Spannend sind die selbst ernannten Götter des Rollenspiels; und damit meine ich nicht die Götter in den jeweiligen Settings, sondern die Spieler. Es gibt so viele selbst ernannte Päpste des Rollenspiels, die genau wissen, wie man zu rollenspielen hat, dass man egal auf welchem Con, egal auf welchem Server man immer mindestens einen davon findet. Das Ganze sieht dann meist so aus, dass derjenige sehr dogmatische Ansichten von Rollenspiel hat - ein Rollenspiel-N*zi.
Er weiß, wie der perfekte Rollenspieler auszusehen hat, der Uber-Rollenspieler. Und er weiß auch immer genau, wie Andere zu spielen haben. Er hat den größten Einblick, sowohl in den eigenen Charakter (aber der ist für ihn meist unwichtiger), aber noch viel mehr in die Charaktere von Anderen und hier liegt auch das größte Erkennungsmerkmal des Rollenspiel-N*zi: Alles muss so gemacht werden, wie er es will, sonst ist es kein Rollenspiel und dies gilt ganz besonders dabei, wie andere ihre Charaktere zu spielen haben. Level-Aufstiege müssen beispielsweise immer im Rp ausgespielt werden, Zauber und Fertigkeiten müssen immer auch im Spiel erlernt werden. Aber gerade hieran sieht man, wie wenig Ahnung so jemand vom Rollenspiel hat, wenn es hier das dogmatische "immer" gibt, denn "immer" ist das nicht gut.
Es macht wirklich Spaß, diese Sachen auszuspielen, aber man muss es nicht immer. So etwas darf nie zum Selbstzweck verkommen! Man spielt nicht Rollenspiel, um etwas auszuspielen, man spielt Rollenspiel, um Spaß zu haben. Natürlich darf man diese Sachen ausspielen! Habe ich auch schon gemacht und es macht auch Spaß. Aber es sollte passen. Nicht immer auf Biegen und Brechen hinaus alles ausspielen müssen, denn darunter (Achtung, hier kommt das Paradox) leidet das Charakterspiel! Ja, genau, richtig gehört - es leidet darunter. Es wird nicht gefördert, sondern zum Zwang und dadurch unnatürlicher. Häufig werden diese Ausspielsachen so sehr in die Situation zwanghaft reingepresst, dass diese Ausspiel-Situationen nichts Natürliches mehr an sich haben und genau hierunter leidet dann Charakter- und Situations-Tiefe. Bei Filmen und Büchern geschieht auch nicht immer alles minutiös dargestellt. Es gibt Sachen, die off-screen passieren. Bitte auch mehr davon im Rollenspiel, denn das fördert die Charaktertiefe, auch wenn gerade diese Leute das nicht glauben wollen.