Es war doch kein DOOOOM-Ruf; zumindest keiner, dessen Echo nur verhallt. Ungefähr zwischen 19.20 und 19.30 Uhr ist mein Vater heute Abend eingeschlafen - es war wohl ohne Schmerzen. Was die letzten Wochen zwar nicht toll aussah, aber irgendwie noch ging, verschlechterte sich die letzten zwei Tage wohl sehr massiv.
Ich habe es heute Abend sehr überraschend mitbekommen, als ich einfach nur die Wäsche vorbeibringen wollte. Mein Bruder war ebenso da. Schon ein merkwürdiger Zufall, dass wir doch alle etwa eine Stunde vorher da waren. Es sah schon nicht gut aus, als wir da waren, aber ich hätte dann zumindest damit gerechnet, dass es wohl noch ein paar Tage dauert. Als ich dann allerdings zu Hause ankam, hatte meine Mutter bereits angerufen. Keine 10 Minuten, nachdem mein Bruder und ich auf dem Weg jeweils nach Hause waren, ist mein Vater wohl gestorben; fast als ob er damit noch einmal uns alle gesehen hatte (auch wenn er schlief).
Die Anspannung der letzten Wochen, im Prinzip der letzten Monate ist somit ein wenig befreiter geworden. Denn auch, wenn man es nicht wahr haben will: Es belastet einen doch ungemein, selbst wenn es 30 Minuten jenseits der anderen Rhein-Seite ist. Es muss auch keiner hierzu etwas schreiben. Ich persönlich finde sowieso, dass diese ganzen "herzliches Beileid"-Kondolenz-Bekundungen etwas höchst Befremdliches sind, denn jeder macht sie und dadurch, dass man sie schon fast machen muss und dadurch, dass sie Pflicht und Etikette sind, werden sie entwertet. Dadurch kann man nicht wirklich sehen, ob es jemandem wirklich leid tut oder ob jemand wirklich mit empfindet - das merkt man einfach, ob es so ist oder nicht. Aber ein "herzliches Beileid" ist eine Phrase, nicht mehr und nicht weniger. Manchmal aber die einzige Phrase, die einem da leider einfällt, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.