Entries tagged as human nature
Friday, October 3. 2008
Es ist mir schon häufig passiert und es wird mir immer wieder passieren: Wer eine unbequeme Meinung direkt und ehrlich sagt, erntet Schläge. Sei dies, dass man querdenkt und dies unbequem ist, sei dies, dass man Sachen ausspricht, die andere nur denken, aber sich nicht trauen, sei dies, weil man für etwas eintritt, woran man glaubt. Ich werde es auch immer wieder machen. Und dennoch bin ich immer wieder am Zögern. Ist es das wirklich wert? Das ist immer die Frage, die ich mir davor stelle.
Früher war die Antwort auf diese Frage eindeutig: Ja, das ist es. Ich bin pluralistisch und demokratisch aufgewachsen. Es ist gut, eine Meinung zu haben, sie zu sagen und dafür einzutreten. Doch ganz ehrlich: Das machen sehr wenige Menschen heutzutage. Ich habe dann schon häufig allein auf weiter Flur gestanden. Natürlich habe ich im Vorfeld dann Versicherungen bekommen: "Ja, ja, du machst das richtig so. Wir sehen das auch so." Und dann stürzt man sich in den Kampf und denkt, dass man Leute im Rücken hat - but Rogues do it from behind. Denn viel zu häufig kam von dort dann nichts. Kein bisschen Unterstützung kam und häufig nur Kopfschütteln und Achselzucken und plötzliches Seitenwechseln.
Mittlerweile ist die Antwort auf diese Frage nicht mehr ganz so eindeutig, aber eigentlich immer die gleiche: Ja, das ist es - aber vielleicht lasse ich den Stress diesmal doch. Gerade diesen Zusatz habe ich mittlerweile häufig. Einfach noch einmal eine Nacht darüber schlafen, einfach noch einmal auf sich ruhen lassen und sich vor Augen führen: "Wenn du es nicht sagst, sagt es sonst keiner und nur, weil du so doof warst, das zu sagen, was Andere denken, bekommst du dann wieder die Prügel." Aber das ist genau der Punkt: Wenn ich es nicht sage, sagt es keiner, denn die Leute sind feige. Da wird dann falsche Freundlichkeit vorgespielt, Nettigkeit geheuchelt, obwohl man doch deutlich zwischen den Zeilen Anderes verstehen kann - wenn man einigermaßen die Augen offen hält und wach mitdenkt. Aber wer macht das heute denn schon? Gerade im Internet? Aber nicht nur dort...
Ich denke mir häufig: "Nein, diesmal nicht. Das ist es nicht wert. Ignoriere es einfach. Es gibt andere Sachen, wichtigere Sachen." Aber was ist wichtig? Was ist wichtiger, als einfach auch frei und ohne Angst seine Meinung zu sagen und sagen zu können? Es gibt nichts Wichtigeres. Zur Meinungsfreiheit gehört eben auch, damit zu leben, dass man für seine Meinung Prügel einsteckt; besonders wenn diese Meinung unbequem ist - aber wenigstens ist sie dann ehrlich. Nur das muss man ertragen können, wenn man schon seine unbequeme Meinung sagt. Das ist nicht schön und vermutlich auch nicht so richtig im Sinne der Meinungsfreiheit, gehört aber dazu, denn in einer perfekten Welt leben wir nur in unserer eigenen. He has to endure it.
Friday, September 26. 2008
Ich finde es traurig, wenn lange, durchdachte Texte im Internet nur zum Teil gelesen werden. Manchmal werden sie sogar gar nicht gelesen und dann höchstens mit dem Kommentar versehen: "tldr - too long, didn't read" oder "was für eine Textwand". Natürlich gibt es auch Textwände, natürlich gibt es auch unübersichtliche Texte, aber gerade im Internet scheint die Frustrationsschwelle für lange Texte extrem niedrig zu liegen; fast so, als ob der Internet-User von heute es verlernt hat, zu lesen.
Damit meinte ich jetzt nicht unbedingt meine Texte. Klar, mir passiert das auch, denn auch ich schreibe gerne mal länger - hin wieder ... ganz selten. Aber mir ist es gerade letztens bei einem Text unter gekommen, der lang war - nicht von mir .. ausnahmsweise. Diesen Text fand ich ungeheuer interessant zu lesen, denn derjenige konnte gerade Sätze schreiben, was im Internet nicht unbedingt üblich ist. Er konnte gut schreiben und es war weder alles klein geschrieben, noch ein einziger Absatzklotz - dennoch fand man darunter: "Er schreibt zu viel." Traurig, sehr traurig.
Die MTV-Generation hält also Einzug in das Internet. Wobei "hält" auch falsch ist, denn sie hat sich schon lange hier fest gesetzt. Texte müssen schnell, schnell, schnell gehen. Ein Text sollte nach Möglichkeit äquivalent zu den epileptischen Kamerakindern von VIVA oder Arabella Kiesbauer sein, möglichst viele Schnitte haben, am besten mit fetzigen Farben unterlegt sein, voll krasse Schreibweise haben, am besten noch ein paar Unterniveau-Witze enthalten und die üblichen Schreibfehler mit "seit/seid" und "das/dass" dürfen natürlich auch nicht fehlen - hier und da dann noch ein paar Buchstabenverdreher und fertig ist der perfekte Internet-Text.
Es gibt auch zu lange Texte. Es gibt auch Texte, die nicht nur zu lang sind, sondern auch unangenehm zu lesen sind, Texte, die merkwürdige Schachtelsätze haben, deren Bandwurmsätze niemals enden und vollkommen unübersichtlich sind. Das sollte natürlich nicht sein. Aber schon bei einem recht übersichtlichen Text wird mit "der ist zu lang"-Keule um sich geworfen. Man hat anscheinend wirklich verlernt zu lesen. Den überzeugten Philologen schmerzt das besonders. In der LoL-Generation gibt es keinen Platz mehr für ausgefeilte Texte. Die Manga-Smileys, Rechtschreib-Ekzeme und Akronym-Geschwüre von heute sind nunmal wohl die Lyrik von morgen.
Monday, September 22. 2008
Iron Man ist nun endlich auf DVD raus. Total super, ich freue mich tierisch drauf. Erschütternd fand ich dann aber den Artikel in der "VideoTipp" darüber, in der (ungefähr) stand: "Doch der Film ist nicht nur eine Superheldenverfilmung, denn er übt auch scharfe Kritik am Wettrüsten und der US-Außenpolitik." Nee, oder? Ja, ja, das Thema wird angeschnitten, aber das nun dem Film zu Gute zu halten und dies so richtig explizit herauszustellen, als ob es zentral wäre, finde ich schon ein wenig dreist.
Bitte nicht falsch verstehen: Mir hat der Film total gut gefallen und ja, natürlich - Wettrüsten böööööse! Aber da nun großartig "Gesellschaftskritik" dahinter zu vermuten, ist schon höchstgradig albern. Nur, weil man als Thema "Ooooh, Waffen bringen Menschen um!" drin hat, wird daraus keine vernünftige Gesellschaftskritik, denn diese Erkenntnis sollte nicht neu sein. Das war genauso, wie man ja auch gesellschaftskritisch war, wenn man eine Zeit lang nur "Waigel" gesagt hat und dann kicherte. Hat für mich aber dennoch nichts mit Gesellschaftskritik zu tun, gerade mal die BILD-Zeitung stichwortweise nachzukauen.
Das sind oberflächliche Stammtischphrasen, wenn man sowas für "Gesellschaftskritik" hält, denn "richtige" Gesellschaftskritik kann und sollte tiefgründiger und umfassender sein und auch zu einem gewissen Teil querdenken. Das hier hat aber nichts mit Querdenken zu tun. Das ist genauso, wie vor einiger Zeit plötzlich alle Leute die Energiespar-Lampen leer gekauft haben wegen neu aufgekommenen Umweltbewusstsein, aber keine Ahnung hatten, wann und wie sie tatsächlich sinnvoll sparend diese Lampen einsetzen könnten; auf der Toilette beispielsweise sind sie keine Einsparung, ebenso wie an jedem anderen Ort, an dem man nur kurz das Licht an hat. Mittlerweile ist das alles ja sowieso schon wieder vergessen.
Der Film will doch auch gar keine Gesellschaftskritik sein! Wenn man ihm das andichtet, tut man ihm absolut unrecht, lockt da die Highbrow-Leute rein, die dann nur die Nase rümpfen über "den Comic-Quatsch". Der Film ist ein solider Action-Film, der Spaß machen will und Spaß hat - nicht mehr, nicht weniger. Aber die "VideoTipp" war ja schon immer einfach nur bunteres Toiletten-Papier. Aber so Artikel können mich kleinen Choleriker schon ziemlich aufregen.
Wednesday, September 17. 2008
Gestern Abend war ich mit meiner Frau einmal wieder in Zul'Aman. Das ist auch immer ganz angenehm, denn durch meine WoW-Pause von einem Jahr habe ich schließlich einiges an Content übersprungen dadurch, dass ich dann direkt bei meinem Bruder und meinen alten Bekannten von Ara wieder mitraiden durfte. Daher finde ich es äußerst angenehm, bei Ara im Endcontent selbigen sehen zu können und zu erarbeiten, mir aber gleichzeitig auch den ehemaligen (leider teilweise generften) Content mit nicht ganz so hardcorigen Spielern mir zu erarbeiten. Das macht richtig Laune und ist für mich immer eine sehr angenehme Abwechslung vom derzeitigen Endcontent-Gekrebse, bei dem wir jedes Mal bibbern dürfen, ob wir überhaupt gescheites Line-Up für Sunwell haben (Stichwort: Gildensterben ... unsere Gilde stirbt zwar nicht, aber der Großteil hat eben keine Lust mehr, spielt schon/noch Beta, mag Sunwell nicht, weil es zu schwer ist und zu wenig Progress/Erfolgserlebnis gibt usw., dabei sieht es bei Felmyst echt nicht schlecht aus, wenn wir endlich mal wieder vernünftig eine ID mal an ihm rumwipen könnten, aber das klappt derzeit irgendwie nicht).
Zul'Aman war für mich daher richtiges Erarbeiten und das ging erstaunlich gut. Ich war vorher mit meiner anderen Gilde einmal nachts bereits in ZA und hatte daher zumindest alles schon einmal gesehen. Dennoch war es dann natürlich etwas Anderes, mit dem Trüppchen hier dann klein anzufangen. Sehr schnell haben wir dann die ersten beiden Bosse sicher drauf gehabt und auch die ersten zwei Kisten schaffen wir sicher. Der Dragonhawk zickt immer mal wieder herum, funktionierte dann auch sehr schnell. Der Luchs war irgendwie gar kein Problem für uns, wozu dann auch ein Random zu uns meinte: "Wie? Ihr seid da das erste Mal gewesen? Wir haben Wochen dafür gebraucht." Nur der Hexlord war lange Zeit problematisch, bis wir nun zu der "Alles kaputt hauen bis auf den Bann"-Taktik übergegangen sind und damit klappt es ganz gut.
Nun arbeiten wir an Zul'jin und das ist schon eine harte Nuss. Obwohl ich persönlich den Hexlord eigentlich schwerer finde, scheint mir Zul'jin für uns problematischer. Wir haben ihn regelmäßig bis in Phase 5 und auch da verstehe ich es nicht so ganz, warum wir ausgerechnet da verrecken. Meiner Ansicht nach sind nämlich Phase 3 und 4 die ätzenden bei Zul'jin und wir sind schon mehrfach alle in Phase 5 angekommen. Es läuft dann auch gut und plötzlich - zack, zack, zack ... gleich mehrere tot. Das liegt wohl am Debuff, also sind wir wohl zu langsam vom Schaden her. Dennoch verstehe ich es nicht so ganz, denn eigentlich ist unser Schaden nicht schlecht.
Was ich da allerdings nicht verstehe ist, dass es da einige Leute gibt, die Endcontent-Bosse legen wollen, aber dafür nicht potten wollen. Das ist mir unbegreiflich. Ich habe mir gestern Pot um Pot reingeworfen mit meiner Jägerin, um eben zu überleben - sei dies einen Healthpot, um die Heiler zu entlasten oder einen Manapot, um dann doch mehr Schaden rauszukitzeln. Manapots kann ich leider im Recount nicht sehen, aber dafür Healthpots und da gab es Leute, die in ganz ZA nur 4 Health-Pots genommen haben; und das, obwohl ich mehrfach (da ich die Ansagen mache) den Leuten sage "bitte Healthpot nehmen", wenn ich sehe, dass es bei den Heilern vom Mana knapp wird oder die sich mehr auf den Tank als auf die Gruppe konzentrieren müssen. Zum Glück spiele ich "hauptberuflich" Priester und habe da auch selbst ein Gespür dafür, wann da was knapp wird. Aber dennoch - sie nehmen einfach keine Pots. Unsere Heiler dürfen dafür Manapots auf CD schlucken. Aber die Herren DDs? Nein, nehmen sie natürlich nicht. Dadurch sterben sie dann auch bei Zul'jin mal zu früh und wir müssen blöderweise einen B-Rezz schon in Phase 1 raushauen. Klar, sowas kann mal passieren, aber wenn ich dann später im Recount lese, dass in ganz ZA nur 4 Pots genommen wurden, habe ich da kein Verständnis dafür. Wobei ich hier das Zugeständnis machen muss: Da gibt es auch DDs in unserem Hardcore-Raid. Irgendwie habe ich sowieso das Gefühl, dass man einen Spieler sehr gut an der Spielweise erkennt, der eigentlich Heiler spielt und als Twink einen DD macht, denn diese Spieler spielen meist umsichtiger und schauen mehr auf "das Ganze", schlucken eben auch mal selbst einen Heilpot, wenn sie merke, dass die Heiler nicht nachkommen. Denn sie wissen, wie sowas laufen kann. Hauptberuflichen DDlern geht irgendwie dieses "vorausschauende Fahren" ziemlich ab; wobei ich das Gefühl habe, dass das sowieso normal ist, wenn ich auf deutsche Straßen schaue - lauter DDler, keine Heiler.
Es geht mir da auch nicht darum, dass ich da gleiche Maßstäbe wie bei meinem Hardcore-Raid anlegen will. Das ist immerhin ein Spaßraid von größtenteils Leuten, die sich persönlich im RL auch kennen. Wenn wir Kara gehen, schreiben wir immer explizit rein "kein Markenrun", obwohl wir Kara clear haben und auch schneller und sicherer sind als das, was man normalerweise bei "Markenrun" vorgesetzt bekommt. Aber wir wollen keine Hetzer, keine Hektiker, keine "gogogo"-Leute haben. Dennoch: Irgendwie will man schließlich auch was erreichen. Und wenn es dann bei Zul'jin mehrfach (!) bei 5%, 3% und 2% alles wie ein Kartenhaus zusammenfällt und ich dann sowas sehe wie: "Healthpot Count 4", dann werde ich da schon ein wenig grummelig. Nur, weil man ein Spaßraid ist, heißt das doch nicht, dass man nicht auch was erreichen will - zusammen. Eben nicht auf die Weise eines Hardcore-Raids und da gibt es immer noch Unterschiede - das merke ich. Aber ich glaube, das ist, was viele nicht kapieren. Naja, zum Addon wird das mit den Pots ja sowieso anders. Vielleicht gar nicht einmal so schlecht. Ich würde halt gerne ZA noch clear bekommen vor dem Patch; eigentlich haben wir es clear. 2%, Mensch! Von der 4. Kiste habe ich mich ja schon verabschiedet, obwohl ich denke, dass wir das auch auf Dauer schaffen könnten, wenn wir noch ein wenig mehr Zeit hätten. Aber ... 2%! Das will ich noch vor dem Patch schaffen.
Saturday, September 13. 2008
Naturwissenschaftler sind die Frauen unter den Wissenschaftlern. Mit wem man Filme schaut, ist so wichtig, und dennoch vergessen viele Leute, wie wichtig das ist. Es kann so unglaublich nerven, wenn man einen Film schaut, der wirklich handwerklich gut und tadellos gemacht ist, aber - sagen wir einmal - es nicht so genau mit der Realität nimmt; oder sogenannter Realität, um meiner post-strukturalistischen Ader einmal wieder genüge zu tun.
Ich unterhalte mich gerne, auch während dem Film. Ich lästere auch einmal gerne, auch über den Film. Und dennoch gibt es Momente, in denen es so unglaublich entnervend ist, wenn der Film an sich gut ist und man dann mit korinthischen Kommentaren überflutet wird. Michael Mittermeier hat das einmal sehr schön gesagt, wie das bei Frauen passieren kann, doch das gibt es auch nicht nur bei Frauen - einmal wieder stechen hier besonders negativ die Naturwissenschaftler hervor.
Wenn ich einen Film sehe, der Spaß macht und auch nur Spaß machen will, dann brauche ich nicht zu wissen, warum dieses oder jenes jetzt unrealistisch ist, warum dieses oder jenes in der "Wirklichkeit" (entschuldigt die Anführungszeichen) halt einfach anders ist. Muss ich nicht wissen. Ist spannend zu wissen, aber auch hier kommt es auf die Art und Weise drauf an. Während dem Film sowieso nicht. Nach dem Film kann das mal ein netter Einwurf sein, aber das dann auch noch in die Bewertung zum Film einfließen zu lassen, übersteigt meinen persönlichen, geisteswissenschaftlichen Horizont - aber da bin ich eben auch nur ein schwatzender Geisteswissenschaftler.
Oder um es in den Spuren von Michael Mittermeier zu sagen: "Hier geht es doch nicht um Realismus. Der Film heißt Findet Nemo und nicht Das wunderbare Leben der Clown-Fische - Wahrheit und Fiktion." An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal von meinem Kumpel aus der Schulzeit erzählen, der mittlerweile Physiker ist und ernsthaft behauptete: "Literatur brauche ich nicht. Das ist doch alles Fiktion und ich muss meine Zeit nicht mit etwas vergeuden, was sich jemand ausgedacht hat. Ist doch sowieso nur alles ausgedacht." Ach! Nein, tut mir leid, habe ich kein Verständnis dafür. Hatte ich damals nicht und mittlerweile noch viel weniger und könnte ich mich stundenlang drüber aufregen. Den Rest des 10-seitigen Blog-Beitrages erspare ich euch einmal. Wichtig für euch ist nur die Vorstellung, wie ein kleiner, grüner Holk vor dem Computer sitzt und wild in die Tasten hämmert. Don't make me angry! You won't like, when I'm angry!
Saturday, September 6. 2008
Ich muss ein Machtwort sprechen: Nur weil etwas geschrieben steht, heißt es noch lange nicht, dass es stimmt - auch das hier nicht! Aber dennoch darf ich mir selbst von gebildeten und auch studierten Leuten häufiger die fesche Argumentation anhören: "Doch, doch, das ist so. Das steht da." Immer wieder werde ich mir dann der Macht des gedruckten Wortes bewusst. Mag sein, dass es früher tatsächlich noch mächtig war, als die Druckmöglichkeiten in wenigen ausgewählten Händen lag und egal, ob man dies gut oder schlecht findet, dadurch gab es einen Filter.
Aber heutzutage? Jeder kann seine geistigen Ergüsse in die Welt hinaus posaunen, wie beispielsweise ich in diesem Blog. Ich brauche keinen Publisher dafür, ich brauche keinen Vertrieb. Genauso ist es in Foren. Genauso ist es mit jeder gedruckten Meinungsäußerung im Internet. Das Fatale an der Sache ist: Wenn sie einem passt, dann wird sie als Wahrheit dargestellt und als "Beweis" für diese Wahrheit. Dabei ist dies kein Beweis - ist sie niemals nicht! Das ist logisch einfach falsch. Aber auch damit kann man selbst vielen von diesen studierten Leuten nicht beikommen.
Wenn man ähnliches über die BILD-Zeitung sagen würde, dann - ja, dann! - würden sie alle sagen: "Ja, das muss nicht stimmen. Die bauschen ja sowieso immer auf." Nur, dass ich der BILD-Zeitung sogar mehr handwerkliches Vermögen zutraue als dem Großteil dessen, was man in seiner virtuellen Nachbarschaft so findet. Daher: Augen auf beim Informationskauf! Selbst nachdenken! Prüfen! Gegenwägen! Nicht einfach nur nachplappern, nicht einfach nur Fanboy spielen, nicht einfach nur mitlaufen.
Tuesday, September 2. 2008
Mensch! Echt jetzt! Schon wieder musste ich was von Logiklöchern (aka Plotlöchern) lesen! Ja, da kann man sich toll mit profilieren als Kritiker, in dem man die Logiklöcher entdeckt, über die Andere einfach drüber geschritten sind. Ich fühle unglaubliche, professionelle Frustration, denn mich als Philologen schmerzt das ungemein, diese Hatz der Kritiker auf vermeintliche Logiklöcher.
In der Sprache der meisten Kritiker sind Logiklöcher eigentlich keine Logiklöcher, sondern einfach nur Sachen, die off-screen geschehen und daher keine explizite Darstellung erfahren. Der Kritiker ist häufig nur nicht fähig, diese off-screen geschehene Szene sich vorzustellen; sei dies, dass er es tatsächlich nicht kann oder (was häufiger ist) nicht will. So einfach ist das. Ob sich der Macher da Gedanken darüber gemacht hat, wie das nun genau aussieht oder nicht, ist egal. Natürlich gibt es hier ein Problem, denn man muss nicht jeden Klogang explizit zeigen; man weiß einfach, dass er geschieht. Ähnlich muss man wirklich nicht alles zeigen.
Die Glaubwürdigkeit dessen, was nicht gezeigt wird, ist aber wichtig, um die Suspension of Disbelief nicht zu zerstören, um einen Begriff Coleridges zu benutzen. Mittlerweile gilt es allerdings häufig als alleiniges Verschulden des Werkes, wenn es zu unglaubwürdig ist und somit dem Publikum nicht ermöglicht, sich dieser Suspension of Disbelief hinzugeben. Aber (und das wird oh-so-häufig übersehen!) die Hauptverantwortlichkeit der Suspension of Disbelief liegt nicht beim Werk (dort auch - ein wenig - irgendwie), sondern beim Zuschauer!
Es geht bei der SoD auch um die Bereitschaft des Publikums, sich Unzulänglichkeiten zu ergeben. Und diese Bereitschaft ist bei den meisten postmodernen Kritikern nicht mehr gegeben. Auf der Wikipedia kann man das alles aber sowieso finden, sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch. Aber auf der Wikipedia steht dann sogar schon wieder: "Als Beispiel seien hier die frühen Staffeln der Serie Doctor Who genannt, wo das Publikum die billigen Requisiten und die vorkommenden Logiklöcher ignorieren muss, um die Geschichte völlig genießen zu können."
Ich kenne "Dr. Who" nicht - ich weiß, dass dies ein großer Makel ist, den ich irgendwann korrigieren will, aber darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, "Dr. Who" nun blind zu verteidigen, denn vielleicht gibt es da wirklich unschöne Löcher. Das Problem ist, dass Logiklöcher als Kritikpunkt schneller gezückt werden als man vernünftig darüber nachdenkt. Häufig liegt die Unzulänglichkeit nämlich nicht an der Logik der Handlung oder der Szene, sondern an der Vorstellungskraft des postmodernen Kritikers.
Wenn jemand vor einem verschlossenen Tresor steht, keinerlei Werkzeuge dabei hat und in der nächsten Szene drin ist, dann wird es haarig mit der Glaubwürdigkeit, denn man sieht nicht, wie man in den verschlossenen Tresor kommt. Das kann man einfach als gegeben hinnehmen, denn ganz ehrlich: In einen Tresor zu kommen geht schon irgendwie und sei dies, dass derjenige off-screen sich doch noch Werkzeuge geholt hat. Wäre schon nett, das explizit zu zeigen, aber muss man auch nicht. Das geht. Oder aber man jammert, weil es ja so unrealistisch ist, dass man ohne Hilfsmittel einfach im Tresorraum steht.
Natürlich ist es unrealistisch; aber nur, weil es nicht gezeigt wird, ist es nicht unlogisch - nur nicht gezeigt. "Nicht gezeigt" ist ungleich "Logikloch". Lernt das doch bitte endlich mal, ihr selbstherrlichen Kritiker dieser Welt! Man sollte schon darauf aufpassen, was man zeigt und was nicht. Denn man kann schon ganz schön daneben greifen, wenn man etwas nicht zeigt, weil es tatsächlich Darstellung benötigt hätte. Ja, das kann sein und muss von Szene zu Szene geprüft werden. Aber diese ganzen Pseudo-Kritiken gefallen sich so ungemein darin, angebliche Logiklöcher aufzudecken. Ein Werk mit ständigen Erklärbären ist langweilig und gerade die Leerstellen laden zum Nachdenken und Diskutieren ein. Die Leerstellen sind es, die ein Werk bemerkenswert machen - können.
Man selbst aber ist der große Kritiker, der den Durchblick und Überblick hat, erkennen kann, was Darstellung benötigt hätte und was nicht. Da wird häufig mit keinem bisschen Wohlwollen gegenüber dem Werk interpretiert, dass etwas seinen Grund hat und man es darauf beruhen lassen kann. Ohne Frage: Bei einer Kritik geht es um Kritik und mit Wohlwollen ist da nicht unbedingt gedient, denn man will schließlich eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Werk haben. Dennoch: Fairness darf auch der Kritiker haben, aber diese Fairness ist in der Selbstverliebtheit der postmodernen Kritiker all zu häufig verloren gegangen.
Da geht es nicht um eine Auseinandersetzung mit dem Werk, sondern um die Selbstdarstellung des Kritikers: Er erhebt sich über das Werk als Gottkaiser der Kreation, denn er weiß, was wann, wie und wieso ist und sein sollte. Der postmoderne Kritiker zelebriert sich somit selbst auf diese Art und Weise. Die postmoderne Kritik ist somit keine Auseinandersetzung mit dem Werk, sondern die Eigenkonstruktion des Kritik-Kaisers; und das Werk stirbt, verblasst neben ihm, um diesem Kritiker zu einem parasitären, selbstdarstellenden Werk zu verhelfen; nicht zu verwechseln mit Intertextualität! Leider sind die Grenzen da fließend.
Saturday, August 30. 2008
Manchmal sind mir die Prioritäten mancher Leute gruselig. Ich spiele gerne WoW, ich spiele viel WoW - meiner Ansicht nach zu viel. Ich habe allerdings auch noch andere Hobbys und andere Sachen zu tun. Dennoch habe ich in meiner Hauptgilde einen Raid-Alltag von 4 Raid-Tagen die Woche von 18.30-24 Uhr. Das sind knapp 5 Stunden mal vier sind 20 Stunden - ohne Buff-Food-Farmen etc. Und was darf ich mir dann sogar manchmal anhören? "Du loggst ja sowieso nur zu Raids ein." Erstens stimmt das nicht, zweitens wenn es stimmen würde: Ja? Und? Das ist über die Hälfte der Woche. Da meine Frau dort nicht mitraidet, lasse ich den Rest der Zeit eben dafür offen oder eben auch mal für meine Kumpels wie beispielsweise den Marc. Das finde ich auch wichtig. Aber scheinbar ist es nicht genug.
Ich komme eigentlich gut mit der Zeit klar. Ich kann mein Zeug nachfarmen und bin immer auf die Raids vorbereitet. Für "normale, kleine" Instanzen bleibt mir da natürlich nicht gerade viel Zeit. Nur: Was will ich eigentlich da mit Elyssa noch in einer kleinen Instanz? Klar, einfach so mal aus Spaß daran. Habe ich früher auch häufiger gemacht, aber ich sehe es da einfach ganz realistisch: Mehr als die Hälfte der Woche würde da für Aktivitäten mit den gleichen Leuten drauf gehen und es gibt so viel mehr Leute, die ich auch mag und mit denen ich gerne was machen will. Die Woche hat nun einmal nur 7 Tage. Aber das verstehen wohl einige Leute nicht. Eigentlich kann es mir egal sein, dennoch ärgert mich so etwas ungemein, denn ich bin zuverlässig, ich bin immer da, wenn ich gebraucht werde und richte sogar Kino-Gänge normalerweise so ein, dass es hoffentlich nicht Priester-Mangel wegen meiner Abwesenheit; und das, obwohl ich von vornherein sagte, dass ich maximal 3 von 4 Tagen mitraiden will, denn ein wenig Zeit sollte ich ...naja, habe ich ja schon geschrieben und brauche ich nicht zu wiederholen. Sowas ärgert mich einfach.
Ich hatte einmal vor sicherlich 2 oder gar 3 Jahren einen längeren Text bei meiner alten Gilde ins Gildenforum gesetzt, als es zu Streitigkeiten kam, weil ich in eine Instanz nicht mit wollte. Ich helfe gerne - wirklich. Und ich komme auch immer wieder gerne mit, auch wenn ich nichts brauche. Aber dass ich selbst dazu nicht immer Lust habe, sollte klar sein. Da ich allerdings Heiler-Charaktere habe, wurde es mir wohl übel genommen, wenn ich eben mal nicht da bin. Entsprechend hieß dann der Text auch "Eigentum und Freizeit" - oder so ähnlich. Leider habe ich den Text nicht mehr gefunden, aber ich fühle mich sehr stark daran erinnert. Der Vorwurf kommt schließlich nicht, weil man gerne mit demjenigen spielen wollte, sondern weil man sauer ist, dass man gerade keinen Heiler zur Hand hat. Aber ich vergaß: RL geht ja immer vor. Die abgedroschenste Phrase, die ich von WoW-Spielern bisher gehört habe; sie wird immer gerne gesagt, aber seltenst gemeint. Denn wenn man dann wirklich mal RL hat, dann wird trotzdem gemotzt, dass man keine Zeit hat. Man kann es schade finden, dass jemand keine Zeit hat - das ist in Ordnung. Aber nicht, demjenigen dann einen Vorwurf machen. Denn da vergeht mir dann absolut die Lust daran, jemandem zu helfen.
Sunday, August 24. 2008
Letztens glaubte ich noch, das wäre schon dämlich, nun weiß ich, dass es noch schlimmer geht. Ich twinke mal wieder zum Wachwerden mit meiner Magierin und habe mich in die Suche für die Ramparts eingetragen. Whisper:
"Bist du Healer?"
- "Klar. [Gift of the Naaru]."
Ich dachte ja schon, dass diese Antwort deutlich genug wäre. Keine 10 Sekunden später bekomme ich einen Gruppen-Invite und schaue nicht schlecht. Ich whispere noch zurück, dass derjenige doch einfach mal nachdenken und auf die Klasse schauen soll. Aber Nachdenken ist wohl zu viel verlangt. Was denken sich die Leute eigentlich dabei? Nix! Das ist es vermutlich.
Für alle Nicht-WoWler: Magier sind eine Damage-Klasse bei WoW. Es gibt zwar auch Klassen, die sowohl Tanken, als auch Damage/Support, als auch Heilen können, wenn sie entsprechend gespecct sind, aber der Magier gehört zu den Klassen, die - überspitzt ausgedrückt - in jedem ihrer Skill-Bäume nur eine Sache skillen können: Schaden. Magier sind reine Damage-Dealer. Und man kann in der Gruppensuche die Klasse sehen.
Wenn derjenige also die Klasse nicht hätte sehen können, wäre das noch verzeihlich gewesen. Aber einen Magier zu fragen, ob er Healer sei? Gibt es etwas noch Bescheuerteres? Ja, auf meine Verlinkung von "Gift of the Naaru" (Draenei-Rassenfertigkeit - meine Magierin ist Draenei) nicht zu merken: "Oh, hm, da stimmt was nicht" und denjenigen dann auch noch in die Gruppe einzuladen.
Tuesday, August 19. 2008
Lichtbrunnen ist der einzige Zauber in WoW, der mit der Intelligenz der Spieler skaliert.
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Comments
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)
Fri, 14.11.2008 12:49
Ja, können wir gerne schauen mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Wir sind wohl wieder zwischen den Jahren unten in [...]
Fri, 14.11.2008 10:50
Ich muß mal schauen, momentan haben wir noch keine großen Pläne gemacht. Evtl die Turniertage und das avarische [...]
Fri, 14.11.2008 09:53
Dimo! Ich musste häufiger in letzter Zeit mal an dich und die anderen Nebellegendler denken. Dieses Jahr ist es leider [...]