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Friday, October 24. 2008
Es ist total spannend, wie pissig doch die Leute werden können, wenn man ihnen sagt, dass die Autorenintention tot ist. Das können die einem echt übel nehmen. Dabei geht es ja nicht darum, zu sagen, dass man nicht mehr danach schauen darf, aber der Fokus auf sie ist nun einmal verkehrt. Und wieso sind die Leute pissig? Der einzige Grund, den ich mir erklären kann: Sie verlieren plötzlich die Gewalt über einen Text, denn die Autorenintention in ihrer derzeitigen Machtposition tut dem Text tatsächlich Gewalt an. Sie vernichtet einem Tyrannen gleich sämtliche sonstigen Interpretationen, die aus dem Text heraus geboren werden können und aus der Interaktion zwischen Lesen und Text.
Die Autorenintention ist der Dikator der Kultur und erst, wenn sie zurecht gestutzt ist auf die Machtposition des gemeinen Plebs, erst dann haben wir den vernünftig-pluralistischen Zugang zu Texten, bei dem die Interpretation an sich zählt und nicht, ob irgendwann einmal der Autor bei der Geburt des Kindes sagte, dass es männlich sei - blöd nur, wenn dann das Mädchen die ganze Zeit als Kerl rumlaufen muss, nur weil es der Vater nicht erkennen will.
Tuesday, August 19. 2008
Lichtbrunnen ist der einzige Zauber in WoW, der mit der Intelligenz der Spieler skaliert.
Tuesday, July 22. 2008
Langsam sollte ich mich mit dem Gedanken abgefunden haben und dennoch fällt es mir schwer: Wir sind nicht, was wir sind, sondern wie Andere uns sehen. Das wird mir immer wieder tagtäglich bewusst. Ein Bild, das man von jemandem hat, ist so unglaublich mächtig, dass diese Person stets diese Erwartungen erfüllen wird. Man selbst interpretiert alles in genau diesem Weg, dass dieses Bild bestätigt wird. Nur ganz selten wird diesem Bild so vehement widersprochen, dass man es weder rumdrehen noch ignorieren kann.
Man kann sich noch so sehr bemühen, noch so sehr darauf hinweisen, der Großteil der Menschheit wird aber stets immer nur "sein" gemachtes Bild von einem selbst sehen wollen. Wenn man einmal dazu verdammt ist, als schusselig gesehen zu werden, wird man es immer wieder; egal, wie häufig man nicht schusselig war. Denn die Momente, in denen man schusselig war (und seien sie noch so selten!), zählen immer gewichtiger als die möglicherweise viel häufigeren Momente, in denen man es nicht war - denn die fallen schließlich nicht auf. Wobei natürlich immer die Gefahr besteht, dass man selbst eben nur denkt, man wäre es nicht mehr. Aber die Konstruktion von einem selbst über einen selbst ist immer schwächer als die Konstruktion von Anderen über einen selbst. Dennoch sind beides Konstruktionen.
Saturday, January 19. 2008
Gedanken-Fragment: Ist es euch auch schon einmal passiert, dass ihr perfekte Geschenk-Ideen hattet, vielleicht zu Weihnachten oder anderen Feiern, aber dass ihr dann von den Ideen abgesehen habt, weil die Idee zwar toll und passend ist, aber weniger kostet als etwas, was ihr jemand anderem geschenkt habt oder schenken wollt? Sicherlich gibt es nun einige, die sagen, dass sie das nicht juckt, aber mir und meiner Freundin kam letztens der Gedanke, dass das schon komisch ist; und uns geht es auf jeden Fall so. Schließlich will man auch nicht, dass sich dann jemand zurückgesetzt fühlt.
Aber sollte man dann nicht doch einfach diese Idee schenken, die so toll passt, auch wenn sie weniger kostet - manchmal sogar massiv weniger? Wie manövriert man sich da raus? Die Offensive und es direkt ansprechen, wenn man es überreicht? Aber Geschenke mit Ansage sind auch immer ein wenig zwiespältig. Oder einfach totschweigen? Viele schauen vermutlich gar nicht auf den Preis, einigen ist es sowieso egal - aber was ist mit den Anderen? Aber wer sich da dann beschwert oder möppelig wird, der kann einem sowieso gestohlen bleiben? Immerhin sollten die Leute, die es wert sind, doch erkennen, dass eine Idee perfekt passt, selbst wenn sie billig ist. Und wenn sie wirklich passt, dann sollte sich derjenige doch tatsächlich genug freuen, damit ihm der Preis egal ist. Führt dann aber wieder zu dem Problem, dass der Schenkende dann sich ein wenig unwohl fühlen kann. Aber letzten Endes geht es nicht um den Schenkenden, sondern um den Beschenkten. Also doch alles egal?
Sunday, December 16. 2007
Gedanken-Fragment: Die heutige Forums-Landschaft ist ganz schön von Flamern beherrscht. Die ganze Forums-Landschaft? Nein, sicherlich nicht. Kleine, einzelne Foren halten da vermutlich noch tapfer dagegen. Aber es ist ein übliches Gejammere der Älteren von uns, dass es damals im Usenet ja sowieso alles besser war. Aber wieso? Darüber zerbrechen sich gerade diese Älteren immer gerne den Kopf. Manchmal wird die hierarchischere Struktur von Web-Foren angeprangert, manchmal die Posting-Zählerei unter dem Nick, manchmal die Avatare und Klicki-Bunti-Bildchen, manchmal auch der Einzug der anti-intellektuellen Mehrheit, manch einer könnte sogar das vermehrte Aufkommen von Nicht-Informatikern/Computer-Leuten als Grund sehen. Aber woran liegt es? Das wird man wohl schwer klären können.
Würde Usenet der heutigen Online-Kultur überhaupt gut tun? Was würde passieren, wenn man einfach alle Foren durch ein großes Usenet ersetzen würde? Würden die unausgesprochenen und häufig sehr informellen „Regeln“ des Usenets wieder die Online-Kultur erziehen? Immerhin wurde man damals sehr schnell geplonkt, wenn man sich bescheuert verhielt. Hat man (unkonstruktiv) geflamed, dann hat man schnell ein sogenanntes Plonk kassiert, was bedeutete, dass man im Kill-File desjenigen landetete – natürlich als Antwort-Posting vermerkt. Wurde der Plonk von einem Regular gesetzt, dann folgten im Normalfall der Großteil der anderen Regulars in einer kleinen Plonk-Orgie, so dass der unglückliche Flamer in fast allen Kill-Files der Regulars war und somit nur noch ein einsames Rufen in die leere Stille der Online-Welt stieß, aber keine Antwort mehr bekam; oder nur sehr vereinzelt.
In gewisser Weise musste man sich damals einfach anpassen an die damalige Usenet-Gesellschaft. Das war eine zugegebenermaßen teilweise sehr harte Sozialisation. War man nicht konform, wurde man nach de.soc.umgangsformen.netzkultur umgeleitet und dort durch eine Mischung aus Flames und Belehrungen versucht, auf den Pfad der Online-Tugend zurückzuführen. Manchmal klappte es, manchmal (viel häufiger) klappte es nicht. Man musste sich also anpassen und das, obwohl die Usenet-Landschaft ja gerne als ein Parade-Beispiel für funktionierende Anarchie gepriesen wird. Ja, und irgendwie hatte sie auch was davon und war auch dem DKWDDK aus dem LARP nicht unähnlich. Aber auch dort (in beidem) gab und gibt es Regeln, häufig eher informellerer Art, die aber dennoch schon so zementiert waren, dass man von „Regeln“ sprechen kann, auch wenn man von „Empfehlungen“ sprach.
Der Unterschied zu heute ist wohl einfach, dass man sich damals an eine Online-Kultur anpassen musste, die grundsätzlich eher a) gebildet, b) familiär, c) nicht flamend, war. Zugegeben, über Punkt c könnte man streiten, aber ich denke schon, dass der grundsätzliche Tenor ein eher nicht flamender war. Natürlich gab es auch immer einmal wieder Flames, aber irgendwie waren sie anders als heute. Worin waren sie anders? Ich glaube, das wäre vielleicht ein spannendes Thema für einen anderen Blog-Eintrag, denn da müsste ich erst einmal weiter nachgrübeln. Vielleicht hat aber jemand von euch da ein paar Ideen dazu. Zurück zum Thema: Die Online-Kultur war also diese ganzen Punkte nach meiner Behauptung – a, b, c. Man passte sich also daran an.
Heutzutage muss man sich auch anpassen an die derzeitige Online-Kultur oder man hat es schwer; was ich auch immer wieder merke. Denn mir persönlich gehen Flames doch schon irgendwie nahe. Und das, obwohl ich das Usenet durchstanden habe, das angeblich immer so hart war. Aber so habe ich es nicht in Erinnerung. Oder bin ich über die Jahre hinweg einfach zart besaiteter geworden? Das kann natürlich auch sein, auch wenn ich es nicht glaube. Aber die heutige Online-Kultur ist grundsätzlich eher a) anonymisiert, b) profilierend, c) flamend. Das anonymisierte mag ein wenig wie der wahr gewordene Alptraum der damaligen Debatte um „Realnamen vs. Pseudonyme“ im Usenet aussehen und vielleicht ist da auch was Wahres dran. Der Knackpunkt ist aber das flamende. Denn heute muss man sich an eine Online-Kultur des Flamens sozialisieren. Andere Möglichkeiten hat man nicht wirklich, denn die Online-Kultur wird man schwerlich ändern können. Und somit entsteht der Teufelskreis der unangenehmen, heutigen Online-Kultur, die wir in den ganzen Web-Foren sehen.
Woher das kommt? Keine Ahnung. Ob einer der Punkte von a, b und c die Ursache für die anderen Punkte sind? Keine Ahnung; Wechselbeziehungen bestehen da sicherlich, aber was nun von was abhängig ist, keine Ahnung.
Monday, December 3. 2007
Eine ständig kursierende Frage gerade unter uns Leuten, die schon länger im Internet und verwandten Sachen unterwegs sind: Woher kommt der Niedergang der Diskussionskultur? Oder auch vielleicht insgesamt der "Internetkultur"? Wobei man auch fragen könnte, ob dieser Niedergang überhaupt passiert oder ob das nur ein "damals"-Phänomen ist, eines jener Phänomene, in denen jede Generation der nachfolgenden Moral- und Sittenverfall nachsagt.
Mir kam recht spontan eine kleine Idee: Sicherlich erinnern sich die Usenet-Benutzer noch an Usenet-Laws. Und dann fiel mir auf, dass es sowas im Prinzip nicht mehr gibt. Zwar gibt es auch für die Foren-Kultur ein paar solcher selbstironischer Sachen wie diese hier (wobei ich auch hierbei das Gefühl habe, das doch aus dem Usenet noch zu kennen, auch wenn es auf Foren gemünzt wurde), aber generell glaube ich, dass es sowas einfach nicht mehr gibt. Da scheint also wirklich einfach auch ein Umschwung im Selbstverständnis der Nutzer passiert zu sein vom Usenet zu Web-Foren. Liegt also der Niedergang der Diskussions-Kultur eventuell an diesem Umschwung des Humors? Oder liegt er tatsächlich begründet in Klicki-Bunti-Bildchen, in Moderationen und hierarchischen Systemen? Oder gar daran, dass mittlerweile jeder Depp ins Internet kommt, früher aber nur sowieso komische Informatiker und artverwandte Spezies drin waren (mit der Ausnahme von solch kleinen Exoten wie mir)?
Möglicherweise liegt es wirklich am Umschwung im Humor. Wer weiß, wer weiß...zumindest hatten die Laws eine ungeheuer hohe Selbst-Reflektion, die ich mittlerweile einfach vermisse. Die gibt es irgendwie nur noch wie ein vierblättriges Klee-Blatt. Schade eigentlich. War früher also wirklich alles besser? Oder verklärt die Erinnerung? Ja, die Frage stelle ich nicht zum ersten Mal, aber zu einer Antwort bin ich halt immer noch nicht gekommen.
Saturday, November 17. 2007
Bemüht kurz und nur zum veranschaulichen von meinem alten Kreuz: Es geht hier um das Arielle-Lied "Ein Mensch zu sein" in der alten Version; nicht die schreckliche neue, die wir ganz obskuren Rechts-Sachen zu verdanken haben. Dort gibt es die Zeile:
Dort lebt man anders als hier
Zunächst einmal sieht die Zeile harmlos aus. Zunächst einmal ist die offensichtliche Bedeutung, dass man am Land anders lebt. So weit, so unspekatulär. Doch durch den Gesang zerspringt der Text und explodiert wieder in einen pluralistischen Text; einen kleinen, aber nichtsdestotrotz pluralistischen Text. Wieso? Es gibt in der Mitte der Zeile einen kleinen Bruch im Gesang, eine kleine Pause: "Dort lebt man | Anders als hier" wobei sogar eine Steigerung bis zum "man" gesungen wird, so dass man fast hinter dem "man" aufhören könnte, doch fast wie ein Zeilen-Sprung schließt sich dann nach kurzem Luftholen "anders als hier" an. Dadurch wird der Text fragmentiert und die offensichtliche Bedeutung, dass man "anders lebt" wird in Frage gestellt. Vermutlich nicht durch die Autoren-Intention, denn da kann man sicherlich wunderbar argumentieren, dass das "anders leben" eben die Bedeutung der Zeile ist und sich auch wunderschön in den Rest des Liedes eingliedert.
Doch wenn man sich diesen Bruch in der Zeile anschaut, dann heißt es: "Dort lebt man!" Und das Ausrufe-Zeichen erdreiste ich mir hier auf Grund der Pause zu machen, denn dank Steigerung klingt es nach einem Ausrufe-Zeichen. In dieser Bedeutungs-Variante heißt es also nicht mehr, dass man da nur "anders" lebt, nein! Man lebt! Im Kontrast zum Meer, wo man nicht lebt, sondern nur dahin vegetiert. Auch so kann man diese Zeile nämlich interpretieren, auch ganz im Sinne des kompletten Kontextes, dass Arielle langweilig ist, dass es unter dem Meer tröge ist. Es ist für sie kein Leben mehr. Daher will sie raus an den Strand.
Beide Interpretationen sind plausibel, beide sind möglich. Man könnte nun anfangen, der ersten Bedeutung, dass man "anders lebt", mehr Bedeutung zuzuschreiben, indem man sich nun Audio-Kommentar, Interviews und weiß-ich-noch sich ansieht, um somit dieser Interpretation einen Vorrang vor der anderen Interpretation zu geben, dass man "überhaupt erst dort lebt". Doch das begrenzt den Text, erdrückt ihn, ja, erstickt ihn sogar. Der Text will allerdings atmen. Der Text will nicht nur im Meer bleiben, wie Arielle, er will hinaus an den Strand. Er will die Möglichkeit haben, sowohl am Strand/Land, als auch im Wasser sich zu bewegen. Und das bedeutet ganz eindeutig: beide Interpretationen zuzulassen für sich.
Zwar ist es dann mit Beinen im Wasser nicht mehr ganz so schnell und einfach, wie mit der Meerjungfrauen-Flosse im Wasser und dadurch kommt man im Wasser nicht mehr ganz so schön voran, aber dafür hat man eine neue Welt gewonnen. Und man muss sich noch nicht einmal auf eine Welt beschränken, denn die Freiheit, die man an Land gewinnt, ist größer, als wenn man im Wasser bliebe. Denn mit Meerjungfrauen-Flosse an Land bewegt es sich schlechter, als umgekehrt mit Beinen im Wasser, was eher möglich ist. Somit wird der Text beweglicher, wird wertvoller, allein durch diese zweite Bedeutung, denn beide sind möglich und an diesem Punkt kann man beginnen, sich darüber zu unterhalten. Lebt man nun nur anders? Oder lebt man überhaupt? Beides sind mögliche Standpunkte. Und somit wird der tote Texte zum lebenden Liquid.
Solche Sprünge/Brüche sind nun nichts ungewöhnliches; direkt würden mir da beispielsweise die wunderbare Emily Dickinson einfallen oder eben auch der unvergleich spielende e.e. cummings. Aber Pop-Kultur eignet sich zur Illustration doch irgendwie am besten - und außerdem ist es einfach witziger und spannender, der üblichen Einstellung von "hohe Kultur gegen niedere Kultur" dadurch eins auszuwischen, indem man beides einfach gleich stellt. Und gerade an diesem Arielle-Beispiel zeigt es sich sehr deutlich, wie wertvoll so eine Betrachtung doch sein kann, auch wenn ich befürchte, dass ich zwischendurch ein wenig diffuser wurde, aber das lässt sich leider nicht immer vermeiden, solange es nicht noch länger werden sollte.
Sunday, October 28. 2007
Ideen-Fragment: Der John hat mir vor einiger Zeit einmal erzählt, dass er den neuen Resident Evil-Teil spielt - ich weiß nicht mehr, welcher das war, aber das ist auch irgendwo unerheblich und vermutlich auch ersichtlich aus der Sache, die ich gleich weiter erzähle. Und da berichtete er von einer ganz tollen Szene, die ihm ungeheuer gut gefallen hat, nämlich als er anscheinend die Tochter des Präsidenten retten musste und über eine Brücke (Hängebrücke) musste, die schon groß und gefährlich aussah und anscheinend sah man auf der anderen Seite ein Haus. Man kann es sich schon fast denken, was passiert, denn kaum tritt man auf die Brücke, kommen anscheinend Zombies und man muss sich im Haus verbarrikadieren. Er meinte, das wäre ein richtig spannende und atemberaubende Szene gewesen.
Wieso war das dann eigentlich spannend? Und wieso hat es Spaß gemacht? Die Genre-Konventionen waren anscheinend deutlich genug, so dass man abschätzen kann, was passiert. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: mir geht es auch häufiger so. Es gibt ganz einfach Stellen, da weiß man, wie es weiter gehen wird und man gruselt sich schon vor der Erwartung dessen was kommt. Das hatte ich bei Project Zero schon zu Hauf. Man weiß genau, da kommt gleich was, da kommt gleich was und plötzlich - schwupps! - ist es passiert und man hat Adrenalin drinnen. Der klassische cat-scare-Effekt nunmal. Da könnte man nun sagen, dass die Spannung genau aus diesem Verzögern der Erleichterung kommt, also: Spannung wird aufgebaut und immer mehr aufgebaut und bis zu einem Moment, den man nicht mehr ertragen kann, dass man will, dass es aufgelöst wird, aber es wird immer weiter verzögert, bis dann die Katze reinspringt. Doch im Prinzip weiß man, dass es passieren wird und dennoch ist es spannend und macht Spaß. Eigentlich ganz klassisch und mit ein wenig Lese-Erfahrung erkennt man solche Stellen zur Genüge und manche Stellen sind für den Lese-Erfahrenen spannender als für den Unerfahrenen, weil diese Erleichterungs-Verzögerung eintritt, die der Unerfahrene nicht hat, denn der ahnt ja nicht, dass gleich etwas kommt. Der hat nur einen Schock-Moment, während der Lese-Erfahrene quälende Spannung erleidet.
Es gibt Sachen, da weiß man einfach, was passiert, da weiß man, was man bekommt - und es macht dennoch Spaß. Wieso auch nicht? Wenn ich in einem Survival-Horror-Spiel weiß "der Level riecht danach, dass hier Monster rauskommen", dann schmälert das nur meinen Spaß, wenn ich mir den Spaß aktiv schmälern will. An sich kann man nämlich sehr viel Genuss aus solchen Szenen ziehen. Und wenn die Szene dann passiert, dann versucht man, sie zu lösen. Wieso geht sowas eigentlich nicht im Rollenspiel? Im Rollenspiel heißt es dann gleich wieder von erfahrenen Rollenspielern: "Bäh! Langweilig! Das habe ich kommen sehen!" Vielleicht liegt das in der Gruppen-Dynamik begründet, dass man seinen Mitspielern unbedingt aufs Auge drücken muss, wie genre-erfahren man doch ist oder wie klug man ist, dass man das erkannt hat; versaut aber im Endeffekt dann die Situation mehr, als dass man gerade diesen Wissens-Vorsprung ausnutzt, um Spaß aus der Situation zu ziehen. Das kann durch Einbringen von Ironie geschehen, sogar im ganz klassischen Sinne der Ironie, denn der Spieler weiß, was der Charakter nicht weiß und man kann den Charakter haarscharf an den Rand der Situation ranspielen und dann - je nach Spielverständnis - entweder schauen, wie man da nun wieder rauskommt (gamistisch orientiert, nach der Lösung dann suchend, um aus der Situation zu kommen, in die man sich bewusst reinmanövriert hat) oder das Spielen des Charakters nun auskosten (dramatistisch orientiert, was sowohl beim method-acting als auch beim story-telling funktionieren kann). Aber das wird häufig nicht gemacht.
Lieber wird dann rumgemotzt, dass die Situation zu offensichtlich ist, dass man es viel zu einfach durchschauen konnte. Dabei gibt einem genau so eine Situation wunderschöne Rollenspiel-Möglichkeiten in die Hand, egal ob dramatistisch oder gamistisch - vermutlich auch simulationistisch, aber da muss ich zugeben, dass mir hierzu gerade kein Beispiel einfällt. Der Anspruch wird einfach zu hoch geschraubt in solchen Situationen. Es kann nicht immer eine whedoneske Wendung geben, die einen absolut von den Socken haut, weil man sie so gar nicht erwartet hat; das ist ungeheuer anstrengend und klappt auch nicht immer. Außerdem: Wenn man genau bei Whedon nachschaut, erkennt man, dass auch Whedon nicht immer Wendungen drin haben muss. Manchmal hat er auch gar keine Wendung drin und macht auch ganz normale, klischee-belastete Situationen ... und trotzdem ist es gut. Natürlich macht die Abwechslung das dann wieder interessant. Aber dennoch bleibt die Frage, wieso man bei Videospielen anscheinend mehr dazu neigt, solche Situationen spaßig auszuleben und sie sich nicht selbst kaputt zu machen. Meine These ist, dass es wirklich an der Gruppen-Dynamik liegt: Wenn ich alleine vor der Konsole hocke, dann muss ich niemandem beweisen, wie klug ich bin, wie ich alles durchschauen kann. Klar, es gibt auch Leute, die sich das kaputt dennoch kaputt machen wollen, auch vor der Konsole. Aber meist machen die es dann, um andernorts dann damit aufzufallen, sei dies in Rezensionen oder nur im Freundes-Kreis, wo sie dann eine entsprechende Anekdote vom Stapel lassen können.
Viele Szenen werden also von der Profilierungs-Sucht von neunmalklugen Spielern kaputt gemacht, wobei man das sicherlich auch auf Filme übertragen kann, denn wer kennt nicht den Erklär-Bären neben sich, der einem den Spaß am Film versaut, weil er den Film ständig kommentieren muss ... und das häufig auch spoilend? Man sollte vielleicht auch einfach einmal sich da treiben lassen, nicht immer alles hinterfragen. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin ein großer Fan von Kritik und Hinterfragen, wie ihr sicherlich wisst. Dennoch kann man sich damit eben viel zu viel kaputt machen, was ich in der Vergangenheit auch schon zu häufig am eigenen Leib erfahren durfte. Wenn man immer nur mit der Kritik-Brille durch das Leben rennt, findet man in den wenigsten Sachen Spaß. Manchmal muss man auch einfach mal die Sachen nehmen, wie sie sind und nicht alles ist so schlecht, wie man denkt, wenn man es genauer unter die Lupe nimmt. Wenn man will, findet man nämlich immer etwas, was man bemängeln kann. Und meistens will man eben etwas finden. Nur ist das weder fair, noch dem eigenen Spaß zuträglich. Das ist etwas, was ich von oben genannten John auch erst wieder lernen musste. Denn auch mir ging das im Kino ähnlich, dass ich kaum noch "Spaß" wirklich hatte, weil ich immer etwas zu bemängeln hatte. Und dann machte mir Kino irgendwann auch nur noch wenig Spaß, denn auch das Kritisieren und Zerstören macht nicht auf Dauer Spaß - vor allen Dingen, weil man tief in sich weiß, dass es nur um die eigene Profilierungs-Sucht geht und dass es eigentlich unfair auf diese Art ist. Und das ist nicht, was Kritik sein sollte. Das ist jetzt kein Plädoyer für Spaß um jeden Preis und kein Plädoyer wider die Kritik, es ist ein Plädoyer für "auch mal Spaß haben". Einfach auch mal sich treiben lassen und nicht immer zu hohe Ansprüche setzen. Ja, da packe ich mir auch an die eigene Nase. Ist nicht einfach, aber ich fange mal damit an ... oder probiere es zumindest. Macht ihr den Versuch mit?
Thursday, October 4. 2007
Kennt ihr das auch? Ihr tippt ein Wort und tippt automatisch ein anderes, weil ihr das viel häufiger schon getippt habt? Oder noch schlimmer: Ihr sagt es? Mir fällt so etwas hin und wieder auf. Vermutlich gerade durch meine ganzen Online-Spielereien will ich häufig "Gold" anstelle von "Geld" tippen, aber nicht nur das, denn manchmal würde ich mich auch mündlich da verhaspeln. Spannend! Sowas kann natürlich ungeheuer peinlich werden, aber solange es nur bei "Gold/Geld" bleibt, ist das ja in Ordnung. Habt ihr auch solche Worte? Also welche, bei denen ihr einfach ein anderes sagt oder tippt, als ihr eigentlich wollt? Kommentar oder Meme-Aufruf? B'loggh, B'loggh, tu' was du willst! Tu was du willst!
Friday, August 31. 2007
Gedanken-Fragment: Gestern gab es bei "Popstars" (ja, ich schaue das hin und wieder) "Everything Burns" als Duett-Aufgabe. Dass es das bei "Popstars" gab, ist reichlich egal, soll nur erklären, woher da plötzlich der Gedanken-Splitter von mir kommt. Und am letzten Wochen-Ende habe ich ja zusammen mit dem Marc einen DVD-Abend wieder gemacht, unter anderem auch mit Fantastic Four, bei dem "Everything Burns" auch im Abspann läuft und den ich wirklich sehr unterschätzt als Film und eigentlich ganz gut finde. Heute morgen habe ich dann nach dem Video bei YouTube einmal wieder gesucht und es gefunden und das Lied ist einfach hübsch, nur passt es nicht zum Film - dachte ich...
Denn je mehr ich darüber nachdachte und die Bilder des Videos sah, um so mehr begann ich zu grübeln. Der Text von "Everything Burns" ist doch recht aggressiv; eigentlich nicht verwunderlich bei Anastacia, die sowieso einige sehr schöne Lieder gemacht hat, wenn auch immer eben mit dieser Wut drin. Und ich fragte mich, wie das überhaupt zu dem Film passt. "Everything Burns" - nur wegen der menschlichen Fackel und weil viel explodiert? Nein! Das kann es nicht sein. Und ist es vielleicht auch nicht. Wenn man nämlich einmal genauer darüber nachdenkt, dann ist der gesamte Fantastic Four-Film nicht nur ein Film über "Mutanten", sondern ein Film über "Menschen und ihre Gefühle" - darüber hatten sich Marc und ich uns unterhalten, weil ich so lapidar sagte, dass die Fantastic Four für mich irgendwie immer so ein wenig glatt und unmenschlich wirkten im Gegensatz zu beispielsweise meinem Liebling Spider-Man oder Daredevil. Marc korrigierte mich und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich zustimmen - wenn auch in erster Linie jetzt auf den Film bezogen.
Im Film geht es tatsächlich um "promises | That no one seems to keep", sei dies die Spannung, die im Film zwischen Ben und Mr. Fantastic entsteht oder natürlich ganz offensichtlich die Spannung zwischen Mr. Fantastic und Susan. Eigentlich sind das tatsächlich alles nur Menschen, die enttäuscht waren oder enttäuscht werden, die etwas in sich hinein fressen und dann mit diesen Super-Powers ausgestattet werden; und in diesem Moment trennen sich Hero von Villain, in diesem Moment trennen sich Susan Storm und Dr. Doom - beide menschlich, beide verständlich und dennoch eben ein anderer Umgang mit ihren Kräften. Was natürlich nicht heißt, dass diese enttäuschten Gefühle auch bei einem Helden nicht unterschwellig brodeln und brennen können, wie man auch an dem Verhalten von Ben erkennen kann. Natürlich ist Fantastic Four nun nicht so menschlich wie Spider-Man, finde ich zumindest. Aber das muss es vielleicht auch gar nicht, denn das sind einfach auch andere Vorlagen und das ist auch gut so. Dennoch überrascht es mich mehr und mehr, je mehr ich über Fantastic Four nachdenke, wie gut das Lied doch wirklich passt, obwohl ich anfangs mit noch passte: "Tolles Lied, aber ... boah, das passt ja sowas von überhaupt nicht!" Doch, tut es - kurioserweise.
Es geht um menschliche Gefühle, es geht darum, wenn man etwas ertragen und dulden muss, aber nicht will - und doch ist das schließlich nur all zu häufig so. Es gibt Sachen, die man einfach akzeptieren muss und nicht ändern kann und das macht einen wütend; das ist, was brennt. Es geht um Wut, die in einem brodelt und die man nicht herauslassen will ... und dennoch tut es gut, wenn man sie heraus lässt bis alles brennt. Besser ist es zumindest, als "crying to herself" und alles in sich hinein zu fressen. Doch was dann, wenn alles verblasst? Und darf man das überhaupt oder wird man dann nicht zum Dr. Doom? Aber wenn das Lied dieses "until everything burns" als positiv darstellt, wie passt es dann zum Film? Passt es also vielleicht doch nicht? Nur wegen der Moral? Oder ist das nicht einfach das Dilemma, das jeder Held aushalten muss? Denn es brennt ... immer ... in jedem von uns. Oder geht es darum, all diesen Hass zu verbrennen? Aber tritt an die Stelle dieses Hasses nicht die Wut? Und ist das wirklich besser? Beides brennt. Jeder von uns muss damit fertig werden, denn es gibt diese Sachen, die man nicht ändern kann, aber akzeptieren muss. Und das brennt...
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Comments
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)
Fri, 14.11.2008 12:49
Ja, können wir gerne schauen mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Wir sind wohl wieder zwischen den Jahren unten in [...]
Fri, 14.11.2008 10:50
Ich muß mal schauen, momentan haben wir noch keine großen Pläne gemacht. Evtl die Turniertage und das avarische [...]
Fri, 14.11.2008 09:53
Dimo! Ich musste häufiger in letzter Zeit mal an dich und die anderen Nebellegendler denken. Dieses Jahr ist es leider [...]