Entries tagged as Cthuloid
Thursday, October 30. 2008
"Hellboy 2" ist ein durch und durch ordentlicher Film, der mir viel Spaß gemacht hat. Er ist nicht zu vergleichen mit "Dark Knight", schon eher mit "Iron Man", aber auch das ist kein fairer Vergleich, denn wie auch seine Protagonisten ist auch der Film selbst - anders. Ich kenne die Hellboy-Comics nicht, aber mir hat schon der erste Teil Spaß gemacht und der zweite Teil machte sogar noch einen Ticken mehr Spaß. Sehr schön erzählt.
Es ist nicht so, dass man großartig überrascht über das Ende ist, man ahnt es schon irgendwie, wie sich die Sachen entwickeln können, aber es muss nicht jeder ein Shyamalan sein und bei Del Torro wirkt es auch nicht so, als ob er das wirklich wolle, denn auch der phänomenale " Pan's Labyrinth" hat sogar das Ende direkt vorweg genommen. Es geht nicht um überraschende Wendungen, es geht darum, eine Geschichte angenehm und mitreißend zu erzählen und das kann der Film.
Der Film wäre sicherlich eine großartige Inspirations-Quelle für das alte "Changeling: The Dreaming" und spätestens seit dem Film hätte ich es auch kapiert. Die Elfendarstellung gefällt mir außerordentlich gut und der Hauptdarsteller wäre auch eine ideale Besetzung für einen Illidan gewesen. Die Masken und Figuren sind wieder eine großartige Auslese des kreativen Geistes, den bisher alle Del-Torro-Filme atmen und einen nur staunen lassen. Doug Jones ist auch einmal wieder großartig und spielt sogar mehrere Rollen (an seiner Gestik sollt ihr ihn erkennen). Die emotionalen Momente haben mich sehr bewegt, sowohl die um Abe Sapien als auch die Momente mit den verkannten Weltrettern.
Einziger Kritikpunkt (einmal wieder): Die Synchronisation. Insgesamt wirkt sie ordentlich, doch bei Abe Sapien war sie meiner Ansicht nach einmal wieder gruselig. Schon beim 1. Teil hatte ich bei Abe die C3P0-Assoziation, denn die abgehackten Handbewegungen und die Stimme erinnerten zu sehr an den goldenen Blechkasten aus "Star Wars". Während Abe im Englischen eher emotionslos, über den Dingen stehend und allwissend wirkt durch seine Stimme, wurde im 1. Teil der Charakter allein durch die Synchronstimme vollkommen verändert - er wirkte nervös und ängstlich. Meiner Ansicht nach ist das Problem auch wieder bei Teil 2, weswegen ich mich auf die DVD freue und mir dann nur noch die englische Version anhören werde; einen deutschen Abe Sapien will ich mir wirklich nur antun, wenn ich es muss. Meine Frau meinte, dass die Stimme diesmal nicht ganz so schlimm wäre, wie in Teil 1, aber ich muss gestehen - ich fand sie noch genauso schlimm.
Ich wiederhole mich einmal wieder: Wenn ich jemandem zutraue, das vollkommen überschätzte "At the Mountains of Madness" zu verfilmen, dann einem visuellen und visionären Genie wie Del Torro - nur ihm! Ich mag "At the Mountains of Madness" nicht. Ich liebe Lovecraft und natürlich hat "At the Mountains of Madness" ganz große Momente und einfach geniale Passagen. Dennoch ist dies meiner Ansicht nach die überschätzteste Geschichte Lovecrafts. Aber ein Del Torro könnte einen wirklich genialen Film daraus machen, der den Film zu einem meiner Lieblingsfilme machen könnte, obwohl ich ein sehr zwiespältiges Verhältnis zur Vorlage habe.
Spoilercut
Continue reading "Can't smile without you"
Sunday, October 5. 2008
Noch ein Klassiker, der mir gerade wieder in die Hände gefallen ist und ganz gut auch zu dem Artikel über August Derleth passt, den ich gerade für die Cthuoide Welten schreibe:
The Horror! The Horror! (Heart of Darkness)
Der Horror, der Horror. Was ist der Horror am Mythos? Wohl kaum, dass er überraschend ist, ansonsten wäre es kaum faszinierend, einen weiteren Lovecraft-Schmöker auszupacken, sich einen weiteren Lumley im McFast-Book-Shop zu holen oder einen weiteren C.A. Smith aus dem mottenverseuchten Speicher auszugraben, den man noch nicht gelesen hat. Schließlich wissen wir bereits ganz genau, wenn wir das Label „Lovecraft“ auf dem Cover sehen, was uns erwarten wird mit dem Umblättern der ersten Seite. Wir wissen genau, worauf wir uns einlassen, was auf uns „beyond the threshold“ erwartet. Wir wollen genau das, was uns dort erwartet – aus welchen Gründen auch immer -, denn ansonsten würden wir uns kaum diesem „Lovecraft“-Label (oder vielleicht besser allgemein dem „Cthulhu-Label“) zuwenden oder spätestens nach dem zweiten Produkt mit diesem Label aufhören, denn danach ist der Überraschungswert nicht mehr wirklich gegeben.
Er war vielleicht einmal gegeben, das erste Mal, als wir ein Shadow out of Time aufgeschlagen haben, vielleicht auch noch das zweite Mal, als „The Haunter of the Dark“ sich in unser Gehirn brannte, vielleicht auch noch ein drittes oder viertes Mal, aber wenn man ehrlich ist, ist es schon bald bei weitem nicht mehr so „überraschend“, denn man weiß in gewisser Weise, was einen erwartet – und das ist doch auch der Grund, warum man dorthin zurückkehrt. Auch ein Columbo hat immer wieder erschreckend ähnliche Strukturen, dennoch kehrt man zu ihm zurück, Gute Zeiten, Schlechte Zeiten bringt auch keine wirklich neuen Wendungen – aber man will diese auch nicht wirklich, denn wenn man einschaltet, um Columbo zu sehen, dann will man Columbo sehen, wenn man einschaltet, um Star Trek – The Next Generation zu sehen, dann will man ST:TNG sehen. Ebenso sind alle Horror-Filme auch erschreckend ähnlich, in manchen Genres unterscheiden sich noch nicht einmal wirklich die Lokationen, selbst die Charakter-Stereotypen sind sich nicht unähnlich. Und dennoch kommt man immer wieder zu ihnen zurück.
Muss der Mythos also wirklich unbedingt eine Überraschung sein? Für die Spieler kann es nicht mehr wirklich eine Überraschung sein. Ähnlich wie der Leser spätestens wohl nach dem 10. Lovecraft-Werk ungefähr weiß, wie der Hase läuft (es gibt im Prinzip auch nur eine endliche Anzahl von Möglichkeiten, zu beschreiben, wie jemand wahnsinnig wird, ab einer gewissen Zahl, wird es recht ähnlich und die Varianz liegt dann häufig nur noch darin, zu welcher Seite der sabbernde Speichel des Wahnsinns aus dem Mund des Verstandes tropft). Besonders muss man hier aufpassen, dass die Enttäuschung bei den Spielern nicht erzeugt, wenn man dann ein „ganz innovatives Nicht-Mythos-Abenteuer“ einstreut. Ist die Erwartung dann nicht Cthulhu gewesen ? Horror? Aber dann war es doch nichts Übernatürliches? Die meisten Leute würde so etwas enttäuschen.
Es kann also auch nicht der „richtige“ (tm) Weg sein, nun tolle Nicht-Mythos-Abenteuer zu spielen, Vampire, Werwölfe, Zombies – gibt es dafür nicht andere Settings? Systeme, die für manches davon besser geeignet sind? Wenn das System „Cthulhu“ heißt, wäre das nicht eine Mogelpackung dann? Geht es hier dann nicht eher darum, sich mit dem Label „Cthulhu/Lovecraft“ selbst zu schmücken? Eigene Beweihräucherung, weil eben jenes Label etwas „Elitäres“ hat? Man will zum „inneren Kreis der tollen Cthulhu-Spieler gehören“. Dass man dann nicht Cthulhu spielt, wird gerne übersehen, das macht die Identität kaputt. Wenn es nur um „irgendeinen“ Grusel geht, warum dann nicht das phänomenale Unknown Armies? Oder auch „nur“ Beyond the Supernatural? Little Fears, Kult, DSA? Warum das eine System und das andere System nicht? Label-Fixierung?
Wenn die Spieler also sowieso nicht mehr überrascht werden können, dann muss man also auf die Charakterebene gehen – ähnlich wie der Leser einer Lovecraft-Geschichten nun nicht mehr wirklich überrascht werden kann, die Protagonisten der jeweiligen Handlung aber wechseln. Denn eben jene Charaktere sind es, die immer wieder den Mythos neu erleben, in ihn neu eintauchen und somit als Vehikel für den Leser dienen können, ebenso wie der Rollenspielcharakter für den Spieler. Doch mit Kampagnen im altbekannten old-fashion-style wird das kaum möglich sein. Dann wohl doch eher analog dazu, wie eben auch dem Leser der Cthulhu-Mythos immer wieder und wieder „neu“ althergebracht dargeboten wird. Was in der Literatur immer wieder eine neue Geschichte ist, kann ebenso im Rollenspiel gemacht werden, nur darf man sich dann nicht zu sehr an Charakteren festmachen – die Lösung: One-Shots oder Kurzkampagnen. Nicht die Charaktere sind es, die dann die Sitzungen verbinden, sondern der Mythos.
Und hiermit wäre man dann wesentlich näher und ehrlicher, wenn man sagt „ich spiele Cthulhu“. Denn dann spielt man „Cthulhu“, weil man „Cthulhu“ spielen will und nicht, weil man eben jenes Label zum eigenen Rollenspielidentitätsaufbau missbrauchen will. Denn mit neuen Charakteren, mit dem Aufschlagen einer neuen Kurzgeschichte, ist auch jedes Mal der Mythos anders – und dennoch dann auch wiederum nicht. Nur wer sich endlich von alt eingesessenen Rollenspielschemata und -konventionen lösen kann, endlich versteht, „warum“ er Cthulhu spielt und „was“ überhaupt cthuloid ist, nur jener wird vom allseligmachenden und erleuchtenden Schein umgeben und das Licht der Erkenntnis auch zu jenen bringen, die in der Dunkelheit ihrer eigenen Scheuklappen wandeln – what a Brave New World.
Thursday, September 25. 2008
Da bin ich beim Aufräumen meiner Platte drüber gestolpert und dachte mir, ich setze in mein Blog einmal einen meiner "Klassiker" über Mythos-Bücher in "Call of Cthulhu" rein. Hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber nach dem Durchlesen kam ich zu dem Schluss, dass er nicht weniger wahr geworden ist:
Most of our modern portrait painters are doomed to oblivion. They never paint what they see. They paint what the public sees, and the public never sees anything. (Oscar Wilde)
Die Diskussion um Mythostexte ist keine wirklich neue, aber auch bei weitem keine wirklich alte Diskussion. Viel ist schon den glänzenden Bach hinuntergeflossen an Bits und Bytes, an Gedanken und Wörtern, an Sätzen und Tasten, an Emotionen und Argumenten. Alles in allem kann man wohl sagen, dass man über Geschmack nicht redet und letzten Endes läuft es wohl darauf hinaus. Viel können die Verfechter der einen Seite sagen, viel können die Verfechter der anderen Seite sagen. Dem Einen mögen die einen Argumente mehr liegen, klarer sein, dem Anderen die anderen Argumente. Insgesamt kann man sicherlich geteilter Meinung sein, sowohl in wie weit das Rollenspiel literarisch oder nicht literarisch ist, in wie weit das Konzept „Mythos-Buch-Text“ überholt ist und eigentlich nicht das ist, was man heute noch darunter versteht.
Man kann geteilter Ansicht sein, ob:
... es nicht kontrapoduktiv ist, wenn Spieler die Mythos-Buchtexte sehen, die ihre Charaktere sehen.
... Mythos-Buch-Texte essenziell wichtig für das kantische Cthulhu (also das Cthulhu „an sich“ im platonischsten Sinne) sind.
... nicht gerade die bisherigen Mythos-Texte zur Demystifizierung des Mythos beitragen, anstatt ihn zu unterstützen.
... beispielsweise bei einem 1000-AD-Setting Mythos-Bücher beispielsweise keine Mythos-Bücher mehr sein sollten, sondern ob es nicht settinggerechter wäre, hier einen „Mythos-Propheten“ äquivalent zu setzen oder ob das Konzept „Mythos-Buch“ eine andere Manifestation in einem 1000AD-Setting finden müsste (beispielsweise in Form von „Religion“).
... man bei dies allem wirklich geteilter Meinung sein kann.
Letzten Endes ist dies wohl eine Geschmacksfrage. Natürlich. Daher sollte man auch nicht darüber diskutieren. Daher endet der Ansatz der Diskussion durch diesen Text bereits in einem erstickten Keim, kaum in die Erde gesteckt, schon verdorrt. Bleibt nur noch ein paar abschließende Gedanken einzufangen, die im luftleeren Raum gallopierten.
Heitere Mythos-Buch-Gedanken:
- Wenn man grob schätzt und großzügig (wirklich sehr großzügig) ist, kommt vielleicht in einer von fünf Mythos-Geschichten ein Mythos-Buch-Text explizit vor und dann auch meist nur vier Zeilen. Wenn man grob und großzügig schätzt, kommen in jedem 1,2ten Cthulhu-Szenario 3 Mythos-Texte vor, diese dann meist nicht unter mehreren DIN-A4-Seiten.
- Das Entschlüsseln der Cthulhu-Mythos-Buch-Texte erinnert in vielen Runden weniger an die unheimliche Entdeckung der vierten Art, als vielmehr an eine heitere Deutsch-LK-Stunde.
- Viele Spielerrunden auf Cons rollen mit den Augen, wenn sie mehr als eine DIN-A4-Seite an Mythos-Buchtexten zum L&L (Lesen und Lösen) bekommen und lassen sie nach diesem Augenrollen lieblos auf dem Tisch liegen.
- Manchen Cthulhu-Szenarien werden Mythos-Texte aufgepfropft, nicht weil sie durch das Szenario bedingt sind, sondern weil die Kundschaft es will.
-Mythos-Buch-Texte sind selten, eigentlich fast nie Plot, sondern nur Plotlösungshilfen, obwohl ihre Struktur sie eigentlich zu ersterem befähigt.
- Das, was viele Spieler unter Mythos-Texten verstehen, ließe sich mit Textstellen aus okkulten Büchern äquivalent abhandeln.
- Okkulte Bücher sind Abhandlungen über (unter Anderem) den Mythos.
- Mythos-Bücher sind Mythos.
Ja, über Geschmack redet man nicht, über Geschmack diskutiert man auch nicht. Geschmack hat man – oder auch nicht.
Thursday, July 31. 2008
Heiliger Postmodernismus, ich bin gar kein Post-Strukturalist! Zumindest, wenn ich dem Wikipedia-Artikel glauben darf, den ich letztens verlinkt habe - lese also immer vorher genau, was oder wen du verlinkst, sonst bist du selbst nicht mehr du ... oder so ähnlich, denn: "Second, very few thinkers have willingly accepted the label 'post-structuralist'; rather, they have been labeled as such by others. Consequently, no one has felt compelled to construct a "manifesto" of post-structuralism. Indeed, it would be inconsistent with post-structuralist concepts to codify itself in such a way."
Wobei das dann wiederum ganz cool postmodern paradox und total post-strukturalistisch wäre. Aber als Post-Strukturalist sollte ich mich nicht selbst als Post-Strukturalist bezeichnen, denn dann wäre ich haarscharf durch die Definition meiner selbst an der Inkonsistenz. Welch Frevel! Und so total anti-post-strukturalistisch! Denn wie wir ja alle wissen, gehen Post-Strukturalisten ja von weichen, unscharfen und schwammigen Konstrukten aus, die sich selbst immer wieder neu konstruieren. Demnach dürfen Post-Strukturalisten natürlich nicht sich selbst so nennen, weil das gefährlich inkonsistent wäre und sie dürfen auch nicht sagen, was sie wollen, wie sie etwas wollen und warum sie etwas machen. Aber wäre genau das nicht wiederum ein Kriterium? Und ist das dann nicht wieder genau das Paradoxon, von dem man die ganze Zeit spricht? Dass Sprache und menschliche Logik eben genau hier ihr Problem hat und das dann der Moment ist, an dem das zusammenbricht?
Ich dachte immer, dass genau das eigentlich mit eines der zentralen Themen ist, dass Bedeutung und sicherlich auch Benennungen immer willkürlich, eigenmächtig und beliebig sind. Ein typisches post-strukturalistisches Merkmal ist doch auch häufig der Hinweis auf die Inkonsistenz der menschlichen Logik und Sprache. Das große Misstrauen gegenüber Kommunikation, gegenüber Sprache finde ich persönlich zentral für den Post-Strukturalismus. Daher - jetzt mal unter uns und ganz persönlich - kann mir dann mal - bitte schön - einer erklären, warum mich als Post-Strukturalist das jucken sollte, ob ich nun konsistent mit mir selbst bin? Na? Na?! Na! Na bitte, danke, gern geschehen.
Gerade (!) als Post-Strukturalist werde ich doch wohl mich selbst mit einem sowieso beliebigen Label bezeichnen dürfen, das mich konstruiert in vollem Bewusstsein. Ja, ja, da oben ging es nur um die Kodifizierung! Nein: Genau hinsehen, zwischen den Zeilen, Ungenauigkeit erkennen - voilá. Mit diesem Text hier übrigens auch. Bin ich dann eigentlich nicht eher Post-Post-Strukturalist? Oder gar nur Post-Post?
Saturday, July 12. 2008
Andere Menschen können so frustrierend sein. Es kann so frustrierend sein, wenn sich jemand seine eigene Realität zimmert, die durch nichts und wirklich gar nichts zu erschüttern ist und diese dann auch noch so herausposaunt, dass sie plötzlich zur Wahrheit wird, obwohl sie a) selbst zusammen gezimmert ist und b) aus subjektiven Interpretationen entsteht, die nicht wirklich belegbar sind.
Bestes Beispiel: Als ich noch in der Videothek gearbeitet habe, gab es das Märchen, dass ich Zahlen-Legastheniker bin. Bin ich nicht, dennoch kann ich nicht wirklich gut Kopfrechnen. Ich könnte es, wenn ich wollte, aber ich bin da einfach schon zu lange aus der Übung. Das Ding war aber, dass (angeblich!) ich immer wieder Zahlendreher gemacht habe, wenn ich Filme zurück ins Regal gestellt habe.
Der Clou an der Sache war aber, dass ich schon immer lieber die Anhänger rausgehängt habe als die Filme zurückgestellt. Also lief es meist so ab, dass ich meinen Kollegen gebeten habe, dass er doch die Filme zurückräumt und ich sie dann raushänge - eigentlich eine gute Arbeitsteilung. Und wer mit mir gearbeitet hat, weiß das eigentlich auch. Dennoch wird das einfach ignoriert, denn das andere Märchen ist zu schön, dass Filme im Regal immer dann falsch stehen, wenn ich sie reingestellt habe.
Wenn ich dann kontere, dass ich aber normalerweise raushänge, dann heißt es plötzlich: "Ja, stimmt eigentlich. Die letzte Zeit war es nicht ganz so schlimm." Schade nur, dass das nicht nur "die letzte Zeit" so war, sondern eigentlich schon immer. Und selbst wenn man das dann sagt, kommt man an dem Punkt, an dem man auch bei der Religion ist: Entweder man glaubt es oder man glaubt es nicht. Das sind dann plötzlich Grundsatzfragen und nicht mehr "wahr" oder "falsch". Das ist dann plötzlich an einem Punkt, der nicht mehr wahrgenommen werden kann, obwohl da wirklich eine Wahrheit eigentlich sogar wahrgenommen werden könnte - wenn man einmal hinsieht. Aber lieber wird dann das eigene Märchen weiter gezimmert und die Welt widewidewitt so gemacht, wie es einem gefällt.
Und das ist natürlich kein Einzelfall. Da gibt es noch zig andere Anekdoten, nicht nur aus der Videothek, wo das so ist. Interessanterweise gibt es da meist von Naturwissenschaftlern oder solche, die sich dafür halten; natürlich nicht nur. Wir Geisteswissenschaftler haben da auch einige Gehirn-Geisterfahrer. Dennoch ist es frustrierend, wie schnell Wahrheit durch subjektive Interpretationen zementiert wird und noch viel frustrierender, wie schnell sowas dann geglaubt wird, als ob die Leute nicht selbst einmal für 50 Cent selbst nachdenken würden. Das wäre aber vermutlich zu anstrengend, wenn man doch schon die Wahrheit so felsenfest und so astrein und glasklar serviert bekommt - sozusagen Fast-Food-Wahrheit.
Wednesday, July 9. 2008
Was gibt es eigentlich nun zu meiner Hochzeit zu erzählen? Schon so einiges und das sollte ich auch so langsam endlich einmal machen, sonst mache ich es nie, wie ich leider an meinem DRSRM-Bericht gemerkt habe; je weiter das Ereignis fort rückt, desto unmotivierter werde ich, dazu etwas zu tippen. Ich muss anscheinend wirklich immer zeitnah bloggen, sonst bringt das alles nichts. Schon merkwürdig, ist aber so. Ich beschränke mich da einfach einmal auf einen Schnell-Durchlauf mit ein paar ausführlicheren Anekdoten oder vermutlich eher Anekdötchen.
Continue reading "Come my love I'll tell you a tale"
Tuesday, May 20. 2008
Heute hatte ich ein wenig Zeit in der Stadt verbracht und da bei sind mir einige interessante Sachen aufgefallen und eingefallen:
1. Ich war schon lange neidisch und beeindruckt von dem Notiz-Buch des Erdferkel und heute beim "Buch Habel" habe ich genau so ein Notiz-Buch gesehen - für 11 Euro. Klingt viel, war es auch irgendwie, aber nun nenne ich auch ein solches mein eigen. Wie häufig hatte ich schon Ideen und Gedanken, bei denen ich mir dachte: "Hätte ich jetzt nur Papier und Stift gut greifbar." Papier habe ich nun gut greifbar, nur an der Lösung mit dem Stift muss ich erst noch feilen; oder ich lasse mich wieder vom Erdferkel inspirieren. Mal schauen, die der Herr Freydenberger das macht. Wenn ich mich richtig erinnere, hat er einen Otto-Normal-Stift mit der Hänge-Lasche einfach dran gehängt. Nur stelle ich mir das unbequem vor, wenn man das Notiz-Buch in der Hosen-Tasche trägt, wo es bei dem Wetter eigentlich hin sollte, denn Jacken-Taschen hat man bei diesem Mords-Wetter eher nicht.
2. "Final Fantasy - Revenant Wings" für das NintendoDS ist draußen - endlich! Da warte ich schon länger drauf und das Sequel zu "Final Fantasy 12" ist endlich draußen mit Vaan und Penelo. Super! Bringt mich auf die Idee, dass ich FF12 endlich einmal zu Ende spielen muss. Das war neben "Dark Corners of the Earth" eines der Spiele, die mich durch meine Magister-Arbeits-Zeit gebracht haben und mir die Pausen entspannt haben. Beides sehr nette Spiele, die allerdings leider dann unter der Magister-Arbeits-Abgabe und den mündlichen Prüfungen danach zu leiden hatten und die ich seitdem (leider!) nicht mehr ausgegriffen habe. Sollte ich endlich mal machen. Bei "Dark Corners" war ich unter Wasser vor R'lyeh und bei FF12 war ich kurz vor dem Finale, wenn man (wie in jedem Final Fantasy) ganz frei die komplette Welt bereisen darf und es noch zig Secrets frei zu spielen gibt. Sollte ich mal in Angriff nehmen. Zumal ich auch noch gesehen habe, dass es ein neues "Final Fantasy - Crystal Chronicles" für das NintendoDS gibt. Screenshots sahen super aus. Das brauch ich auch; aber erst nach meinem Türkei-Urlaub. Das Memo hier lässt es mich hoffentlich nicht vergessen. Und für all jene, die den unwahrscheinlichen, aber verständlichen Wunsch haben, mir etwas zu schenken: Eins von den beiden und ihr habt einen kleinen Holger sehr glücklich gemacht.
3. An diejenigen, die schon lange auf meine tolle " Pan's Labyrinth" Limited Collector's Special Sonder Super-Edition neidisch sind: Heute habe ich wieder eine nette Special-Edition beim Saturn gesehen. Sieht anders als meine Super Collector's-Neid-Edition aus und ist vermutlich nicht ganz so pompös und toll, aber hat ein ähnliches Cover und sieht von der Aufmachung her auch ordentlich aus; auf jeden Fall besser als die normale Edition mit dem eher langweiligen, normalen Cover. Preis habe ich natürlich nun nicht drauf geschaut. Aber wer schaut schon bei Special-Limited-Sonder-Sowieso-Editions auf den Preis? Ich nicht. Wenn ich das will, hole ich mir das. Daher finde ich den Preis bei sowas eher nebensächlich. Also: Wer "Pan's Labyrinth" noch nicht gekauft hat - jetzt käuf0rn! Auch wer ihn noch nicht gesehen hat. Super Film! Echt jetzt! Lies nach!
Friday, May 16. 2008
Ich habe eben endlich einmal einen Film gesehen, der mir schon seit einiger Zeit aufgefallen war: The Damned Thing aus der "Masters of Horror"-Serie nach einer Kurzgeschichte von Ambrose Bierce mit dem gleichen Titel. Ich dachte, das wäre ein ganzer Film, aber es ist eben nur eine Folge von ca. 50 Minuten. Hat aber Laune gemacht; leider waren die Sprecher in der deutschen Synchro schrecklich, aber dazu morgen mehr.
Sehr interessant war einmal wieder, dass an sich sehr viel offen gelassen wurde. Sowas gefällt mir ja immer, wie viele sicherlich wissen. Das hat mir einfach gut gefallen, auch die Schluss-Note auf der dann die Folge endet. Neugierig habe ich mir dann auch gleich einmal meine Ambroce-Bierce-Sammlung geschnappt, die ich als Anglist natürlich habe und direkt gelesen. Das sind knappe 9 Seiten und sind schnell gelesen; auch im Internet, was auch mein persönlicher Lese-Tipp für langweilige 15 Minuten wäre.
Die Kurzgeschichte hat nur entfernt etwas mit der "Masters of Horror"-Episode zu tun, was aber auch nicht tragisch ist, denn die macht auch Laune. Man kann sich die "Masters of Horror"-Episode natürlich (einmal wieder) versauen, indem man anfängt zu mosern, dass das ja gar nicht nah an der Kurzgeschichte wäre. Aber letzten Endes ist das wurscht, oder? Inspiriert ist sie ganz offensichtlich davon und solange beides Laune macht, ist doch alles perfekt. Ich hatte nämlich dadurch angenehme "Film-Länge" durch die kurze Episode und dann noch gerade die Kurzgeschichte nachgeschoben und habe 2 zum Preis von 1 bekommen. Was will man mehr?
Dabei kam mir einmal wieder der Gedanke an die übliche cthuloide Problematik der Darstellung, der Erklärung und allgemein der Auflösungen. Irgendwie hatte ich auch dunkel in Erinnerung, dass da doch sicherlich was in den einschlägigen Cthulhu-Monstrous-Compendien was stehen müsste - tut es aber nicht. Zumindest habe ich auf die schnelle nichts gefunden. Vielleicht habe ich es auch einfach nur überschlagen. Aber ich bin mir sicher, dass bei einem solchen Eintrag dann exakt nicht nur die Werte stehen, sondern auch ob Einzigartiges Wesen, Großer Alter, Älterer Gott oder Schlag-Mich-Tot, samt Habitat und dem Schicht-Plan der letzten Woche. Und wieder einmal wird mir bewusst, wie doof sowas doch eigentlich ist.
Kraft, Spannung und Atmosphäre kommen sowohl bei der Episode wie auch bei der Kurzgeschichte eben genau dadurch, dass es nicht aufgelöst wird; bei der Kurzgeschichte wird sogar noch weniger aufgelöst. Es werden zwar Sachen eingeworfen, aber all diese sind so indirekt, so subjektiv, dass sie nicht stimmen müssen. Das sind im Übrigen ähnliche Techniken, wie wir sie natürlich von Lovecraft kennen und da sieht man auch deutlich den Einfluss von Bierce auf Lovecraft. Das ist das Tolle an diesen Sachen, das ist, was mir daran so unglaublich gefällt. Und das alles wird durch so einen Monster-Eintrag kaputt gemacht.
Dabei will ich natürlich nicht alles zunichte reden, ich habe schließlich auch am Malleus Monstrorum maßgeblich mitgearbeitet, von dem jetzt auch bald die 2. Edition rauskommen wird. Und die indirekte Bebilderung von dort ist sicherlich auch aus einem ganz alten Thread von mir entstanden, den ich um 2000 im ganz alten Cthulhu-Forum gestartet habe und da etwas zu diesem Mythos-Dilemma in Verbindung mit der "Iser'schen Leerstelle" geschrieben habe. Das ist ja auch alles in Ordnung so und für das Rollenspiel braucht man es wohl auch in irgendeiner Weise.
Dennoch ... es geht einfach Kraft verloren. Es geht einfach an lovecraftesker Cthuloidität verloren. Ja, ich weiß, es gibt zig Leute, die schon ständig sagen, dass man weder Lovecraft noch die ursprüngliche cthuloide Stimmung in ein Rollenspiel bringen kann. Ich halte das nach wie vor für falsch. Es wird derzeit nicht oder kaum gemacht, aber es geht. Es muss nicht jedem Spaß machen, aber es geht. Davon bin ich immer noch felsenfest überzeugt und ich denke, den Beweis kann ich in meinen Cthulhu-Runden antreten, die ich bisher geleitet habe. Auch mein "Schatten über Arkham" geht in diese Richtung und auch im "Malleus Monstrorum" habe ich in dieser Richtung versucht, Fußspuren zu hinterlassen, ebenso wie in allen anderen Pegasus-Publikationen, an denen ich beteiligt war. Denn ich bleibe weiterhin davon überzeugt, dass das einfach wichtig ist. Dass das "Cthulhu" ist und das ist, was Cthulhu von anderen Rollenspielsystemen und -hintergründen abheben sollte - nicht muss, aber sollte. Das ist Cthulhu - alles Andere ist nur Horror.
Tuesday, May 13. 2008
Vermutlich wissen nur Gönner des Genres diese Geschichte zu schätzen: Es war Abend, der Raid lief - ich saß auf der Ersatzbank, weil wir für Brutallus nicht so viele Holy-Priester brauchten. Ich twinke also nebenbei ein wenig, während ich im TS zuhöre, gehe dann kurz austreten und plötzlich ... schwarz - Stromausfall. Wie doof ist das denn, Stromausfall zu haben und dann auf dem Klo zu sein? Zum Glück hat meine Verlobte immer eine Taschenlampe neben dem Rechner und hatte die auch gleich griffbereit.
Ich erledigte im Taschenlampen-Schein noch mein Geschäft zu Ende und dann sah sie nach den Sicherungen. Die waren nicht draußen. Ich schaute aus den verschiedenen Fenstern in den verschiedenen Richtungen raus und in den anderen Häusern brannte auch kein Licht. Merkwürdigerweise taten es aber noch die Straßenlaternen. Wie dem auch sei, pflichtbewusst mache ich mich daran, meinen Bruder anzurufen, um dem zu sagen, dass wir Stromausfall haben; nicht dass ich von der Ersatzbank reingeholt werden soll und plötzlich nicht da bin.
Zunächst probiere ich es auf dem Festnetz - keiner geht ran. Eigentlich nicht verwunderlich, ich kenne schließlich meinen Bruder und der geht nie ran. Ich will auf dem Handy anrufen und ... Telefon weg. Also: Tot. So richtig tot. Ich blinzele im Kerzenschein irritiert und langsam wird mir doch komisch zu Mute. Das erste Bild in meinem Kopf: Zombies, die die Telefonleitung rausziehen. Hm, nein, Zombies sind da in den meisten Szenarien nicht intelligent genug. Es gibt zwar auch intelligente Zombies, aber sicherlich nicht hier in Ginsheim. Also wohl Slasher. Bliebe nur noch die Frage: Kettensäge, stumpfe Waffe, Axt oder Messer? Ich ... ähm ... glaube, ich ... ähm ... schließe mal die Tür ab.
Gesagt, getan, Tür abgeschlossen. Meine Verlobte schaut mich irritiert an, als ich zurück komme, was ich gemacht habe. Sie hat in der Zwischenzeit das Telefon "repariert" - es funktionierte wieder, denn es war wohl nur das Kabel locker. Na, das soll es aber mal besser nicht in so Situationen machen! Da kann man schließlich Herzinfarkte bekommen. Ich meine: Stromausfall und dann plötzlich Telefon weg? Klassischer könnte es fast nicht sein. Klassische Szene im eindeutigen Genre.
Lediglich ich mache natürlich den Genre-Patzer und schließe ab. Das hätte ich nicht machen dürfen, denn in den ganzen Filmen gibt es diese intertextuellen Wissensvorsprünge ja nicht - außer bei "Scream". Ich hätte gar nicht diese Rückschlüsse ziehen dürfen, dass ich schon Horror-Filme gesehen habe und das daher weiß; außer ich wäre in einem post-modernen Horror-Film, aber ich glaube nicht, dass man einen post-modernen Horror-Film hier in Kaffheim drehen würde.
10 Minuten später war der Strom wieder da und die ganzen post-modernen Träumereien waren verflogen, ebenso wie meine Hoffnungen doch unbewusst in einem Horror-Film groß rauszukommen - oder auch in einem post-modernen Survival-Horror-Spiel. Ich hoffe, entweder Film oder Spiel hätten einen coolen Namen und viele tolle Funktionen zum Freispielen.
Tuesday, April 29. 2008
Habe ich gestern gelesen: Es soll eine DVD-D geben, die "DVD-Disposable". Das ist das, nach was es klingt - eine Einmal-Wegwerf-DVD. Soll recyclebar sein und dadurch auch total umweltfreundlich. Durch Zentrifugal-Kräfte werden irgendwelche Chemikalien frei gesetzt, die dann die DVD zerstören. Das klingt nach einer absolut unmöglichen Mission oder danach, dass man mal Kobra rufen sollte, ist aber nur halb so funky, denn die DVD explodiert nicht, sondern wird nur nicht mehr lesbar.
Anläufe für die DVD-D gab es wohl schon häufiger und irgendwie bin ich froh, dass die sich auch bei den letzten Anläufen nicht durchgesetzt hat. Der Preis soll wohl unter dem von normalen DVDs liegen und nur knapp über der Verleih-DVD, wodurch sie ein direktes Konkurrenz-Produkt für die Videotheken wird; außer sie bieten auch welche an und versuchen, daran zu verdienen. Die DVD-D soll sich an das Publikum richten, das nur einmal einen Film sehen will und dem die Kosten für eine normale DVD zu hoch sind.
Das klingt teilweise sogar alles ganz sinnvoll, aber dennoch sperrt sich jede Faser meines Körpers gegen dieses Konzept und ich will es als sinnfrei, postmodern und blödsinnig beschimpfen. Das ist wohl einfach der alt eingesessene, konservative Philologe in mir, der auf große Bibliotheken steht und auch gerne früher ein Video-Regal hatte und auch gerne DVD-Regale hat. Aus einem großen Bücher-, Video- oder DVD-Regal kann man am meisten über Personen lernen. Aber das würde dann nicht mehr möglich bei der DVD-D, denn die würde ja in den Recycle-Beutel. Irgendwie traurig eigentlich. Ich kann mir echt nicht vorstellen, dass sich das durchsetzt; aber ich habe mich schon bei ganz anderen Sachen geirrt.
|
Comments
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)
Fri, 14.11.2008 12:49
Ja, können wir gerne schauen mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Wir sind wohl wieder zwischen den Jahren unten in [...]
Fri, 14.11.2008 10:50
Ich muß mal schauen, momentan haben wir noch keine großen Pläne gemacht. Evtl die Turniertage und das avarische [...]
Fri, 14.11.2008 09:53
Dimo! Ich musste häufiger in letzter Zeit mal an dich und die anderen Nebellegendler denken. Dieses Jahr ist es leider [...]