Chaos kurz vor dem Hochzeits-Termin! Zumindest haben wir eben gerade eine bange Stunde durchlebt, ob wir überhaupt am Freitag heiraten können. Wieso? Ich erzähle es lieber einmal von vorne mit hoffentlich vorhandenem Spannungs-Bogen und einer hinreichend geglückten Pointe, denn natürlich läuft doch alles glatt und der Termin kann auch beibehalten werden. Dennoch sind wir beide einfach fassungslos, aber irgendwie bin ich auch ganz froh, denn so haben wir noch eine Anekdote mehr zum Erzählen.
Das Telefon klingelt. Ich sehe, dass es eine Nummer aus Gustavsburg sein muss und frage mich, ob ich da wirklich rangehen will oder nicht, denn manchmal sind das dann auch einfach nur irgendwelche blöden Lotto-Aufdräng-Anrufe; wobei die seltener aus Gustavsburg kommen. Trotzdem entschließe ich mich abzuheben und habe dann das Standesamt dran. Die gute Dame fragte mich, ob sie meine Verlobte sprechen könnte, was ich aber verneinen musste, da die auf der Arbeit war. Ich sollte ihr aber ausrichten, dass sie unbedingt von ihr zurückgerufen werden sollte, denn sonst könnte sie die Hochzeit an dem Termin nicht durchführen. Ihre Stimme klang dabei auch ein wenig komisch.
Ich wurde also langsam nervös und teilte Yannick das über ICQ mit, die dann auch gleich versuchte, dort anzurufen. Wie es natürlich das Leben so wollte, hatte ich ihr die falsche Nummer gegeben, weswegen auch ständig besetzt war, bis ich dann auf die Idee kam, mal die Nummern auf der Homepage des Standesamtes zu vergleichen. Keine Ahnung, ob ich in der Aufregung eine Ziffer unterschlagen hatte oder die arme Frau vom Standesamt, denn die muss auch ein wenig durch den Wind gewesen sein.
Yannick rief dort dann also an und ich hörte nichts. 5 Minuten ... 10 Minuten ... dann irgendwann fragte ich vorsichtig nach: "Und? Weißt du nun was los ist?" Und Yannick schrieb mir nur: "Warte, ich ruf dich an. Ich bin ganz sprachlos." In meinem Kopf überschlugen sich schon seit dem Anruf der Standes-Beamtin wildeste Theorien und auch die Horror-Vorstellung, dass Yannick und ich vielleicht doch verwandt wären und das nun erst aufgefallen wäre - 3 Tage vor der Hochzeit.
Das Telefon klingelt. Ich gehe ran und Yannick erklärt es mir: Das Problem der Standes-Beamtin ist, dass Yannick als "männlich" eingetragen ist bei ihrem Geburts-Standesamt und zwei Männer darf sie nicht verheiraten. Daher hat die Standes-Beamtin wohl mehr als einmal nachgefragt bei Yannick, ob sie denn wirklich weiblich wäre und auch keine Geschlechts-Umwandlung gemacht hätte. Eigentlich dürfte das nämlich nicht sein oder Yannick müsste mindestens einen zweiten weiblichen Vornamen haben, der das deutlich macht; hat sie aber nicht und jetzt wissen wir auch wieso. Denn der Standes-Beamte vor fast 30 Jahren hat wohl einfach gepennt und das falsch eingetragen. Yannick war laut diesem Dokument männlich. Wobei diesem Dokument sicherlich nicht nur ich und ihr Frauen-Arzt widersprechen würden.
Yannick hat aber auch nie einen Einzugs-Bescheid von der Bundeswehr bekommen und auch in den restlichen knapp 30 Jahren ist es nie aufgefallen. Erst jetzt fällt es auf - 3 Tage vor der Hochzeit. Zwei Männer kann die Beamtin nicht verheiraten, denn das heißt bei gleichgeschlechtlichen Paaren wohl irgendwie anders. Ich war aber auch so perplex, panisch und wütend in dem Moment, weil ich mich schließlich auch einfach drauf freute auf diesen Termin, zumal der 04.07. als amerikanischer Unabhängigkeits-Tag einfach ein unglaublich witziges Datum ist. Und sowas könnte ins Wasser fallen, weil ein Beamte vor 30 Jahren gepennt hat? "Zur Not machen wir dann eben so eine gleichgeschlechtliche", meinte ich dann zu Yannick, mehr um über die ganze Sache auch lachen zu können, denn so wie es aussah, mussten wir einen Tag warten bis nun bei dem Krankenhaus nachgefragt wurde nach anderen Dokumenten..
Aber wir mussten nur eine einzige, bange Stunde aushalten bis die Standes-Beamtin dann wieder anrief und sagte, dass sie nun bei Yannicks Geburts-Krankenhaus angerufen haben und sich das jetzt alles geklärt hat. Auf ihrem Geburts-Standesamt ist es tatsächlich falsch eingetragen - ein einfacher Eintragungsfehler und wohl einfach, dass der Beamte damals gepennt hat. Daher wird Yannick am Freitag vor der Hochzeit irgend so einen Änderungs-Antrag unterschreiben müssen, damit das geändert wird, denn das kann nur das Gericht ändern und sonst niemand. Für die eigentliche Hochzeit wäre das aber egal, meinte die Beamtin.
Somit sind wir um ein paar Nerven ärmer, aber um eine kleine Anekdote reicher und ich persönlich natürlich um eine nette kleine Gender-Anekdote über die verschiedenen Ebenen, auf denen man unterschiedliches Geschlecht haben kann. Besser kann es eigentlich nicht sein. Wobei ich Yannick vielleicht wirklich vorschlagen würde, sich dann einfach einen zweiten weiblichen Vornamen dann bei dieser Änderung auch eintragen zu lassen, so das denn geht. Mach dir also bis dahin einfach mal Gedanken darüber - wer weiß.