Ein Tabletop-RPG (via Andreas Melhorn) mit der Prämisse: "What if all those extremist groups got their way? What if the bootstrap Libertarians, suburbo-fascist Californians and radical leftists in the Pacific Northwest, angered by a political action so abhorrent that they shattered America forever?" Kostenlos noch im Wahlmonat (also bis Ende November), danach für 5$. Also gerade für die Sammler unter uns von Kuriositäten vielleicht interessant. Nein, ich denke da natürlich nicht an ganz spezielle Leute von euch.
Vor einiger Zeit hatte der Leo mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, D&D 4th mit ihnen zu spielen. Er wollte gerade eine neue Gruppe aufmachen, um D&D 4th zu testen und da wäre ich ihm eingefallen. Fand ich total super, da ich den Leo zwar über meine Arbeit in der Videothek kannte, aber sonst nie so richtig viel mit ihm gemacht habe, auch wenn Leo und ich schon recht viele gemeinsame Interessen haben. Das hatte mich riesig gefreut, zumal ich D&D 4th sowieso schon seit geraumer Zeit ausprobieren wollte.
Was will der Storyteller/Method-Actor denn mit D&D 4th? Tja, es ist ja nicht so, dass ich nicht über meinen eigenen Tellerrand hinaus schaue und wenn ich es weiß, habe ich auch nichts gegen Dungeon-Crawl - sofern ich das vorher weiß und mich darauf einstellen kann. "Descent" macht mir schließlich auch einen ungeheuren Spaß und habe ich sehr gerne mit dem Hautz und dem John (auch Videotheken-Kollegen) gespielt. Generell habe ich da also nichts dagegen, sofern ich das vorher weiß - "Gruppenvertrag" und so, ne?
Außerdem scheint mir D&D 4th bisher viel schnittiger und spannender vom System her zu sein. Das macht den Eindruck, als ob auch mir da die Herausforderung Spaß machen könnte. Mit D&D 3rd konnte ich mich ja nie so recht mit anfreunden. Ich habe es zwar lange und ausgiebig Online mit NWN und NWN2 gespielt, aber da hat der Computer einem auch das System abgenommen und es ist einem daher weniger in die Quere gekommen; in die Quere gekommen ist es einem dort aber auch, weil ich das System schon damals sehr starr und einschränkend fand. Außerdem gingen mir die ganzen Prestige-Klassen und die unzähligen Supplements auf den Keks. Da war es irgendwann einfach nur noch ein Wettstreit, wer das aktuellere Supplement hat und wer die powergamerige Prestige-Klasse findet - von Hintergrund-Powergaming ganz abgesehen ("ich weiß mehr über das Setting als du, weil ich den Nebensatz in diesem einen Supplement kenne, das du nicht hast").
Kurzum: D&D 3rd war vielleicht notwendig, aber ein Übel. D&D 4th sieht für mich nach der richtigen Weiterentwicklung nun nach der Charaktererschaffung aus. Wie es sich nun spielt, werde ich heute herausfinden. Halfling-Sling-Dex-Cleric incoming! Ja, ich weiß, ich mache gerne abseitige Charakterkonzepte, aber allein daran kann man sehen, ob das System einen in der Charaktererschaffung dermaßen einschränkt, dass durchaus sinnvolle und logische Charakterkonzepte nicht klappen. So habe ich mich bei D&D 3rd jahrelang mit meiner Halfling-Dex-Paladin rumgeschlagen und es war regeltechnisch echt immer ein absolutes Würgen. Der Charakter war super, aber das System hat ihm immer wieder ganz schon gegen die Beine gefegt. Das ist mir nun bei meinem Halblings-Kleriker bisher noch nicht passiert und es passt ganz super. Der Leo war sogar auch ganz überrascht, nachdem er anfangs schon Angst bekam, dass mein Charakter nichts aushalten würde, aber als er dann die Werte, Feats und Powers sah, war er wohl milde gestimmt und sehr zuversichtlich. Das hat mich schon einmal sehr vom D&D 4th überzeugt. Wie sich das dann auch letztendlich spielt werde ich in etwa 3 Stunden dann erfahren.
Andreas hat eine sehr interessante Rezension über das neue WoD-Buch "Changeling: The Lost" geschrieben. Ich fand das alte Changeling von White Wolf schon überaus spannend, auch wenn ich das Konzept mit den beiden Welten schwer verständlich fand. Unwahrscheinlich gerne hätte ich es gespielt und habe mir vor ein paar Jahren auf dem Tentacles-Con eine (leider) deutsche Ausgabe von "Changeling" zugelegt. Was Andreas da aber über das neue "Changeling" schreibt, macht mich neugierig und neugieriger als auf das damalige "Changeling". Ich hoffe, das Buch gibt es noch ein wenig in den Läden, denn derzeit habe ich meinen "Luxus-Etat" überschritten, was solche Sachen betrifft und werde es mir wohl leider nicht vor Weihnachten zulegen. Sehr schade. Changeling: The Lost, halte durch bis dahin!
Wer hat eigentlich behauptet, der Herbst sei bunt? Die Aussage ist so recht ungenau, denn gemeint war wohl: Der Herbst ist bunt und nicht der Herbst ist bunt, dabei könnte ich letzteres besser unterschreiben, wie ich gerade wieder gemerkt habe. Bunt - was ist am Herbst bunt? Die Blätter - das Wetter sicherlich nicht. Aber mir fiel eben bei einem Besuch bei meiner Mutter in Mainz auf, dass es dort alles andere als bunt ist. Denn der Herbst dort ist gelb - nicht bunt. Natürlich gibt es auch mal rötliche Sträucher zwischendurch, aber eigentlich ist das wirklich so ein ungesunder Gelbton, der über dem grauen Asphalt liegt und das mag ich einfach nicht, denn das ist die Personifikation von Kälte und Nässe. Der Herbst hier draußen in Ginsheim hingegen ist bunt und auch von LARPs weiß ich, dass Herbst bunt sein kann. Aber kein Wunder, dass ich als Kind den Herbst immer dämlich fand, denn es ist kalt, nass, trüb, gelb und außerdem musste ich immer eklige Gummiregensachen anziehen, die ich gehasst habe.
Ich habe lange Zeit von mir behauptet, dass ich ein Sonnenkind wäre. Das bin ich auch eigentlich. Auf die Frage, welche Jahreszeiten ich mag, war meine Antwort immer: "Sommer richtig brütend heiß, dass man sich am liebsten nicht bewegen mag und Winter eisig kalt mit sternklarem Himmel, dass es einem die Nase abfriert." Das stimmt so auch noch, aber gerade in den letzten Wochen, wenn hier vor der Wohnung immer die trübe Nebelsuppe aufzog, wurde mir bewusst, wie hübsch doch Nebel sein kann. Das hat einfach etwas Tolles. Früher konnte ich das nicht ab, aber dieser neblige Vorhang hat einfach etwas Gemütliches bei aller Kälte und Nässe, die da draußen gerade so eklig ist.
Vielleicht rührt das von ein paar schönen Erinnerungen an Nebel zurück, die ich besonders in Bezug auf LARPs habe. Nebellegenden 4 1999 war ein wunderschöner Nebel damals bei der Endschlacht, als der General des Bozephalus beschworen wurde und langsam der Nebel den Ritualhügel hoch kroch. Oder auch Alcyon 3 auch 1999 war einfach famos in diesem düsteren Nadelwäldchen, perfekt geschafften für einen Horror-Fantasy-Con, bei dem ein Dämon nach zwei Vorläufercons erste Schritte in diese Welt setzt (damals mit einem solchen Meta-Plot einfach ein Vorreiter und innovativ). Da gibt es viele schöne, stimmungsvolle, wenn auch häufig unheimliche Erinnerungen, auf die ich zurückblicken kann. Aber dennoch sind diese Erinnerungen sehr schön, weil es auch im Gegenzug zu aller Nässe und aller Kälte auch die heimeligen Momente in Blockhütten am Lagerfeuer gab, die Momente, in denen sich alles um eine Fackel versammelte und man so die Kälte von außen fern hielt.
Vielleicht liegt meine positive Ansicht über Nebel und Herbst mit an solchen Momenten und mit an diesen Cons, denn gerade bei Nebel muss ich häufig an LARPs denken - und wie gerne ich wieder einmal LARPen würde. Ich sollte da wirklich mal meinen Hintern hoch bekommen, nachdem ich den Pat letztens leider für den einen Con versetzt habe, da ich mich nicht mehr gemeldet habe. Aber das ganze Drumherum um den Tod meines Vaters hat mich dann doch sehr träge gemacht, was solche Sachen betrifft. Aber anpeilen will ich es für das nächste Jahr auf jeden Fall.
Ist schon eine Weile her, dass es im Cthulhu-Blog stand, aber dennoch wollte ich endlich einmal auf dieses kleine Flash-Spiel hinweisen, das ein absoluter Zeitkiller ist. Sehr nett gemacht, sehr kurzweilig und für diejenigen unter uns, die Magic mochten, sicherlich einen Blick wert. Ich selbst bin ja erst sehr spät zu Magic gekommen über meine Frau, hatte nie eigene Karten, aber ich mochte Magic und hatte nie dieses "Antipathie"-Gefühl, das viele Rollenspieler gegenüber Trading-Card-Games hatten.
Als Kind wäre ich voll in Yu-Gi-Oh und Pokemon aufgegangen - das wäre genau meine Welt und mein Ding gewesen. Daher weiß ich auch, was meine Kinder später haben dürfen. Denn ich finde das sogar einen sehr guten Einstieg in die Komplexe "Verantwortungsbewusstsein" und "Mit Geld haushalten", besonders, wenn man sich mit dem Kind dann aktiv dabei beschäftigt, mit ihm über diese Sachen redet, dass das Geld kostet und man nicht unendlich viel Booster kaufen sollte. Finde ich ein total gutes Ding. Jedenfalls hatte ich irgendwann mal die Idee, dass meine Kinder Pokemon schauen müssen - die Armen.
Heute habe ich den Abend ein wenig verplempert; aber dann auch wiederum nicht. Demnächst ist Halloween und wir hatten es bei meiner alten Pen&Paper-Runde so gemacht, dass wir an Halloween immer etwas gemacht haben. Ganz zu Anfang hat einer am 31.10. etwas geleitet - ich meistens Cthulhu - und am 01.11. hat jemand anders etwas geleitet. Im Laufe der Zeit wurde dann meist nur noch einer von beiden Tagen für Rollenspiel benutzt und der Andere für Brettspiele und Videos - irgendwie haben wir es da dann nicht mehr hinbekommen, zwei Runden an aneinanderfolgenden Tagen zu machen. Zum Schluss haben wir eigentlich nur noch Brettspiele und Videos gemacht, denn das war einfacher und schneller organisiert, außerdem konnte man so viel mehr Rücksicht auf "Unentschlossene" nehmen, die noch bis einen Tag vorher nicht wussten, ob sie Zeit hatten.
Leider hat sich meine alte Pen&Paper-Runde ziemlich zerstreut. Der Tobi ist ganz in den Nordwesten Deutschlands wegen seiner Post-Doc-Stelle und der Frank hat eine Stelle in Tübingen bekommen; Stefan hatte uns schon weit vorher nach Amiland gänzlich verlassen, womit eigentlich nur noch Marc und ich blieben und auch wenn meine Frau auch hin und wieder mitgespielt hat - zu dritt hat es dann doch nie so richtig hingehauen. Die Halloweens haben wir dann dennoch meist zu dritt verbracht, dann allerdings nur mit Videos, denn Brettspiele zu dritt gibt es zwar auch nette, aber ich finde, für einen "richtigen" Brettspiel-Abend braucht man vier Leute.
Heute morgen fiel mir dann auf, dass dieses Jahr der 31.10. ein Freitag und der 01.11. ein Samstag ist. Da könnte ich ja einmal wieder einen Versuch starten und "die Jungs" mal organisieren. Also verbrachte ich den Abend damit, besagte Herrschaften anzurufen. Leider haben beide noch bis recht spät gearbeitet, so dass sich das Telefonieren verschob, aber ich hielt mir dennoch wacker den Abend frei. Etwas fest ausgemacht haben wir nicht, auch wenn wir zumindest eine vage Aussicht darauf haben, mal wieder einen Retro-P&P-Abend zu machen - ganz klassisch, ohne Schnörkel, ohne Komplikationen. Ich habe noch keine festen Zusagen, aber zumindest Interessenbekundungen bekommen, die mich ganz positiv stimmen. Außerdem waren die längeren Telefongespräche auch mal wieder nett. Da habe ich einfach einmal wieder gemerkt, dass mir unsere alte Runde in ihrer Gesamtheit doch total fehlt. Vielleicht ist das aber auch einfach nur Wehmut und Nostalgie und wohl der unweigerliche Weg einer jeden Rollenspielrunde, die sich zur Schulzeit gegründet hat, die schwere Unizeit durchlebt und dann langsam am Auseinanderbröckeln war.
Aber so einen klassischen Halloween-P&P-Abend mal wieder zu machen mit "den Jungs" ... hach ja, das wäre schon schön. Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf und bleibe weiterhin am Ball. Und wenn es dann doch nur wieder Videos werden, wäre schon allein schön, mal wieder alle beisammen zu haben, Marc, Frank und den Tobi.
Spannend sind die selbst ernannten Götter des Rollenspiels; und damit meine ich nicht die Götter in den jeweiligen Settings, sondern die Spieler. Es gibt so viele selbst ernannte Päpste des Rollenspiels, die genau wissen, wie man zu rollenspielen hat, dass man egal auf welchem Con, egal auf welchem Server man immer mindestens einen davon findet. Das Ganze sieht dann meist so aus, dass derjenige sehr dogmatische Ansichten von Rollenspiel hat - ein Rollenspiel-N*zi.
Er weiß, wie der perfekte Rollenspieler auszusehen hat, der Uber-Rollenspieler. Und er weiß auch immer genau, wie Andere zu spielen haben. Er hat den größten Einblick, sowohl in den eigenen Charakter (aber der ist für ihn meist unwichtiger), aber noch viel mehr in die Charaktere von Anderen und hier liegt auch das größte Erkennungsmerkmal des Rollenspiel-N*zi: Alles muss so gemacht werden, wie er es will, sonst ist es kein Rollenspiel und dies gilt ganz besonders dabei, wie andere ihre Charaktere zu spielen haben. Level-Aufstiege müssen beispielsweise immer im Rp ausgespielt werden, Zauber und Fertigkeiten müssen immer auch im Spiel erlernt werden. Aber gerade hieran sieht man, wie wenig Ahnung so jemand vom Rollenspiel hat, wenn es hier das dogmatische "immer" gibt, denn "immer" ist das nicht gut.
Es macht wirklich Spaß, diese Sachen auszuspielen, aber man muss es nicht immer. So etwas darf nie zum Selbstzweck verkommen! Man spielt nicht Rollenspiel, um etwas auszuspielen, man spielt Rollenspiel, um Spaß zu haben. Natürlich darf man diese Sachen ausspielen! Habe ich auch schon gemacht und es macht auch Spaß. Aber es sollte passen. Nicht immer auf Biegen und Brechen hinaus alles ausspielen müssen, denn darunter (Achtung, hier kommt das Paradox) leidet das Charakterspiel! Ja, genau, richtig gehört - es leidet darunter. Es wird nicht gefördert, sondern zum Zwang und dadurch unnatürlicher. Häufig werden diese Ausspielsachen so sehr in die Situation zwanghaft reingepresst, dass diese Ausspiel-Situationen nichts Natürliches mehr an sich haben und genau hierunter leidet dann Charakter- und Situations-Tiefe. Bei Filmen und Büchern geschieht auch nicht immer alles minutiös dargestellt. Es gibt Sachen, die off-screen passieren. Bitte auch mehr davon im Rollenspiel, denn das fördert die Charaktertiefe, auch wenn gerade diese Leute das nicht glauben wollen.
Um mal eines klar zu stellen: Auch wenn einige Leute das meinen, solche Questen haben etwas mit "Rollenspiel" zu tun, die immer und immer wieder gemacht werden, bei denen eine bestimmte Figur immer wieder und wieder enttarnt wird, hat es dennoch nichts mit "Rollenspiel" zu tun. Ich habe keine Ahnung, wer diesen merkwürdigen Floh in die Welt gesetzt hat, aber das hat ungefähr mit Rollenspiel genauso viel zu tun, wie Wurst mit Käse. Kann man zusammen aufs Brot tun oder sein lassen, aber sind dennoch zwei unterschiedliche Dinge.
Rollenspiel lebt von einer dynamischen Welt, von einer Welt, die sich verändert. Da ist es sogar für das Rollenspiel förderlich, wenn die Welt sich verändert, wenn Questreihen auch einmal verschwinden, wenn Geschichten endlich einmal zu Ende erzählt sind. Wenn die gute Lady Prestor zum drölften Mal enttarnt wurde, sich als Drache gezeigt und in ihren Unterschlupf verzogen hat, hat das nichts mit Rollenspiel und schon gar nichts mit Weltenkonsistenz zu tun. Das ist ja auch das Hauptproblem, das WoW für Rollenspieler hat: Die immer wieder wiederholbaren Questen. Denn wie erklärt man, dass nun zum x-ten Mal Onyxias Kopf vor Stormwind hängt? Ich bin da vermutlich einfach kein so guter Rollenspieler, denn mir fällt das schwer nach dem 5. Mal (aber erst dann); aber zugegebenermaßen habe ich bereits nach dem 1. Mal ein Problem, wenn Lady Prestor dann wieder im Thronsaal steht.
Für einen richtigen Rollenspieler ist die WoW-Welt sogar noch viel zu statisch und da ist es sogar wirklich gut, wenn endlich mal Sachen abgeschlossen werden. Es wäre sogar gut, wenn ein paar Sachen verschwinden würden. Ich habe mal eine Zeit lang auf einem WoW-Rp-Server Rollenspiel probiert - so, wie ich es aus meiner Ultima Online-Freeshard-Zeit kannte und auch noch aus meiner NWN1/NWN2-Zeit. Während aber sowohl bei UO als auch bei NWN die Welt "lebte", war die WoW-Welt immer zu starr und die Spieler dort drinnen auch zu starrsinnig, denn sie wollten immer alles mit einbeziehen und das ist einfach ein Fehler bei einer so statischen Welt. Wenn die WoW-Welt dynamischer wäre, wenn Questen auch mal verschwinden würden, wenn Geschichten auch einfach mal zu Ende wären, dann würde es gehen. Aber so funktioniert das eben mit der statischen WoW-Welt nicht, dass man das alles einbezieht. Damit will ich nun nicht sagen, dass die WoW-Welt statisch ist - keineswegs. Aber sie ist zu statisch für Rollenspiel, auch wenn die Geschichten weiter erzählt werden, auch wenn der Hintergrund weiter anwächst. Das liegt nicht an WoW, das liegt an der Grundstruktur von großen MMOs, da man schließlich alte Quest-Reihen beibehält. Die Grundstruktur von MMOs ist kein guter Nährboden für Rollenspiel. Das klappt auf kleineren Welten, einem UO-Freeshard, einer NWN-PW, aber eben in diesem Stile nicht bei einem MMO.
Wir haben unseren Kloster-Gang damals im Rp gemacht. Das war wirklich nett. Aber ich muss zugeben, dass ich gerne noch ein paar Items aus dem Kloster gerne gehabt hätte. Also wollten wir noch einmal rein. Nur muss ich zugeben, dass mich meine Kreativität da auch irgendwann verlässt, warum da nun wieder Mograine steht und warum die Bibliothek immer noch nicht verkokelt ist. Doch einige der selbst ernannten Elite-Rollenspieler wollten da nur im Rollenspiel rein. Fiel denen nicht auf, dass das gerade aus rollenspielerischer Sicht auf sehr wackligem Boden steht? Dass das gerade aus rollenspielerischer Sicht am sinnvollsten gewesen wäre, das einfach auszublenden? Wenn man Illidan auch schon x-ten Mal mit Maive konfrontiert, fühlt man sich als Rollenspieler auch eher beim "Groundhog's Day" und nicht in einer lebendigen Rollenspielwelt. Was macht man also als richtiger Rollenspieler? Man muss diese Sachen ausblenden. Man muss ausblenden, dass diese und jene Queste schon zum x-ten Mal gemacht wird. Man sollte es auch nicht im nächsten Tavernen-Gespräch erzählen:
- "Wir haben Nefarian letzte Woche von seinem Thron im Schwarzfels gestürzt!" - "Ach? Ihr auch? Wir gestern." - "Ach ja, und der Marshal Windsor, der Doofkopp, hat sich schon wieder gefangen nehmen lassen!" - "Was für ein Held! Ich dachte, der wäre tot. " - "Ja, war er auch, ist jetzt aber wieder gefangen worden, nachdem man ihn wieder belebt hat, ihm das mit Lady Prestor nicht geglaubt hat und..."
Tolles Rp-Gespräch -> /golfclap.
Damit möchte ich nicht absprechen, dass es schade ist, dass beispielsweise die Onyxia-Prequest abgeschafft wird. Das ist schade! Aber aus anderen Gesichtspunkten, die mit Rollenspiel nullkommanullgarnix zu tun haben. Das hat etwas mit Nostalgie zu tun und damit, dass es einfach eine nette Geschichte war. Aber es ist tatsächlich sogar dienlicher für das Rollenspiel, wenn jetzt nicht mehr 10 mal am Tag die Drachen im Thronsaal von Stormwind stehen. Denn je häufiger man solche Sachen ignorieren muss und als richtiger Rollenspieler muss man es ignorieren, weil es ansonsten unlogisch wird, desto mehr hat die Suspension of Disbelief darunter zu leiden. Wenn ihr euch also darüber beschwert, dass die Onyxia-Pre weg ist, dann macht das, aber bitte nicht unter dem Aspekt des Rollenspiels - das ist einfach unglaubwürdig und höchstens Polemik.
Ich finde es schade, dass sie weg fällt! Aber nicht aus rollenspielerischer Sicht, denn aus dieser Sicht ist es tatsächlich sogar positiv, denn es erleichtert die Suspension of Disbelief und wie wir Rollenspieler ja wissen, ist diese unabdingbar für die Charakter-Immersion. Daher ist der Wegfall der Onyxia-Prequest sogar gut für das Rollenspiel! Schon witzig, dass an so vielen Orten das Gegenteil behauptet wird, wo ich mir dann denke: "Ich glaube, da hat jemand ein sehr merkwürdiges Verständnis von Rollenspiel." Klar, es gibt viele unterschiedliche Verständnisse von Rollenspiel. Ich habe schon zigtausend miterlebt. Aber zugegeben, dieses Verständnis ist für mich äußerst befremdlich.
Beim Entrümpeln meiner Link-Liste, bin ich auf einen alten Ultima-Personality-Test gestoßen. Da wird man alle Fragen gefragt, die man früher bei den Ultima-Teilen zur Charaktererstellung gefragt wurde. Das war sowieso damals ganz großartig: Je nachdem, in welcher Tugend man am meisten Fragen beantwortete, wurde man einer Klasse zugeteilt mit entsprechenden Attributen, denn jede Tugend stand für eine Stadt und jede Stadt stand für eine Klasse.
Das Tugendsystem war auch wirklich großartig - hoch philosophisch und einfach tiefgründig. 7 Tugenden, die zusammen 3 Prinzipien formten. Alle Tugenden gelten als erstrebenswert, aber man kann nicht in allen Tugenden tugendhaft sein. Ganz extreme Gegensätze sind beispielsweise Humility und Spirituality, die sich häufig beißen, wie man auch an den Fragen zu den Tugenden sehen kann. Bei diesen Fragen wird nämlich immer eine Situation gestellt und man kann die Situation auf zwei verschiedene Tugend-Arten lösen - man muss sich also für eine entscheiden. Das fand ich immer absolut spannend.
Dieses Tugendsystem hat dann auch seine story-technische Erfüllung in einem meiner ersten großen Computer-Rollenspiele gefunden: Ultima 4 - ein damaliger Meilenstein, nicht unbedingt von der Bedienung und der Programmierung, aber vom Plot und dem Hintergrund her. Es gab keinen Endgegner im eigentlichen Sinne. Britannia braucht jemandem, zu dem es aufblicken kann, denn die Leute aus Britannia beginnen, die Tugenden zu vergessen. Also braucht es einen Avatar, der diese Tugenden verkörpert. Der Spieler macht sich also auf den Weg, um diesen Tugenden auf den Grund zu gehen und um am Ende dann als der Avatar ein leuchtendes Vorbild für Britannia zu sein. Daraus ergibt sich dann auch die weitere Story der nächsten Teile bis zum (meiner Ansicht nach unterschätzten!) 9. Teil, in dem die Avatar-Plotreihe sein Ende findet. Der letzte Teil wurde von Kritikern damals ziemlich zerrissen. Mir hat er ungeheuren Spaß gemacht und war meiner Ansicht nach ein würdiger Abschluss für Ultima. Aber auch die Teile dazwischen sind wirklich alle sehr, sehr beeindruckend von Plot und Hintergrund.
Diesen ganzen Hintergrund habe ich auch zu meinen Ultima-Online-Zeiten immer versucht, einfließen zu lassen. Da gibt es auch noch entsprechende Kontemplationen meines Paladins damals, die ich immer noch recht gelungen finde. Ultima ist einfach ein zeitloser Klassiker, der mittlerweile leider doch sehr verschwindet. Dabei ist gerade diese Philosophie auch für das heutige (Fantasy)-Rollenspiel äußerst spannend. Mein Tyr-Priester auf LARPs hat beispielsweise sich auch dieser Philosophie bedient und nach diesen Tugenden gelebt. Das hat einfach wie die Faust aufs Auge gepasst. Einfach ein tolles System.
Bei dem Personality-Test habe ich übrigens dieses Ergebnis erzielt:
Ultima Personality Test - Results
Your Virtue Scores
4 out of 7 Honesty
6 out of 7 Compassion
1 out of 7 Valor
3 out of 7 Justice
5 out of 7 Sacrifice
3 out of 7 Honor
4 out of 7 Spirituality
2 out of 7 Humility
14 out of 22 Truth
18 out of 22 Love
13 out of 22 Courage
Rictus about And the winner is... Thu, 27.11.2008 12:17 Gratulation! Bei mir wird es
jetzt definitiv nichts mehr
mit dem Winner-Button. 30000
Wörter werde ich in den [...]
Erdferkel about And the winner is... Wed, 26.11.2008 15:43 Yaymapi! Herzlichen
Glückwunsch!
Laneh about Reborn from the Ashes Wed, 26.11.2008 10:49 “Großes Kino” ist genau die
richtige Beschreibung.
Viel liebe zum Detail und
tolle Questen.
Alleine mit der Lore [...]
Holger about Den chabe ich mir aber größer vorgestellt Fri, 21.11.2008 14:58 Mit dem Esslinger
Weihnachtsmarkt klappt es
dieses Jahr leider nicht. Wir
sind erst zwischen den Jahren
(also nach [...]
Erdferkel about If I could reach, higher Mon, 17.11.2008 18:52 Was ein deutsche
Vizejugendmann ist kann ich
mir vorstellen, aber was ist
ein Schtsmeister? (SCNR)
Comments
Thu, 27.11.2008 12:17
Gratulation! Bei mir wird es jetzt definitiv nichts mehr mit dem Winner-Button. 30000 Wörter werde ich in den [...]
Wed, 26.11.2008 15:43
Yaymapi! Herzlichen Glückwunsch!
Wed, 26.11.2008 10:49
“Großes Kino” ist genau die richtige Beschreibung. Viel liebe zum Detail und tolle Questen. Alleine mit der Lore [...]
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)