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Monday, January 28. 2008
Das Erdferkel hat schon vor einiger Zeit darüber geschrieben, was für Auswirkungen die ganze Anti-Raucher-Epidemie haben kann und jetzt werden wir vermutlich noch weitere Ausläufer spüren: Filme, in denen geraucht wird, werden anscheinend eine höhere FSK erhalten - zumindest in Amerika. Bekanntermaßen gibt es höhere Freigabe-Stufen für "These films may contain strong profanity, graphic sexuality or nudity, strong violence, scariness, and/or gore, and drug use", was die bekannte R-Restriktion dann ist und beispielsweise auch bei solchen Filmen wie Pulp Fiction zieht, besonders in Hinblick auf die Sprache. Das mit der Sprache war schon häufig witzig, aber jetzt kommt wohl noch das Rauchen dazu. Tolles Ding.
Demnach sollen anscheinend gute Familien-Filme demnächst keine rauchenden Menschen mehr enthalten, denn dies spornt zum Rauchen an und die Film-Branche will sich nicht weiter zur Werbe-Plattform der Rauch-Industrie machen. Eigentlich kann es mir wurscht sein; ist es auch irgendwo. Auch der ganze Bohei um das Rauch-Verbot hat mich ziemlich kalt gelassen als semi-toleranter Nicht-Raucher. Und auch diese Sache mit den Filmen könnte mir reichlich egal sein, wenn da nicht eine Sache wäre: Das ist mir dann doch ein zu großer Eingriff in die Kunst und die Darstellung von Welten - selbst Fiktiven.
Ich bin kein Raucher, ich mag Rauchen nicht, ich finde Raucher auch eigentlich recht nervig, aber dennoch gehört es irgendwie zu unserer Welt dazu. Und nun sollen also Kinder/Jugendliche in den Medien am besten gar keine Raucher mehr sehen, damit sie nicht mehr dazu ermutigt werden? Finde ich - gelinde gesagt - albern. Da stößt sich viel bei mir, mein Kunst-Bewusstsein, denn das ist mir zu viel Eingriff in die Kunst, mein Sinnlosigkeits-Alarm schlägt aus und so weiter. Das muss doch echt nicht sein! Naja, anscheinend doch. Mal schauen, wie und ob der ganze Trubel es dann auch nach Deutschland schafft. Da kann man auch einmal wieder schön emotional aufbauschen und ich sehe es schon kommen, dass es entweder in Zukunft Mafia-Filme nur noch ab 18 gibt oder welche, in denen nicht geraucht wird.
Ich fühle ja auch immer den Autopiloten, wenn ich Raucher in Filmen sehe und habe dann diesen inneren Drang, mir direkt am nächsten Zigaretten-Automaten Kippen zu ziehen. Freier Wille? Noch nie davon gehört und habe ich nicht; ich bin da ein ebenso armes Opfer der Medien wie alle restlichen Menschen - hirnlose Lemminge.
Sunday, January 27. 2008
Heute war/ist Wahl in Hessen und da war ich auch vorhin wählen. Was ich gewählt habe, sage ich natürlich nicht. Aber um gleich irgendwelche Spekulationen zu vermeiden: Ich bin kein Stamm-Wähler und bin fest davon überzeugt, dass eine Stimme solange sinnvoll eingesetzt ist, solange sie eine der vier größeren Parteien gegeben ist. Da kann man viele unterschiedliche Meinungen haben, welche nun besser ist und welche böse, welche Kriminelle sind und welche Heilige, aber letzten Endes bin ich der festen Überzeugung, dass grundsätzlich die vier großen Parteien durchaus sinnvoll und gut handeln wollen - ob sie das dann auch letzten Endes tun, ist eine andere Diskussion. Die Einstellung kann man jetzt auch natürlich flamen noch und nöcher und ganz schön scheiße und undurchdacht finden. Aber das ist mir dann auch egal.
Beim Wählen nehme ich mir immer besonders viel Zeit, denn nichts ist ärgerlicher als einen ungültigen Stimm-Zettel abgegeben zu haben (und das dann natürlich noch nicht einmal zu wissen). Dabei lese ich mir auch immer noch einmal komplett den Stimm-Zettel durch, alle Parteien und schaue auch immer gerne nach unten, was es denn für neue witzige Parteichen gibt. Viel witziges und neues für mich gab es bei der Landtags-Wahl nun nicht, denn die Tierschutz-Partei kennt man schließlich schon, irgendso eine komische freie Wählerpartei gibt es immer, die Linke ist schon lange nicht mehr witzig und das war es auch schon fast - aber nur fast. Ich habe zumindest gut geguckt, als ich "Piratenpartei" gelesen habe. Johohoho, un' 'ne Stimme voll Rum?
Man kann mir natürlich jetzt fehlende Bildung nachsagen, dass ich mich nicht hinreichend informiert hätte oder sonstwas, aber ich muss zugeben, diese Partei ist bisher an mir vorbei gegangen. Der Name ist albern und das Programm klang jetzt bei der ersten Suche im Internet auch sehr platitüdig und sehr im Fahrwasser von "1984" (was mir langsam auf den Keks geht- ja, ja, es ist schlimm, aber...ach, anderes Blog-Thema, denn so einfach ist das nicht) - das wirkt einfach nur nach Trittbrettfahrer und dann auch nicht wirklich so "anders" im Vergleich zu anderen Politikern, wie sie wohl gerne den Anschein machen wollen. Piratenpartei ... irgendwie musste ich da auch wieder an Thomas Gottschalk und Maik Krüger denken. Aber witzigerweise war keine Assoziation mit dem Namen besonders positiv und eigentlich nur so, dass ich das jetzt nicht wirklich ernst nehmen konnte. Mag sein, dass ich da ein absoluter Kost-Verächter bin, aber der Name ist doch schon irgendwie so ein bisschen ein Eigentor. Da klingt selbst "Naturgesetz-Partei" noch seriöser. "Piratenpartei" klingt so ... naja, weiß auch nicht. Wenigstens stand aber nicht Jack Sparrow auf der Abgeordneten-Liste. Wirklich ernst nehmen konnte ich dieses Auftreten jedenfalls nicht; aber vielleicht habe ich mich auch nur nicht eingehend genug damit befasst.
Tuesday, November 6. 2007
Die Mainzer Uni wird durch einen Fluss getrennt; zumindest im symbolischen Sinne. Auf der einen Seite ist das Philosophicum - der Bereich, in dem ich mich den Großteil meines Studiums aufgehalten habe. Dort ist man meist als Geisteswissenschaftler. Dort sind die Germanisten und Anglisten, die Amerikanisten und Romanisten, die Japanologen und Sinologen, die Buchwissenschaftler und Historiker und so weiter. Natürlich findet man auch immer einmal wieder eine andere Spezies dort, aber die sieht dann häufig sehr verloren aus. Das Philosophicum ist meine Welt, da fühle ich mich zu Hause.
Doch wenn ich diesen Fluss überschreite über jene Brücke, die am ReWi (Rechts-Wissenschafts-Gebäude) und irgendeinem naturwissenschaftlichen Ding (ich glaube, Chemie oder Biologie) vorbeiführt, dann fühle ich mich, wie wenn ich in eine andere Welt trete. Nur leider musste ich das manchmal und muss es derzeit immer wieder, denn Politik-Wissenschaft ist im SB-II-Gebäude und das ist jenseits dieses Flusses aus Rewi-Gebäude und Naturwissenschafts-Ding. Diese andere Welt ist ... anders. Dort sind die Politologen und Soziologen,die Anthropologen und auch eine nicht geringe Menge an Juristen, BWLern und VWLern. Dort fühle ich mich fremd.
Was ist es, was mich so fremd fühlen lässt? Schon allein solche Nebensächlichkeiten wie das Äußere. Jenseits des Flusses da tragen viele einen Anzug, dort ist man blondiert; besonders die Frauen, aber erschreckend häufig auch die Männer. Dort ist man geschniegelt und gebügelt. Dort sieht man aus, als ob man direkt von einem Meeting kommt, hat man einen Akten-Koffer in der Hand und das Handy jederzeit griffbereit, am besten am Bat-Gürtel so positioniert, dass es auch jeder sieht. Dort wird die Zeitung (meist die FAZ) zum Schild, um sich in seine eigene Zelle zurück zu ziehen.
Doch nicht nur das Äußere lässt mich dort sich fremd fühlen, auch das Innere. In der Insituts-Bibliothek dort - jenseits des Flusses - darf man Trinken mitnehmen, aber nur Wasser. Bei "uns" in der Instituts-Bibliothek darf man auch Cola mitnehmen. Dort ist alles hell und irgendwie auch ein wenig klinisch in der Bibliothek. Bei "uns" gibt es Holz-Vertäfelungen und es ist insgesamt ein wenig dunkler, uriger. Dort hört man das Gesäusel und den erschreckenden Singsang von platin-blondierten Sirenen im Mini-Rock, während man bei uns das alt-sonore Tuscheln von höchstens Öko-Emanzen zu hören bekommt.
Wer diesen Fluss überquert, der hat meist eine Queste zu erfüllen im klassischen Sinne. Und die Epik dieser Queste beläuft sich meist auf ein Seminar in "der anderen Welt" oder wie in meinem Fall derzeit: "Die letzte Prüfung". Die Regeln, die Ordnung und die Struktur dieser anderen Welt verunsichern und entfremden einen und man fragt sich, ob man wirklich die letzten Jahre überhaupt das Fach studiert hat, wenn man sich hier so fremd fühlt. Und doch weiß man dann die Antwort: Ja, das hat man, denn das war, was einen auch schon die letzten Jahre gestört hatte. Nur dass es einem jetzt am Ende dieser Reise so überaus bewusst wird, wie unterschiedlich diese beiden Welten doch sind.
Ob man zu beiden gehören kann? Ich bezweifle es - zumindest, wenn man sich nicht selbst aufgeben will. Welche Welt die bessere ist? Darauf ist meine Antwort natürlich klar und zeigt sich auch deutlich in meinem kleinen epischen Abgesang. Bei uns gibt es auch blöde Sachen und Sachen, die ich schrecklich finde und die mich aufregen; aber selbst diese Sachen fühlen sich richtiger an auf eine bizarre Art und Weise. Fragt man jedoch jene in der anderen Welt, jenseits des Flusses, so ist die Antwort auch klar und noch viel logischer. Denn dort kann man einwandfrei und argumentativ vollkommen wissenschaftlich belegen, warum man diesseits des Flusses (also hier im Philosophicum) nur Schwafelei und Gelaber vorfindet, während man jenseits des Flusses (also bei denen im SB-II) Wissenschaftlichkeit und auch Wahrheit findet.
Da kann man nur schwer etwas entgegen halten, denn man könnte es nur im selben Diskurs machen und außerdem lässt sich der Wahrheit so schwer widersprechen, denn alles was der Wahrheit widerspricht, ist automatisch unwahr. Dieser Diskurs definiert und immunisiert sich über genau die Sachen, die er der anderen Welt vorwirft und bemerkt noch nicht einmal, dass nicht nur ein Fluss, sondern auch ein Diskurs beide Welten trennt.Ich denke, jenseits des Flusses ist die Welt zu arrogant. Dort ist die Welt selbstverliebt und unkritisch, nicht reflektiv. So waren zumindest immer meine Erfahrungen, wenn mich wieder eine Queste über den Fluss führte. Und das brachte mich auch immer wieder dazu, so schnell als möglich zurück zu kehren. Natürlich ist diesseits des Flusses auch nicht alles gold, was glänzt - manches ist auch Katzengold und manches mehr Schein als Sein. Und doch fühle ich mich hier heimischer und will eigentlich doch gar nicht dort hinüber. Doch ich muss - aber nicht mehr lange ... und dann ... nie mehr.
Monday, June 11. 2007
Dieses Fundstück habe ich dem Hautz zu verdanken, einem ehemaligen Mitarbeiter aus der Videothek, mit dem ich so manche denkwürdige Schicht zusammen hatte. Dieser Hautz brachte einmal eine Rede vom Edmund Stoiber mit in die Videothek in MP3-Form, die einfach grandios war. Wir haben dieses MP3 sicherlich 15 Minuten lang auf Repeat in der Videothek gehabt, so dass uns die Kunden schon ganz schief ansahen; vermutlicherweise dachten sie, wir würden hier irgendwelche CSU-Propaganda machen, denn die wenigsten grinsten - vermutlich achtete niemand auf den Text. Aber wir haben uns gekringelt vor Lachen.
Daher will ich das auch eigentlich niemandem vorenthalten. Hierbei kann jeder Rhetoriker lernen und sollte sich ein Scheibchen davon abschneiden. Das ist Rhetorik in höchster Güte! Aber was rede ich hier noch drumherum, der Link: Stoibers Welt
Danke, Hautz! Und natürlich auch Danke an Yannick, die mir das Ganze im Internet verlinkt hat, damit ich jetzt auch dieses phänomenale MP3 mein Eigen nennen darf.
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Comments
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)
Fri, 14.11.2008 12:49
Ja, können wir gerne schauen mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Wir sind wohl wieder zwischen den Jahren unten in [...]
Fri, 14.11.2008 10:50
Ich muß mal schauen, momentan haben wir noch keine großen Pläne gemacht. Evtl die Turniertage und das avarische [...]
Fri, 14.11.2008 09:53
Dimo! Ich musste häufiger in letzter Zeit mal an dich und die anderen Nebellegendler denken. Dieses Jahr ist es leider [...]
Thu, 13.11.2008 16:58
Ja, was findet man denn da, während man im Netz rumstreunt. Der Artikel ist zwar schon älter, aber ich sag trotzdem mal [...]