Entries tagged as Unknown Armies
Sunday, October 5. 2008
Noch ein Klassiker, der mir gerade wieder in die Hände gefallen ist und ganz gut auch zu dem Artikel über August Derleth passt, den ich gerade für die Cthuoide Welten schreibe:
The Horror! The Horror! (Heart of Darkness)
Der Horror, der Horror. Was ist der Horror am Mythos? Wohl kaum, dass er überraschend ist, ansonsten wäre es kaum faszinierend, einen weiteren Lovecraft-Schmöker auszupacken, sich einen weiteren Lumley im McFast-Book-Shop zu holen oder einen weiteren C.A. Smith aus dem mottenverseuchten Speicher auszugraben, den man noch nicht gelesen hat. Schließlich wissen wir bereits ganz genau, wenn wir das Label „Lovecraft“ auf dem Cover sehen, was uns erwarten wird mit dem Umblättern der ersten Seite. Wir wissen genau, worauf wir uns einlassen, was auf uns „beyond the threshold“ erwartet. Wir wollen genau das, was uns dort erwartet – aus welchen Gründen auch immer -, denn ansonsten würden wir uns kaum diesem „Lovecraft“-Label (oder vielleicht besser allgemein dem „Cthulhu-Label“) zuwenden oder spätestens nach dem zweiten Produkt mit diesem Label aufhören, denn danach ist der Überraschungswert nicht mehr wirklich gegeben.
Er war vielleicht einmal gegeben, das erste Mal, als wir ein Shadow out of Time aufgeschlagen haben, vielleicht auch noch das zweite Mal, als „The Haunter of the Dark“ sich in unser Gehirn brannte, vielleicht auch noch ein drittes oder viertes Mal, aber wenn man ehrlich ist, ist es schon bald bei weitem nicht mehr so „überraschend“, denn man weiß in gewisser Weise, was einen erwartet – und das ist doch auch der Grund, warum man dorthin zurückkehrt. Auch ein Columbo hat immer wieder erschreckend ähnliche Strukturen, dennoch kehrt man zu ihm zurück, Gute Zeiten, Schlechte Zeiten bringt auch keine wirklich neuen Wendungen – aber man will diese auch nicht wirklich, denn wenn man einschaltet, um Columbo zu sehen, dann will man Columbo sehen, wenn man einschaltet, um Star Trek – The Next Generation zu sehen, dann will man ST:TNG sehen. Ebenso sind alle Horror-Filme auch erschreckend ähnlich, in manchen Genres unterscheiden sich noch nicht einmal wirklich die Lokationen, selbst die Charakter-Stereotypen sind sich nicht unähnlich. Und dennoch kommt man immer wieder zu ihnen zurück.
Muss der Mythos also wirklich unbedingt eine Überraschung sein? Für die Spieler kann es nicht mehr wirklich eine Überraschung sein. Ähnlich wie der Leser spätestens wohl nach dem 10. Lovecraft-Werk ungefähr weiß, wie der Hase läuft (es gibt im Prinzip auch nur eine endliche Anzahl von Möglichkeiten, zu beschreiben, wie jemand wahnsinnig wird, ab einer gewissen Zahl, wird es recht ähnlich und die Varianz liegt dann häufig nur noch darin, zu welcher Seite der sabbernde Speichel des Wahnsinns aus dem Mund des Verstandes tropft). Besonders muss man hier aufpassen, dass die Enttäuschung bei den Spielern nicht erzeugt, wenn man dann ein „ganz innovatives Nicht-Mythos-Abenteuer“ einstreut. Ist die Erwartung dann nicht Cthulhu gewesen ? Horror? Aber dann war es doch nichts Übernatürliches? Die meisten Leute würde so etwas enttäuschen.
Es kann also auch nicht der „richtige“ (tm) Weg sein, nun tolle Nicht-Mythos-Abenteuer zu spielen, Vampire, Werwölfe, Zombies – gibt es dafür nicht andere Settings? Systeme, die für manches davon besser geeignet sind? Wenn das System „Cthulhu“ heißt, wäre das nicht eine Mogelpackung dann? Geht es hier dann nicht eher darum, sich mit dem Label „Cthulhu/Lovecraft“ selbst zu schmücken? Eigene Beweihräucherung, weil eben jenes Label etwas „Elitäres“ hat? Man will zum „inneren Kreis der tollen Cthulhu-Spieler gehören“. Dass man dann nicht Cthulhu spielt, wird gerne übersehen, das macht die Identität kaputt. Wenn es nur um „irgendeinen“ Grusel geht, warum dann nicht das phänomenale Unknown Armies? Oder auch „nur“ Beyond the Supernatural? Little Fears, Kult, DSA? Warum das eine System und das andere System nicht? Label-Fixierung?
Wenn die Spieler also sowieso nicht mehr überrascht werden können, dann muss man also auf die Charakterebene gehen – ähnlich wie der Leser einer Lovecraft-Geschichten nun nicht mehr wirklich überrascht werden kann, die Protagonisten der jeweiligen Handlung aber wechseln. Denn eben jene Charaktere sind es, die immer wieder den Mythos neu erleben, in ihn neu eintauchen und somit als Vehikel für den Leser dienen können, ebenso wie der Rollenspielcharakter für den Spieler. Doch mit Kampagnen im altbekannten old-fashion-style wird das kaum möglich sein. Dann wohl doch eher analog dazu, wie eben auch dem Leser der Cthulhu-Mythos immer wieder und wieder „neu“ althergebracht dargeboten wird. Was in der Literatur immer wieder eine neue Geschichte ist, kann ebenso im Rollenspiel gemacht werden, nur darf man sich dann nicht zu sehr an Charakteren festmachen – die Lösung: One-Shots oder Kurzkampagnen. Nicht die Charaktere sind es, die dann die Sitzungen verbinden, sondern der Mythos.
Und hiermit wäre man dann wesentlich näher und ehrlicher, wenn man sagt „ich spiele Cthulhu“. Denn dann spielt man „Cthulhu“, weil man „Cthulhu“ spielen will und nicht, weil man eben jenes Label zum eigenen Rollenspielidentitätsaufbau missbrauchen will. Denn mit neuen Charakteren, mit dem Aufschlagen einer neuen Kurzgeschichte, ist auch jedes Mal der Mythos anders – und dennoch dann auch wiederum nicht. Nur wer sich endlich von alt eingesessenen Rollenspielschemata und -konventionen lösen kann, endlich versteht, „warum“ er Cthulhu spielt und „was“ überhaupt cthuloid ist, nur jener wird vom allseligmachenden und erleuchtenden Schein umgeben und das Licht der Erkenntnis auch zu jenen bringen, die in der Dunkelheit ihrer eigenen Scheuklappen wandeln – what a Brave New World.
Saturday, July 19. 2008
 Ich habe einen neuen Anime-Geheimtipp, der aber schon seit längerem zu vermuten war. Gestern haben Marc und ich aber im letzten Rutsch die komplette 1. Staffel "The Melancholy of Haruhi Suzumiya" geschaut und ich kann nur sagen: Super! Magical-Girl? Nein! Sci-Fi-Serie? Nein! Postmodern? Ja! Die Serie ist - wie auch schon erwähnt - gelebter Post-Strukturalismus, gelebte Dekonstruktion. Das spricht mich als bekennenden Post-Strukturalisten natürlich besonders an und begeistert mich um so mehr, dass es das nun auch in einfach zugänglicher Pop-Kultur gibt.
Der Post-Strukturalismus findet sich eigentlich in allem wieder, sowohl in Inhalt, wie auch in der Form, denn die Serie ist falsch gesendet worden und die Folgen demnach durcheinander, wodurch man das Ende der 1. Staffel ungefähr in der Mitte sieht und die Mitte am Ende (wobei das das eigentliche Ende sogar ist). Außerdem ist die Serie eigentlich eine "Unknown Armies"-Serie. Klingt komisch, ist aber so und ich denke, jeder, der von "Unknown Armies" begeistert ist, wird auch diese Serie lieben, denn sie erinnert mich in so einigen Aspekten an dieses wirklich grandiose Rollenspiel.
Continue reading "What if God was one of us"
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Comments
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)
Fri, 14.11.2008 12:49
Ja, können wir gerne schauen mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Wir sind wohl wieder zwischen den Jahren unten in [...]
Fri, 14.11.2008 10:50
Ich muß mal schauen, momentan haben wir noch keine großen Pläne gemacht. Evtl die Turniertage und das avarische [...]
Fri, 14.11.2008 09:53
Dimo! Ich musste häufiger in letzter Zeit mal an dich und die anderen Nebellegendler denken. Dieses Jahr ist es leider [...]