Was gibt es eigentlich nun zu meiner Hochzeit zu erzählen? Schon so einiges und das sollte ich auch so langsam endlich einmal machen, sonst mache ich es nie, wie ich leider an meinem DRSRM-Bericht gemerkt habe; je weiter das Ereignis fort rückt, desto unmotivierter werde ich, dazu etwas zu tippen. Ich muss anscheinend wirklich immer zeitnah bloggen, sonst bringt das alles nichts. Schon merkwürdig, ist aber so. Ich beschränke mich da einfach einmal auf einen Schnell-Durchlauf mit ein paar ausführlicheren Anekdoten oder vermutlich eher Anekdötchen.
Am Freitag war unser Standesamt-Termin hier im Rathaus in Ginsheim - im kleinen, familiären Rahmen. Yannicks Eltern kamen hier hoch und meine wohnen sowieso um die Ecke und dann waren noch mein Bruder und seine Freundin da. Mit Yannicks Familie wollten wir unten in Stuttgart nochmal nachfeiern. Es lief auch alles soweit gut, es verspätete sich keiner und wir fanden es auch. Die Standesbeamtin schien auch nett und redete normal - bisher (foreshadowing!).
Yannick wurde dann auch abgeführt, um offiziell eine Änderung ihrer Geburtsurkunde zu beantragen, denn ansonsten hätten wir nicht heiraten dürfen, wie hier nochmal ausführlicher
gebloggt. Wir warteten, aber nach sicherlich 10 Minuten kamen sie wieder, wobei ich mich fragte, ob da nicht doch noch einmal ein Gen-Test gemacht wurde, um ganz sicher zu gehen, denn: wie lange kann eine Unterschrift schon dauern?
Wie dem auch sei, wir setzten uns hin und dann fing es an. Und wie es anfing! Während die Standesbeamtin vorher noch ganz normal gesprochen hatte, fing sie nun an zu leiern und das schlimmer als die meisten Pfarrer, die ich erlebt habe. Da können selbst LARPer flüssiger und ungestellter reden. Der Höhepunkt des Ganzen war aber die Handbewegung, die wohl von der Guten bei einem Standesbeamten-Kurs gekauft worden war. Es war eine so vollkommen ungestellte Handbewegung und im Blog hier irgendwie schwer zu beschreiben. Sie hatte normalerweise die Hände knapp unter dem Tisch und knapp drauf, aber bei dieser Handbewegung fuhren die Hände so leicht nach vorne in unsere Richtung, wie um uns zu präsentieren. Das mag sogar eigentlich eine gute Handbewegung sein, aber bitte nicht 10 mal in einer Minute. Ich hatte das Gefühl, dass jeden Moment der gute Kalkofe auftaucht und etwas ähnliches macht, wie bei dieser Kalkofe-Folge ab Minute 2.00 Uhr.
Auch sehr einprägsam war der Prolog der Standesbeamtin, der ungefähr so ging (bitte monotonen Kultisten-Singsang und cthuloide Handbewegung selbst dazu denken): "Verehrtes [Handbewegung] Brautpaar. Sie haben ihre [Handbewegung] Hochzeit organisiert und sind heute hier erschienen. Das Standesamt, Firmen und das Internet helfen ihnen [Handbewegung], die Hochzeit zu organisieren. Mit Tipps steht ihnen [Handbewegung] jeder gerne zur Verfügung und Freunde und Verwandte wissen Rat ..." Das ging dann noch so 5 Minütchen weiter und ich hoffe, dass das Video gut geworden ist, das Yannicks Vater davon gemacht hat und dass es genug von diesem Prolog aufgefangen hat, denn ansonsten glaubt man uns das sowieso nicht. Es wirkte nämlich eher wie die Bord-Ansage auf einem Flugzeug, bei dem einen die Notausgänge gezeigt werden und auf den Bord-Shop aufmerksam gemacht wird. Und tatsächlich hat am Ende nur noch dies gefehlt: "In unserem Standesamt-Shop können Sie [Handbewegung], verehrtes Brautpaar, viele nützliche und [Handbewegung] hilfreiche Dinge erwerben, die sie nicht organisiert haben." Denn das war schon toll. Wirklich viel organisiert haben wir nicht. Dennoch sagte sie das zu uns.
Kleine Details peppten diesen unvergesslichen Prolog noch auf, denn die Standesbeamtin hatte eine DIN-A4-Seite vor sich, von der sie sehr minutiös und bemüht abgelesen hat, aber ich glaube, beim Lese-Wettbewerb in der 3. Klasse habe ich freier und flüssiger vorgelesen. Und als ich mir das Blatt so ansah, ihre Lese-Geschwindigkeit und die Handbewegungen berücksichtigte, da bekam ich das Gefühl, dass wir hier noch eine Stunde beschäftigt sind. Aber dem war anscheinend nicht so. Es waren wohl nur ein Baukasten für die Rede, bei dem man dann die gerade passenden Bausteine rausliest. Leider erwischte sie wohl den Las-Vegas-Teeny-Hochzeit-Baustein einmal aus Versehen und las vor: "...damit der heutige Tag ihr [Handbewegung] Mega-Event wird." Mega-Event? Das war ein Tiefschlag. Nicht wegen dem Inhalt, sondern wegen dem Wort und in dem Zusammenhang. Ich meine, es war jetzt nicht so, als ob er Rest so richtig passend gewesen wäre, aber Mega-Event war der Knüller in wörtlicher Hinsicht.
In inhaltlicher Hinsicht war der Knüller aber der Baustein, der dann später noch kam, nämlich: "Im Vorfeld ihrer [Handbewegung] Anmeldung, wurden keinerlei Probleme oder Hindernisse für ihre [Handbewegung vergessen] Hochzeit gefunden." Aha!
Keine also.Na, da haben wir ja noch einmal Glück gehabt! Das ist eben schon ganz schön knifflig mit diesen Bausteinen. Da kann man schon einmal daneben greifen.
Doch irgendwann war es dann soweit, dass sie dann zu einem normaleren Text überging, Ringe getauscht wurden und so weiter. Das ist auch weniger etwas zum Erzählen, als eher etwas zum Dabeisein, daher mache ich hier auch die Kurzform, erwähne nur kurz, dass ich den Ring natürlich nicht über Yannicks Finger bekommen habe, weil sie zu dicke Knöchel hat, bei mir hat es aber gut funktioniert. Sie beendete dann ihren Beamten-Singsang auch mit einem kleinen Epilog, eingeleitet durch: "Verehrtes [Handbewegung] Ehepaar..." Ich glaube, diese Handbewegung werde ich nie vergessen und werde wohl dabei immer überraschend besinnlich werden.
Danach ging es dann noch zum All-You-Can-Eat zu unserem Stamm-Chinesen hier, bei dem wir auch an Sylvester eigentlich immer sind - früher "Jade Garden", mittlerweile "Die Chinesische Mauer". Auf dem Rückweg im Auto von Yannicks Eltern lief dann auch nette Musik und zwar
First Day of my life von Mel C., die ich sowieso eigentlich mag und irgendwie passte das Lied ganz gut. Zumindest fand ich es eine schöne Untermalung. Manchmal ist es ganz spannend, was zu manchen Momenten zufällig gerade im Radio kommt. Es gibt dann diese Momente, in denen man wirklich denkt, dass man in einer großen Truman-Show sitzt und das dann der Soundtrack ist.
Aber genug von post-modernen Simulacra und lieber zu wichtigeren Dingen: Dem Essen. Sehr lecker, aber günstig und mit Chinese kann man eigentlich auch nichts falsch machen. Natürlich haben wir uns unseren Lieblings-Tisch reservieren lassen: So einen ganz schicken, runden Tisch mit Dreh-Scheibe in der Mitte. Das ist nicht nur ein tolles Spielzeug, sondern einfach auch geselliger so rund zu sitzen. Essen war gut, Unterhaltung auch und viel gibt es da eigentlich nicht zu erzählen, einmal wieder eher zu erleben, aber das ist zu schwer zu bloggen und überlasse ich dann lieber der Fantasie.
Der Rest des Tages klang dann bei uns zu Hause aus und viel war da auch nicht mehr. Überraschende Hochzeits-Glückwünsche von teilweise Leuten, die ich gar nicht kannte (aber meine Eltern) und Leute, die ich nicht wirklich gut kannte, aber das war in Ordnung. Es hatte mich nur überrascht. Irgendwann machten sich dann auch alle auf den Weg und so hatten wir den Abend dann für uns. Doch was macht man dann? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich finde, dass man da nichts großartig drumherum aufbauschen muss und durchaus dann auch einfach die Sachen machen kann und sollte, die man will. Ich war dann wieder im IRC auch bei uns in der Gilde, wo ich dann gleich von meinem Bruder gesagt bekam: "Du bist jetzt nicht wirklich im Chat, oder?" Doch, bin ich. Wieso auch nicht? Und wir sind dann abends noch gemütlich Karazhan gegangen. Wieso auch nicht?
Es sollte sowieso alles eher im Kleinen sein und die richtige Hochzeit nächstes Jahr - das hatten wir auch immer deutlich gesagt, aber ich glaube, das war und ist bis heute vermutlich bei vielen noch nicht angekommen. Wieso soll ich dann also nicht einfach mit meiner Frau dann auch abends nach Karazhan gehen, wenn wir beide Lust drauf haben? Vollgefressen waren wir schon vom Chinesen, was Anderes hatten wir nicht organisiert, denn wir wollten nichts großartig Anderes organisieren und uns das lieber für die richtige Hochzeit aufheben. Aber irgendwie scheint es dafür wenig Verständnis zu geben, warum man Sachen nicht auch mal "anders" macht und so, wie sie eben zu einem selbst passen. Es gibt heute eben viel zu viele Individuen, die keine sind und wenn man dann eines ist, dann wird man schief angeschaut; aber letzten Endes ist das nicht verwunderlich, denn als Individuum fällt man immer aus der Masse heraus. Denn es sind alle Individuen - außer mir.
Vom nächsten Tag gibt es auch noch ein wenig zu berichten, denn da waren wir dann unten in Kirchheim bei Yannicks Eltern. Sind gerade noch rechtzeitig runter gekommen, haben aber natürlich Kuchen und Windbeutel vergessen, die wir mitnehmen wollten. War klar und liegt aber derzeit auch gut bei uns im Kühlschrank - wird allerdings immer weniger. Essen waren wir auch wieder recht lecker in einem schwäbischen Steak-House dort unten: Der
Hornox. Da sind wir auch häufiger und es ist immer wieder lecker und mehr gibt es da eigentlich auch nicht dazu zu sagen. Dort unten feierten wir dann eben mit Yannicks Verwandschaft, also ihre beiden Brüder und der Freundin von Thilo und deren zwei Kindern, sowie natürlich mit Yannicks Eltern und ihrer Oma.
Yannicks Mutter hatte dann auch ihr zu Hause schön geschmückt, was mir dann schon fast ein wenig peinlich war: Mit Schokoladen-Hochzeits-Kuchen (wenigstens nur 1-stöckig!) und Brautpaar auf dem Tisch, verteilten Blüten und pipapo. Mir war das schon ein wenig unangenehm als wir dann auch noch den Kuchen zusammen anschneiden sollten, weil das eben Brauch ist. All so Sachen wollte ich mir eigentlich für nächstes Jahr, für die richtige Hochzeit aufheben, dieses Jahr sollte wirklich eher "im Kleinen" werden. Irgendwie war es so ja schon ganz nett, aber unangenehm war es mir trotzdem irgendwie.
Der Höhepunkt war dann allerdings, als Yannicks Vater uns etwas auf seiner Gitarre vorspielen wollte. Dazu sollte man sagen, dass Yannicks Vater in einer "Oldie"-Band spielt und wirklich leidenschaftlicher Musiker ist und sich keine Gelegenheit dafür nehmen lässt. Ich muss zugeben, ich war ein wenig skeptisch, als ich hörte, dass er was spielen wollte und dachte mir: "Oh je, was kommt jetzt für ein Lied?" Denn ich bin es gewohnt, dass die Leute sich selten so wirklich Gedanken um mich/uns machen. Es wird an sich gedacht, aber es wird nicht an mich mitgedacht. Dabei ist es auf den ersten Blick vielleicht schwer, meinen Geschmack zu erfassen, aber letzten Endes ist wirklich nicht schwer; und meist langt mir einfach, wenn man sich wirklich Gedanken macht. So zitterte ich und bangte ein wenig, aber was spielte er? "
Storybook Love" - das im Prinzip wirklich Yannicks und mein Lied ist.
Das hatte mich wirklich gefreut und auch sehr überrascht. Da hatten die sich wirklich Gedanken gemacht! Und das hatte mir am meisten gefallen und rundete das Alles einfach schön ab. Irgendwie war es schon immer unser Lied und das war es schon recht früh, noch bevor wir im Prinzip ahnen konnten, wie sehr der Text einmal passen würde - und das tut er in aller post-moderner und post-strukturalistischer Verspieltheit und Selbst-Referenz und Ironie. Doch das werde ich nicht im Einzelnen ausführen, denn das würde zu lange dauern und manche Sachen überlässt man dann doch lieber der Mystik und der Interpretation.
Auch an diesem Samstag waren dann irgendwann alle weg und ebenso ließen wir den Samstag Abend sehr ruhig ausklingen, indem wir ganz gemütlich dann noch "
Enchanted" mit Yannicks Mutter und ihrem Bruder Kim angeschaut haben. Wobei ich da schon sagen muss: Die deutsche Synchro ist (einmal wieder) absolut grässlich und verunstaltet den Film schon zu einer gewissen Weise und nimmt einfach so viel Witz heraus und manchmal sind sogar eigentlich wichtige Sachen nicht oder anders übersetzt, die allem dann eine andere Note verleihen. Daher mein Appell, den Film unbedingt auf Englisch zu sehen. Auf Deutsch war es ungefähr, wie "
Once more with Feeling" auf Deutsch zu sehen - eine Sache, die man nicht machen sollte.
Nun kann man auch hier sagen, wir unspektakulär das Alles doch dann an dem Abend geendet ist. Ob man sich da nicht leer fühlt, weil es so viel mehr hätte sein können? Das "Mega-Event", von dem die Standesbeamtin geleiert hatte? Ja, man kann sich so fühlen, wenn man wirklich anfängt in diese Richtung zu denken und hin und wieder kam das Gefühl auch auf bei mir, wo ich dann überlegt habe, ob ich nicht etwas verpasst hätte. Ob es wirklich richtig war, das alles so zu machen. Ob nicht doch diese ganzen Stimmen recht hatten, die merkwürdig pikiert die Augenbrauen hochziehen, wie wir dann doch abends gerade nichts "Besonderes" mehr an diesem "besonderen Tag" gemacht haben. Doch das sind nicht meine Gedanken. Das Problem ist nur, dass diese Gedanken wie ein Strudel sind, der einen mitreißen kann in die Tiefe und dann kommt man nicht mehr raus; das muss aber nicht sein. Denn all das muss nicht genau so gemacht werden.
Es sind meist dann die Anderen, die von außen anfangen, dieses und jenes zu bemäkeln, dieses und jenes zu kritisieren, dieses und jenes zu verbessern. Dabei vergessen diese Anderen dann, dass es nicht um sie geht - nicht an diesem Tag oder diesen Tagen. Und dennoch wollen sie dieses Rampenlicht an sich reißen, wollen Literatur-Kritiker im Ranicki-Quartett werden, um wichtig zu erscheinen, um sich selbst vielleicht auch nicht ganz so unwichtig zu fühlen. Denn gerade wenn man zum Ranicki wird, wird man selbst nur darüber wichtig, dass man Anderes zerreißt. Aber ist das wirklich eine schöne und tolle Wichtigkeit, die man da dann bekommt? Einfach durch die Zerstörung?
Man muss nur aufpassen, dass man sich von diesen Gedanken nicht runterziehen lässt. Denn für mich - für uns - war es gut und schön, wie es war. Für mich sogar ein wenig zu viel. Aber es war in Ordnung genau so und nicht anders, denn das hatte zu uns gepasst. Wieso sollten wir auch gerade an diesem "besonderen" Tag etwas anders machen, damit es "besonderer" wird, aber dann nicht mehr zu uns passt? Weil man das halt so macht? Oh, these faces in the crowd!
Ich fand es gut so, wie es war, wie es passiert ist. Wie langweilig wäre es, wenn man danach nichts zu erzählen hätte und das haben wir. Da kann man dann noch so sehr sich daran aufhängen, dass ich danach im IRC war, dass ich danach in Karazhan war, dass wir abends ganz gewöhnlich Videos geschaut haben. Solange man sich wenigstens daran aufhängen kann, unterhält man sich auch darüber und solange das ist, solange schlägt es wenigstens irgendeine emotionale Saite an. Und wäre es nicht traurig, wenn es das nicht machen würde? Wenn es einfach der Einheits-Brei wäre, den jeder hat, den jeder erzählt und in dem alle gleich sind?
I believe that just imitating is boring!