Entries tagged as e.e. cummings
Tuesday, February 5. 2008
" Plenken , mein Freund , siehst du das denn nicht ? "
Es ist mir überaus schwer gefallen, diese zwei Zeilen aus dem Gedächtnis zu zitieren; nicht des Zitierens wegen, sondern weil ich es ständig ohne Plenken schreiben wollte. Was ist " Plenken"? Ganz einfach: Leerzeichen vor einem Satzzeichen. Wieso ist das falsch? Zunächst einmal steht es im Duden, dass es falsch ist. Aber nicht nur wegen solchem Autoritäts-Krimskrams sollte man es lassen, es ist auch schlicht und ergreifend dämlich. Denn gerade bei Computern zerhaut es einem viel zu häufig die Formatierung, da das Satzzeichen manchmal erst in der nächsten Zeile angezeigt wird. Das Satzzeichen sollte aber direkt hinter dem letzten Wort davor stehen, damit der Leser diese Lese-Hilfe auch direkt dort hat, wo er sie braucht. Satzzeichen sind nämlich Lese-Hilfen.
Gerade im Internet stolpert man häufig drüber, dabei sollte doch gerade da den Leuten bewusst sein, dass ein Computer ohne nachzudenken dann einen Zeilenumbruch zwischen Wort und Satzzeichen macht; das würde nicht passieren, wenn man kein Leerzeichen dazwischen macht. Aber soweit wird wohl nicht gedacht. Ich frage mich allerdings vor allem, warum man sowas macht. Aus der Schule kennt man das jedenfalls nicht und auch der gesunde Menschenverstand und das gesunde Menschengefühl sagt einem doch eigentlich: "Kein Leerzeichen" - man kennt es doch schließlich auch aus Büchern und der Zeitung.
Oder wird so wenig noch gelesen? Selbst wenn man nur ein Buch pro Jahr liest, dann sollte einem klar werden, dass kein Leerzeichen zwischen Satzzeichen und das Wort davor gemacht wird. Und es wird trotzdem geplenkt und das Schlimmste? Offenkundig mit Absicht. Denn diejenigen, die plenken haben häufig ansonsten gar keine schlechte Rechtschreibung oder Zeichensetzung - nur das Plenken eben, ja, das ist gruselig. Ich möchte einmal wieder betonen, dass es mir nicht darum geht, dass jetzt jeder einwandfrei und fehlerfrei schreiben müsste. Aber Plenken, Leute? Nein, das muss doch echt nicht sein, oder? Nicht in der Großstadt. Wir sind doch keine e.e. cummings.
Wieso erkrankt man nun an dieser Plenkobulie? Kann mir das einer einmal verraten? Denn ich habe irgendwie Angst, mich anzustecken. Bisher scheint es noch kein Heilmittel dagegen zu geben, denn immer, wenn man diese Leute darauf anspricht, reagieren diese zickig, werden selbstgerecht und zeigen ungefähr soviel Einsicht, wie Roland Koch nach der letzten Landtags-Wahl. Bitte also, Freunde, kein Leerzeichen vor das Wort vor dem Satzzeichen, nya?
Saturday, November 17. 2007
Bemüht kurz und nur zum veranschaulichen von meinem alten Kreuz: Es geht hier um das Arielle-Lied "Ein Mensch zu sein" in der alten Version; nicht die schreckliche neue, die wir ganz obskuren Rechts-Sachen zu verdanken haben. Dort gibt es die Zeile:
Dort lebt man anders als hier
Zunächst einmal sieht die Zeile harmlos aus. Zunächst einmal ist die offensichtliche Bedeutung, dass man am Land anders lebt. So weit, so unspekatulär. Doch durch den Gesang zerspringt der Text und explodiert wieder in einen pluralistischen Text; einen kleinen, aber nichtsdestotrotz pluralistischen Text. Wieso? Es gibt in der Mitte der Zeile einen kleinen Bruch im Gesang, eine kleine Pause: "Dort lebt man | Anders als hier" wobei sogar eine Steigerung bis zum "man" gesungen wird, so dass man fast hinter dem "man" aufhören könnte, doch fast wie ein Zeilen-Sprung schließt sich dann nach kurzem Luftholen "anders als hier" an. Dadurch wird der Text fragmentiert und die offensichtliche Bedeutung, dass man "anders lebt" wird in Frage gestellt. Vermutlich nicht durch die Autoren-Intention, denn da kann man sicherlich wunderbar argumentieren, dass das "anders leben" eben die Bedeutung der Zeile ist und sich auch wunderschön in den Rest des Liedes eingliedert.
Doch wenn man sich diesen Bruch in der Zeile anschaut, dann heißt es: "Dort lebt man!" Und das Ausrufe-Zeichen erdreiste ich mir hier auf Grund der Pause zu machen, denn dank Steigerung klingt es nach einem Ausrufe-Zeichen. In dieser Bedeutungs-Variante heißt es also nicht mehr, dass man da nur "anders" lebt, nein! Man lebt! Im Kontrast zum Meer, wo man nicht lebt, sondern nur dahin vegetiert. Auch so kann man diese Zeile nämlich interpretieren, auch ganz im Sinne des kompletten Kontextes, dass Arielle langweilig ist, dass es unter dem Meer tröge ist. Es ist für sie kein Leben mehr. Daher will sie raus an den Strand.
Beide Interpretationen sind plausibel, beide sind möglich. Man könnte nun anfangen, der ersten Bedeutung, dass man "anders lebt", mehr Bedeutung zuzuschreiben, indem man sich nun Audio-Kommentar, Interviews und weiß-ich-noch sich ansieht, um somit dieser Interpretation einen Vorrang vor der anderen Interpretation zu geben, dass man "überhaupt erst dort lebt". Doch das begrenzt den Text, erdrückt ihn, ja, erstickt ihn sogar. Der Text will allerdings atmen. Der Text will nicht nur im Meer bleiben, wie Arielle, er will hinaus an den Strand. Er will die Möglichkeit haben, sowohl am Strand/Land, als auch im Wasser sich zu bewegen. Und das bedeutet ganz eindeutig: beide Interpretationen zuzulassen für sich.
Zwar ist es dann mit Beinen im Wasser nicht mehr ganz so schnell und einfach, wie mit der Meerjungfrauen-Flosse im Wasser und dadurch kommt man im Wasser nicht mehr ganz so schön voran, aber dafür hat man eine neue Welt gewonnen. Und man muss sich noch nicht einmal auf eine Welt beschränken, denn die Freiheit, die man an Land gewinnt, ist größer, als wenn man im Wasser bliebe. Denn mit Meerjungfrauen-Flosse an Land bewegt es sich schlechter, als umgekehrt mit Beinen im Wasser, was eher möglich ist. Somit wird der Text beweglicher, wird wertvoller, allein durch diese zweite Bedeutung, denn beide sind möglich und an diesem Punkt kann man beginnen, sich darüber zu unterhalten. Lebt man nun nur anders? Oder lebt man überhaupt? Beides sind mögliche Standpunkte. Und somit wird der tote Texte zum lebenden Liquid.
Solche Sprünge/Brüche sind nun nichts ungewöhnliches; direkt würden mir da beispielsweise die wunderbare Emily Dickinson einfallen oder eben auch der unvergleich spielende e.e. cummings. Aber Pop-Kultur eignet sich zur Illustration doch irgendwie am besten - und außerdem ist es einfach witziger und spannender, der üblichen Einstellung von "hohe Kultur gegen niedere Kultur" dadurch eins auszuwischen, indem man beides einfach gleich stellt. Und gerade an diesem Arielle-Beispiel zeigt es sich sehr deutlich, wie wertvoll so eine Betrachtung doch sein kann, auch wenn ich befürchte, dass ich zwischendurch ein wenig diffuser wurde, aber das lässt sich leider nicht immer vermeiden, solange es nicht noch länger werden sollte.
Tuesday, August 7. 2007
Welche Unsitte ist es eigentlich, die im Internet um sich greift wie der Rote Tod, dass man alles klein schreibt? Das ist einmal wieder eine solche Sache, die ich nicht verstehe. Noch viel obskurer wird es dann für mich, wenn zwar normalerweise alles klein geschrieben wird, aber Abkürzungen dann wiederum groß geschrieben werden. Ist es die Faulheit die Shift-Taste zu benutzen? Echt? Sind wir schon so weit gekommen? Das ist doch irgendwie gruselig.
Das ist einmal wieder so ein Fall von "mein Leser ist mir scheiß-egal". Groß- und Kleinschreibung gibt es schließlich nicht umsonst und Faulheit sollte doch wirklich kein Argument sein. Oder ist es die Angst, Groß- und Kleinschreibung zu versemmeln? Als ob das wirklich jemanden juckt. Klar, das kann peinlich sein, aber das passiert jedem. Außerdem lernt man es erst durch das Praktizieren - und sicherlich nicht dadurch, indem man den einfacheren Weg geht. Klar, ich schreibe auch bei meinen Uni-Notizen häufiger mal komplett groß in Druckbuchstaben, damit ich es dann nachher besser lesen kann; denn meine großen Druckbuchstaben sind einfach lesbarer in meinen Mitschriften als meine normale Handschrift - aber das ist dann auch was Anderes.
Eine Schrift hat ein Schriftbild und als Leser hat man sich daran gewöhnt. Diese Schriftbilder sind von Sprache zu Sprache unterschiedlich. Im Englischen gibt es beispielsweise weniger Großschreibung insgesamt, aber auch dort: Das ist ein Schriftbild, an dem sich das Auge entlang hangeln kann. Das Auge erkennt dann direkt beim ersten Scannen des Satzes, was demnächst kommt. Groß geschriebene Sachen erleichtern also das Lesen einfach, weil dadurch das Auge schon einmal ein wenig "vorlinsen" kann; auch im Englischen - und noch viel mehr natürlich im Deutschen! Um so absurder ist es für mich, dass man gerade im Deutschen das einfach mal sausen lässt. Großbuchstaben sind die Leucht-Türme in Texten, die es dem Auge einfacher machen, durch das Text-Meer zu navigieren; ähnliches gilt natürlich auch für Zeichensetzung, aber das ist ein ganz anderes leidiges Thema, das schon fast einen eigenen Blog-Eintrag verdient, daher vielleicht später mehr dazu.
Wieso schreibt man nur klein? Es will mir einfach nicht in den Kopf. Das Schriftbild wird versaut und man verlernt auch noch Groß- und Kleinschreibung, weil man sie nicht nutzt. Außerdem pfropft man anderen Lesern diese Schriftbilder auf, so dass dann das alles wie eine Seuche um sich greift, denn diese Schriftbilder fressen sich ja dann im Hirn des Lesers fest und manchmal flutscht ihm dann auch so ein Mist raus - kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn ich mal wieder im Internet lange genug schrecklich getippte Sachen lese, dann übernehme ich gruseligerweise manches davon. Unterbewusst und wenn ich drauf achte, kann ich es umgehen. Aber das ist echt erschreckend, wenn mir dann plötzlich Fehler passieren, wie ich sie normalerweise nicht mache, aber zu häufig dann selbst gelesen habe. Also ist das sogar noch ein weiterer Grund, der gegen das alles spricht.
Ich bin nun echt niemand, der verlangt, dass man seine Sprache perfekt beherrscht, denn das gelingt mir auch nicht. Ich mache auch genügend Fehler. Aber was mich echt zur Weißglut treibt, ist diese "der Leser ist mir scheiß-egal"-Einstellung und dieses Schlampen mit der Sprache. Fehler passieren - ja! Aber manche Sachen müssen echt nicht sein. Da muss man einfach ein wenig mehr Sorgfalt walten lassen und dann kann man es schon umgehen. Also bitte, liebe Leute, lasst euch von diesem Virus nicht anstecken: Nutzt Groß- und Kleinbuchstaben in angemessenem Rahmen! Der Leser wird es euch danken - und ich ebenso.
Ach ja, und nein! e.e. cummings lasse ich nicht als Argument gelten. Einerseits ist das nämlich Lyrik und die folgt sowieso anderen Spielregeln und wer schon normale Sprache nicht meistern kann, wird an Lyrik noch viel mehr scheitern. Andererseits ist e.e. cummings ein wahrer Sprachkünstler gewesen, der mit der Sprache in einer Weise spielen konnte, die einfach genial war und immer noch genial ist. Aber das, was da draußen im Internet herumgeistert, ist weder genial noch Lyrik, sondern einfach nur Sprachvergewaltigung.
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Comments
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)
Fri, 14.11.2008 12:49
Ja, können wir gerne schauen mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Wir sind wohl wieder zwischen den Jahren unten in [...]
Fri, 14.11.2008 10:50
Ich muß mal schauen, momentan haben wir noch keine großen Pläne gemacht. Evtl die Turniertage und das avarische [...]
Fri, 14.11.2008 09:53
Dimo! Ich musste häufiger in letzter Zeit mal an dich und die anderen Nebellegendler denken. Dieses Jahr ist es leider [...]