört für mich zu den Horror-Filmen. Sicherlich nicht neben "Saw" und diesen Krempel, sicherlich auch nicht zu den Eastern-Horror (ist das überhaupt ein eigenes Genre? wird zumindest so behandelt), sicherlich auch nicht neben "Scream", aber doch schon irgendwie eher in der Richtung, als bei den anderen.
Das mit dem Genre ist eben nicht ganz so einfach bei Filmen, die in mehreren Genres gleichzeitig spielen. Da würde mir beispielsweise direkt "Alien" einfallen - für mich eindeutig ein Science-Fiction. Aber wo ist da dann der Unterschied dazu, dass ich "I am Legend" eher aufs Horror-Kreuz stellen würde und "Alien" eher zu den Science-Fiction? Bei "Alien" ist das science-fiction-setting einfach bedeutender, bestechender und vordergründiger. Bei "I am Legend" tritt dieses Setting eher in den Hintergrund und wird nicht ganz so wichtig als "Science-Fiction-Setting an sich". Ähnliches bei "Event Horizon" - wohin damit? Zu den Horror-Filmen, weil es einer der verstörensten Filme ist, die ich kenne? Oder zu den Science-Fiction, da das SF-Setting doch äußerst dominant ist? "Shawn of the Dead" - zu den romantischen Komödien? Direkt neben "Hot Fuzz"? Oder dann doch auf das Horror-Kreuz? Neben "Dawn of the Dead" und die anderen Zombie-Filme? Oder dann doch neben "Fido"? Oder steht "Fido" da nicht sowieso schon?
Ich hoffe, nun ist jedem klar geworden, wie schwammig "Genre" ist. Natürlich gibt es Fehlgriffe bei der Einordnung. Wenn ich "Tatsächlich Liebe..." zu den Abenteuer-Filmen stelle, ist das wirklich merkwürdig und wenn ich die "Goonies" zu den Science-Fiction stelle, raufe ich mir auch die Haare auf dem Kopf. Aber ob ich nun "Besser Geht's Nicht" zu den romantischen Komödien stelle, zu den Paar-Komödien oder zu den schwarzen Komödien, ob ich nun "Das letzte Einhorn" zu den Zeichentrickfilmen, den Animes, den Kinderfilmen oder den Fantasyfilmen stelle, das ist und bleibt Geschmackssache, denn "Genre" ist und wird niemals eindeutig definiert, ist immer Überlappungssache und nie, nie, niemalsnie offensichtlich. Bitte, bitte, merkt euch das.
Und wo ich schon bei dem "bitte, bitte"-Appell bin, ein kleiner Link in
vergangene Tage. Bitte also mehr das eigene Köpfchen einschalten, wenn man mit Film, Literatur oder Kultur im Allgemeinen zu tun hat. Das hat so viel mit Hierarchien und Autoritäten zu tun und so wenig mit wirklich eindeutigen Gesetzmäßigkeiten, dass ich das als
Post-Strukturalist/
Dekonstruktivist nicht häufig genug sagen kann. Wir bekommen in der Schule nur seltenst den wirklich freien Umgang mit dieser Materie beigebracht, denn das geht unter bei der x-ten Frage nach der Autorenintention im Deutsch-Unterricht mit der bekannten (blödsinnigen) Frage: "Was will der Autor uns damit sagen?" Klare Antwort: Mir egal - ich finde das, was der Text sagt viel spannender.
Comments
Thu, 27.11.2008 12:17
Gratulation! Bei mir wird es jetzt definitiv nichts mehr mit dem Winner-Button. 30000 Wörter werde ich in den [...]
Wed, 26.11.2008 15:43
Yaymapi! Herzlichen Glückwunsch!
Wed, 26.11.2008 10:49
“Großes Kino” ist genau die richtige Beschreibung. Viel liebe zum Detail und tolle Questen. Alleine mit der Lore [...]
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)