Friday, October 24. 2008
Es ist total spannend, wie pissig doch die Leute werden können, wenn man ihnen sagt, dass die Autorenintention tot ist. Das können die einem echt übel nehmen. Dabei geht es ja nicht darum, zu sagen, dass man nicht mehr danach schauen darf, aber der Fokus auf sie ist nun einmal verkehrt. Und wieso sind die Leute pissig? Der einzige Grund, den ich mir erklären kann: Sie verlieren plötzlich die Gewalt über einen Text, denn die Autorenintention in ihrer derzeitigen Machtposition tut dem Text tatsächlich Gewalt an. Sie vernichtet einem Tyrannen gleich sämtliche sonstigen Interpretationen, die aus dem Text heraus geboren werden können und aus der Interaktion zwischen Lesen und Text.
Die Autorenintention ist der Dikator der Kultur und erst, wenn sie zurecht gestutzt ist auf die Machtposition des gemeinen Plebs, erst dann haben wir den vernünftig-pluralistischen Zugang zu Texten, bei dem die Interpretation an sich zählt und nicht, ob irgendwann einmal der Autor bei der Geburt des Kindes sagte, dass es männlich sei - blöd nur, wenn dann das Mädchen die ganze Zeit als Kerl rumlaufen muss, nur weil es der Vater nicht erkennen will.
Friday, October 17. 2008
Ja, wenn wir alle Trackbacks hätten, dann wäre das alles viel schöner und ich müsste jetzt nicht einen eigenen Blog-Beitrag machen, um darauf zu verweisen, dass es von hier beim Dominik ganz spannend weiter geht.
Tuesday, October 14. 2008
Manche Naturwissenschaftler machen sich darüber lustig, wie undeutlich Sprachwissenschaftler oder Literaturwissenschaftler formulieren. Naturwissenschaftler hätten angeblich eine so eindeutige Sprache und könnten damit alles ganz einfach erklären. Aber dann jammern sie rum, wenn sie Zufallsgeneratoren Nicht-Naturwissenschaftlern erklären müssen. Und dann kommen plötzlich Aussagen wie: "Das verstehen die sowieso nicht" oder "Da lesen sie sowieso rein, was sie wollen." Es sind also tatsächlich immer die Anderen, die ungenau formulieren oder ungenau verstehen; man selbst ist immer eindeutig und klar. Herzlichen Dank für so viel Selbst-Reflektion und Methoden-Kritik - da kann ich persönlich nur den Kopf schütteln.
Das ist dann Uni-Naturwissenschaft und für den Normalsterblichen nicht verständlich. Wenn ich dann aber anfange von Saussure und Derrida zu erzählen, von signifier und signified, dann muss ich das so machen, dass es verständlich ist - obwohl es auch Universitäts-Semiologie ist. Andernfalls sind es wieder die bösen Linguisten oder bösen Post-Strukturalisten, die sich so unverständlich ausdrücken. Naturwissenschaft ist einfach, aber zu komplex für den Normalsterblichen zu verstehen. Dennoch kann ein Naturwissenschaftler ganz eindeutig sich ausdrücken - nur eben nicht für den Normalsterblichen. Da wird dann gedreht und gedeixelt bis die Argumentation sich selbst rechtfertigt, dass man das eben darf und Andere nicht. In der Naturwissenschaft darf man alles und kann schließlich auch alles, in der Linguistik, in den Literaturwissenschaften sind das alles Schwätzer, die sich nicht ausdrücken können und die können bekannterweise gar nichts.
Das wird natürlich nicht von allen Naturwissenschaftlern so gesehen, aber mir kommt es fast so vor, als ob es von den Naturwissenschaftlern so gesehen wird, die am lautesten schreien. Da ist dann alles immer vollkommen logisch, alles immer vollkommen durdacht und der Andere versteht es nur nicht, weil er nicht logisch denken kann oder zu doof ist - man selbst formuliert schließlich exakt. In dieser eigenen, kleinen, aber doch so wahren Welt wird der Naturwissenschaftler zum Ubermensch, zum perfekten Wesen, das mit einfacher Sprache formulieren kann, die jenseits aller Induktions-Probleme liegt, denn sie war, ist und wird immer sein. Dass das mehr von cthuloiden Entitäten und nihilistischen Paradoxien hat, erläutere ich jetzt auch nicht weiter, denn das ist eine so wahre Aussage gewesen, dass jeder, der sie nicht versteht, zu doof ist, denn ich habe sie eindeutig und präzise geführt.
Witzigerweise wird dieses naturwissenschaftliche Weltbild dann abgenickt. Es wird einfach akzeptiert, dass Naturwissenschaft in höheren Sphären schwebt, die man nicht verstehen muss und viele auch nicht verstehen können. Dabei liegt es auch dort nur an dem Medium, das heißt: an dem Naturwissenschaftler selbst, der das erklärt! Alles muss verständlich sein. Wenn ich Derrida oder Saussure nicht erklären kann, liegt es nicht an meinem Gegenüber, sondern an mir. Natürlich gibt es auch Leute, die sich dumm stellen, das will ich gar nicht abstreiten. Aber zunächst einmal sollte der Fehler bei sich selbst gesucht werden, in der eigenen Erklärung, in der eigenen Einsicht in die Dinge. Wenn ich in meiner mündlichen Prüfung Rational Choice-Theory nicht erklären konnte für den einfachen Mann, liegt es an mir! Nicht an der Rational Choice-Theory und nicht an ihrer Komplexität. Das muss man eingestehen, das muss man zugeben. Nur wieso habe ich das Gefühl, dass 90% der Naturwissenschaftler um mich herum das nicht können und auch noch nicht einmal ansatzweise in Betracht ziehen? Der Fehler? Der liegt immer bei den Anderen einfach via Definition (ich kann übrigens auch geschwollen und gebildet reden, wenn ich denn will) - das konnten die Naturwissenschaftler ja schon immer gut ... die Welt definieren. Dabei dachte ich immer, es ginge darum, die Welt zu entdecken.
Saturday, October 11. 2008
Genre sind Schubladen, aber wenn man denkt, dass diese Schubladen einfach zu handhaben sind, der hat sich noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Diese Schubladen klemmen nämlich häufig, sind manchmal zu groß und manchmal zu klein, haben manchmal keinen Boden und manchmal sind einfach die falschen Sachen drin, obwohl sie verdammt gut reinpassen. Kurzum: Über Genre-Einteilungen kann man immer gut diskutieren.
Wo stellt man beispielsweise "I am Legend" hin? Ich würde vom Gefühl her "Horror" sagen. Für mich ist "I am Legend" ganz eindeutig Horror. Andere Leute würden aufschreien und fragen: "Wer hat den denn da reingepackt?" und würden ihn eher zu den Science-Fiction stellen - am besten zu den anderen Wil Smith-Sachen da. Nur passt "I am Legend" meiner Ansicht nach nicht neben "I Robot" trotz der Titelverwandschaft. Auch würde er für mich nur schwer neben "Planet der Affen" passen oder neben "Das schwarze Loch", neben "Minority Report" und "Gattaca" und neben die ganzen Star Treks. Aber das ist eben Genre: Nicht eindeutig.
In der IMDB steht da sogar ganz korrekt nicht nur ein Genre, sondern mehrere: Drama, Horror, Science-Fiction, Thriller - exakt. Aber wo dann nun hinstellen? Für mich persönlich ist der Film einfach näher an einem "28 Days Later" als an "I Robot" und da stehe ich dazu. Oder würde jemand "28 Days Later" auch zu den Science-Fiction stellen? Vermutlich nicht und wenn doch, dann müsste man sogar eigentlich fast alle Zombie-Filme da hinstellen. Endzeit-Setting macht doch noch nicht alleine einen Science-Fiction aus und die Arbeit an einem Virus auch nicht. Witzigerweise würde ich "Der Omega-Mann" schon eher auf die Science-Fiction-Ecke stellen, allerdings könnte das auch daran liegen, dass ich den damals beim "großen Science-Fiction-Film-Abend" im Fernsehen gesehen habe neben den ganzen Planeten der Affen, Westworld und diesen alten Dingern. Dennoch, auch wenn es die gleiche Vorlage ist: "I am Legend" gehört für mich zu den Horror-Filmen. Sicherlich nicht neben "Saw" und diesen Krempel, sicherlich auch nicht zu den Eastern-Horror (ist das überhaupt ein eigenes Genre? wird zumindest so behandelt), sicherlich auch nicht neben "Scream", aber doch schon irgendwie eher in der Richtung, als bei den anderen.
Das mit dem Genre ist eben nicht ganz so einfach bei Filmen, die in mehreren Genres gleichzeitig spielen. Da würde mir beispielsweise direkt "Alien" einfallen - für mich eindeutig ein Science-Fiction. Aber wo ist da dann der Unterschied dazu, dass ich "I am Legend" eher aufs Horror-Kreuz stellen würde und "Alien" eher zu den Science-Fiction? Bei "Alien" ist das science-fiction-setting einfach bedeutender, bestechender und vordergründiger. Bei "I am Legend" tritt dieses Setting eher in den Hintergrund und wird nicht ganz so wichtig als "Science-Fiction-Setting an sich". Ähnliches bei "Event Horizon" - wohin damit? Zu den Horror-Filmen, weil es einer der verstörensten Filme ist, die ich kenne? Oder zu den Science-Fiction, da das SF-Setting doch äußerst dominant ist? "Shawn of the Dead" - zu den romantischen Komödien? Direkt neben "Hot Fuzz"? Oder dann doch auf das Horror-Kreuz? Neben "Dawn of the Dead" und die anderen Zombie-Filme? Oder dann doch neben "Fido"? Oder steht "Fido" da nicht sowieso schon?
Ich hoffe, nun ist jedem klar geworden, wie schwammig "Genre" ist. Natürlich gibt es Fehlgriffe bei der Einordnung. Wenn ich "Tatsächlich Liebe..." zu den Abenteuer-Filmen stelle, ist das wirklich merkwürdig und wenn ich die "Goonies" zu den Science-Fiction stelle, raufe ich mir auch die Haare auf dem Kopf. Aber ob ich nun "Besser Geht's Nicht" zu den romantischen Komödien stelle, zu den Paar-Komödien oder zu den schwarzen Komödien, ob ich nun "Das letzte Einhorn" zu den Zeichentrickfilmen, den Animes, den Kinderfilmen oder den Fantasyfilmen stelle, das ist und bleibt Geschmackssache, denn "Genre" ist und wird niemals eindeutig definiert, ist immer Überlappungssache und nie, nie, niemalsnie offensichtlich. Bitte, bitte, merkt euch das.
Und wo ich schon bei dem "bitte, bitte"-Appell bin, ein kleiner Link in vergangene Tage. Bitte also mehr das eigene Köpfchen einschalten, wenn man mit Film, Literatur oder Kultur im Allgemeinen zu tun hat. Das hat so viel mit Hierarchien und Autoritäten zu tun und so wenig mit wirklich eindeutigen Gesetzmäßigkeiten, dass ich das als Post-Strukturalist/ Dekonstruktivist nicht häufig genug sagen kann. Wir bekommen in der Schule nur seltenst den wirklich freien Umgang mit dieser Materie beigebracht, denn das geht unter bei der x-ten Frage nach der Autorenintention im Deutsch-Unterricht mit der bekannten (blödsinnigen) Frage: "Was will der Autor uns damit sagen?" Klare Antwort: Mir egal - ich finde das, was der Text sagt viel spannender.
Saturday, September 27. 2008
Wenn man Titel alphabetisch sortiert, gibt es eine Regel, die überraschend wenige zu kennen scheinen, die aber dennoch so ungeheuer wichtig ist: Artikel weglassen! Der Artikel wird bei so etwas immer mit einem Komma hinter den Titel geschoben. Denn ansonsten hat man:
"Arac Attack"
"Contact"
"Das Omen"
"Das fliegende Klassenzimmer"
"Das große Fressen"
"Das siebte Zeichen"
"Der große Gatsby"
"Der Herr der Ringe"
"Der letzte Mohikaner"
"Die Mumie"
"Hidalgo"
"K-Pax"
"M - Eine Stadt sucht einen Mörder"
"Sieben"
Es gibt einfach zu viele Titel, die einen Artikel am Anfang haben. Damit hätte man tausend Titel in der "D"-Kategorie und weitaus weniger in den anderen Buchstaben. Daher macht man es anders. Die obige Liste würde korrekter so aussehen:
"Arac Attack"
"Contact"
"Fliegende Klassenzimmer, das"
"Große Fressen, das"
"Große Gatsby, der"
"Herr der Ringe, der"
"Hidalgo"
"K-Pax"
"Letzte Mohikaner, der"
"M - Eine Stadt sucht einen Mörder"
"Mumie, die"
"Omen, das"
"Sieben"
"Siebte Zeichen, das"
Sonst hat man lauter Filme in der Kategorie "D" und "E", aber weitaus weniger in den anderen Kategorien und das kann schließlich auch nicht der Sinn der Sache sein. Oder Artikel ganz weglassen. Schmerzt mich als Philologen so richtig, denn bei der Arbeit an der Bibliographie meines Profs hat man das mit den Artikeln eingetrichtert bekommen.
Tuesday, September 2. 2008
Mensch! Echt jetzt! Schon wieder musste ich was von Logiklöchern (aka Plotlöchern) lesen! Ja, da kann man sich toll mit profilieren als Kritiker, in dem man die Logiklöcher entdeckt, über die Andere einfach drüber geschritten sind. Ich fühle unglaubliche, professionelle Frustration, denn mich als Philologen schmerzt das ungemein, diese Hatz der Kritiker auf vermeintliche Logiklöcher.
In der Sprache der meisten Kritiker sind Logiklöcher eigentlich keine Logiklöcher, sondern einfach nur Sachen, die off-screen geschehen und daher keine explizite Darstellung erfahren. Der Kritiker ist häufig nur nicht fähig, diese off-screen geschehene Szene sich vorzustellen; sei dies, dass er es tatsächlich nicht kann oder (was häufiger ist) nicht will. So einfach ist das. Ob sich der Macher da Gedanken darüber gemacht hat, wie das nun genau aussieht oder nicht, ist egal. Natürlich gibt es hier ein Problem, denn man muss nicht jeden Klogang explizit zeigen; man weiß einfach, dass er geschieht. Ähnlich muss man wirklich nicht alles zeigen.
Die Glaubwürdigkeit dessen, was nicht gezeigt wird, ist aber wichtig, um die Suspension of Disbelief nicht zu zerstören, um einen Begriff Coleridges zu benutzen. Mittlerweile gilt es allerdings häufig als alleiniges Verschulden des Werkes, wenn es zu unglaubwürdig ist und somit dem Publikum nicht ermöglicht, sich dieser Suspension of Disbelief hinzugeben. Aber (und das wird oh-so-häufig übersehen!) die Hauptverantwortlichkeit der Suspension of Disbelief liegt nicht beim Werk (dort auch - ein wenig - irgendwie), sondern beim Zuschauer!
Es geht bei der SoD auch um die Bereitschaft des Publikums, sich Unzulänglichkeiten zu ergeben. Und diese Bereitschaft ist bei den meisten postmodernen Kritikern nicht mehr gegeben. Auf der Wikipedia kann man das alles aber sowieso finden, sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch. Aber auf der Wikipedia steht dann sogar schon wieder: "Als Beispiel seien hier die frühen Staffeln der Serie Doctor Who genannt, wo das Publikum die billigen Requisiten und die vorkommenden Logiklöcher ignorieren muss, um die Geschichte völlig genießen zu können."
Ich kenne "Dr. Who" nicht - ich weiß, dass dies ein großer Makel ist, den ich irgendwann korrigieren will, aber darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, "Dr. Who" nun blind zu verteidigen, denn vielleicht gibt es da wirklich unschöne Löcher. Das Problem ist, dass Logiklöcher als Kritikpunkt schneller gezückt werden als man vernünftig darüber nachdenkt. Häufig liegt die Unzulänglichkeit nämlich nicht an der Logik der Handlung oder der Szene, sondern an der Vorstellungskraft des postmodernen Kritikers.
Wenn jemand vor einem verschlossenen Tresor steht, keinerlei Werkzeuge dabei hat und in der nächsten Szene drin ist, dann wird es haarig mit der Glaubwürdigkeit, denn man sieht nicht, wie man in den verschlossenen Tresor kommt. Das kann man einfach als gegeben hinnehmen, denn ganz ehrlich: In einen Tresor zu kommen geht schon irgendwie und sei dies, dass derjenige off-screen sich doch noch Werkzeuge geholt hat. Wäre schon nett, das explizit zu zeigen, aber muss man auch nicht. Das geht. Oder aber man jammert, weil es ja so unrealistisch ist, dass man ohne Hilfsmittel einfach im Tresorraum steht.
Natürlich ist es unrealistisch; aber nur, weil es nicht gezeigt wird, ist es nicht unlogisch - nur nicht gezeigt. "Nicht gezeigt" ist ungleich "Logikloch". Lernt das doch bitte endlich mal, ihr selbstherrlichen Kritiker dieser Welt! Man sollte schon darauf aufpassen, was man zeigt und was nicht. Denn man kann schon ganz schön daneben greifen, wenn man etwas nicht zeigt, weil es tatsächlich Darstellung benötigt hätte. Ja, das kann sein und muss von Szene zu Szene geprüft werden. Aber diese ganzen Pseudo-Kritiken gefallen sich so ungemein darin, angebliche Logiklöcher aufzudecken. Ein Werk mit ständigen Erklärbären ist langweilig und gerade die Leerstellen laden zum Nachdenken und Diskutieren ein. Die Leerstellen sind es, die ein Werk bemerkenswert machen - können.
Man selbst aber ist der große Kritiker, der den Durchblick und Überblick hat, erkennen kann, was Darstellung benötigt hätte und was nicht. Da wird häufig mit keinem bisschen Wohlwollen gegenüber dem Werk interpretiert, dass etwas seinen Grund hat und man es darauf beruhen lassen kann. Ohne Frage: Bei einer Kritik geht es um Kritik und mit Wohlwollen ist da nicht unbedingt gedient, denn man will schließlich eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Werk haben. Dennoch: Fairness darf auch der Kritiker haben, aber diese Fairness ist in der Selbstverliebtheit der postmodernen Kritiker all zu häufig verloren gegangen.
Da geht es nicht um eine Auseinandersetzung mit dem Werk, sondern um die Selbstdarstellung des Kritikers: Er erhebt sich über das Werk als Gottkaiser der Kreation, denn er weiß, was wann, wie und wieso ist und sein sollte. Der postmoderne Kritiker zelebriert sich somit selbst auf diese Art und Weise. Die postmoderne Kritik ist somit keine Auseinandersetzung mit dem Werk, sondern die Eigenkonstruktion des Kritik-Kaisers; und das Werk stirbt, verblasst neben ihm, um diesem Kritiker zu einem parasitären, selbstdarstellenden Werk zu verhelfen; nicht zu verwechseln mit Intertextualität! Leider sind die Grenzen da fließend.
Thursday, July 31. 2008
Heiliger Postmodernismus, ich bin gar kein Post-Strukturalist! Zumindest, wenn ich dem Wikipedia-Artikel glauben darf, den ich letztens verlinkt habe - lese also immer vorher genau, was oder wen du verlinkst, sonst bist du selbst nicht mehr du ... oder so ähnlich, denn: "Second, very few thinkers have willingly accepted the label 'post-structuralist'; rather, they have been labeled as such by others. Consequently, no one has felt compelled to construct a "manifesto" of post-structuralism. Indeed, it would be inconsistent with post-structuralist concepts to codify itself in such a way."
Wobei das dann wiederum ganz cool postmodern paradox und total post-strukturalistisch wäre. Aber als Post-Strukturalist sollte ich mich nicht selbst als Post-Strukturalist bezeichnen, denn dann wäre ich haarscharf durch die Definition meiner selbst an der Inkonsistenz. Welch Frevel! Und so total anti-post-strukturalistisch! Denn wie wir ja alle wissen, gehen Post-Strukturalisten ja von weichen, unscharfen und schwammigen Konstrukten aus, die sich selbst immer wieder neu konstruieren. Demnach dürfen Post-Strukturalisten natürlich nicht sich selbst so nennen, weil das gefährlich inkonsistent wäre und sie dürfen auch nicht sagen, was sie wollen, wie sie etwas wollen und warum sie etwas machen. Aber wäre genau das nicht wiederum ein Kriterium? Und ist das dann nicht wieder genau das Paradoxon, von dem man die ganze Zeit spricht? Dass Sprache und menschliche Logik eben genau hier ihr Problem hat und das dann der Moment ist, an dem das zusammenbricht?
Ich dachte immer, dass genau das eigentlich mit eines der zentralen Themen ist, dass Bedeutung und sicherlich auch Benennungen immer willkürlich, eigenmächtig und beliebig sind. Ein typisches post-strukturalistisches Merkmal ist doch auch häufig der Hinweis auf die Inkonsistenz der menschlichen Logik und Sprache. Das große Misstrauen gegenüber Kommunikation, gegenüber Sprache finde ich persönlich zentral für den Post-Strukturalismus. Daher - jetzt mal unter uns und ganz persönlich - kann mir dann mal - bitte schön - einer erklären, warum mich als Post-Strukturalist das jucken sollte, ob ich nun konsistent mit mir selbst bin? Na? Na?! Na! Na bitte, danke, gern geschehen.
Gerade (!) als Post-Strukturalist werde ich doch wohl mich selbst mit einem sowieso beliebigen Label bezeichnen dürfen, das mich konstruiert in vollem Bewusstsein. Ja, ja, da oben ging es nur um die Kodifizierung! Nein: Genau hinsehen, zwischen den Zeilen, Ungenauigkeit erkennen - voilá. Mit diesem Text hier übrigens auch. Bin ich dann eigentlich nicht eher Post-Post-Strukturalist? Oder gar nur Post-Post?
Tuesday, February 26. 2008
Dreist: Heute war ich auf der Uni wegen meinem Indianer-Artikel für den Amerika-Band und hatte meinen Laptop dabei. Laptop hingestellt, Bücher hingelegt, nach einiger Zeit aufgestanden, um Bücher wegzustellen und neue zu holen. Den Laptop habe ich abgemacht und mitgenommen - sicher ist sicher. Eines meiner Bücher, die da blieben, habe ich auf den (leeren) Platz vom Laptop gelegt. Als ich nach 5 Minuten wieder komme, sitzt ein Student vollkommen über den Tisch gekauert an diesem Platz - meinem Platz! Er rührte sich kein bisschen, auch als ich näher kam. Da mir das zu doof war und der Student so aussah, als ob menschlicher Kontakt ihn verschrecken würde, habe ich einfach dann meine Sachen einen Platz weiter nach rechts geräumt.
Eigentlich hätte man sehen können und sollen, dass der Platz bereits belegt ist. 6 Bücher, die da quer am Tisch lagen, ein Stift, ein Akku für den Laptop sowie eine abgeschlossene Maus hätten zeigen können: "Da ist jemand, der hat nur seinen Laptop gerade mitgenommen." Und das Tollste an der ganzen Sache: Er hat nur ein paar Sachen aus einem Buch abgeschrieben. Abgeschrieben - wohl gemerkt! Und zwar eine Seite. Das hätte man für 5 Cent auch draußen am Kopierer innerhalb von 10 Sekunden kopieren können, wenn die gerade frei sind. Also nicht nur dreist, sondern auch ineffektiv - die studentische Generation von morgen.
Wednesday, February 13. 2008
Ich habe mein Zeugnis! Ja, heute war Zeugnis-Ausgabe an der Uni-Mainz des Fachbereichs für Philosophie und Philologie. Das bedeutet, ich habe nun sogar eine Urkunde, die mir viel Wissen bestätigt und mir erlaubt, dass ich nun M.A. hinter meinen Namen schreiben darf. Tolles Ding!
Vorher war noch eine kleine Festivität in der Amerikanistik-Bibliothek bei Professor Herget, bei dem ich meine Magister-Arbeit geschrieben habe. Die spätere offizielle Feier hatte ein schönes Paradoxon: Es war eine Feier für die Absolventen, aber am Anfang stellten sich die neu berufenen Professoren vor. Da fragt man sich doch: Wieso stellen die sich bei den Absolventen vor, die sie sowieso nicht mehr sehen? Diese Frage kann wohl keiner wirklich vernünftig beantworten und wenigstens hat der neu berufene Professor für Romanistik das auch ein wenig in seiner "Vorstellung" auf die Schippe genommen - sehr sympathisch.
Und mit meinem Zeugnis ändert sich nun auch der Untertitel meines Blogs. Das B'loggh ist beschworen und nun da, was danach kommt? Das wird die Zeit weisen. Zunächst auf jeden Fall erst einmal die Bewerbungs-Phase.
Wednesday, January 16. 2008
Heute war ich mal wieder seit längerer Zeit in unserer Instituts-Bibliothek, um für meinen Artikel im Amerika-Band noch ein paar letzte Sachen nachzuschlage und: Sie ist umgebaut! Ganz grässlich! Man will ganz normal durch den normalen Eingang reingehen und ... dann geht es nicht! Denn die ganzen Bibliotheken im Philosophicum wurden nun zusammen gesteckt mit einem Haupt-Eingang - den man aber auch erst einmal finden muss. Denn an den ganzen Türen, die man vorher passieren konnte, hingen zwar nun Zettel, dass man hier nicht mehr durch könne und den Haupt-Eingang benutzen sollte, aber wo der ist? Fehl-Anzeige - stand nirgendwo.
Das war im Prinzip nicht so schwer zu finden, aber trotzdem nervig und ein deutliches Zeichen davon, dass irgendjemand sich da ganz schön viele Gedanken um Nichts gemacht hatte. Sowieso ist das alles nun reichlich verwirrend und erschreckend schlecht ausgeschildert drinnen. Außerdem kann man nun Jacken und Taschen mit in die Bibliothek reinnehmen; und das obwohl andernorts pingelig darauf geachtet wird, dass man Jacken und Taschen woanders deponiert. Aber im Philosophicum hat man das wohl nicht mehr nötig und zu viel Geld.
Richtig spannend ist auch eine neue Durchsage-Anlage. Keine Ahnung, ob da auch wirklich wichtige Sachen durchgesagt werden, aber einmal hörte ich jemanden sagen: "5-4-3-2-1." - Meins? Das kam innerhalb von einer viertel Stunde zwei Mal und dann nicht mehr wieder. Und innerhalb von einer halben Stunde kam "Rock DJ" von Robbie Williams für 10 Sekunden über die Lautsprecher. Sauber ... so eine Bibliotheks-Atmosphäre braucht man. Fühlt man sich auch gar nicht mehr gestört. Was für ein Glück bin ich kein Student mehr...
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Comments
Fri, 21.11.2008 14:58
Mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt klappt es dieses Jahr leider nicht. Wir sind erst zwischen den Jahren (also nach [...]
Mon, 17.11.2008 18:58
Danke für den Hinweis. Korrigiert.
Mon, 17.11.2008 18:52
Was ein deutsche Vizejugendmann ist kann ich mir vorstellen, aber was ist ein Schtsmeister? (SCNR)
Fri, 14.11.2008 12:49
Ja, können wir gerne schauen mit dem Esslinger Weihnachtsmarkt. Wir sind wohl wieder zwischen den Jahren unten in [...]
Fri, 14.11.2008 10:50
Ich muß mal schauen, momentan haben wir noch keine großen Pläne gemacht. Evtl die Turniertage und das avarische [...]
Fri, 14.11.2008 09:53
Dimo! Ich musste häufiger in letzter Zeit mal an dich und die anderen Nebellegendler denken. Dieses Jahr ist es leider [...]